Die US-Bekleidungsmarke True Religion steht möglicherweise vor einem erneuten Eigentümerwechsel. Der Mehrheitseigentümer ACON Investments lässt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters einen vollständigen Verkauf oder die Beteiligung eines weiteren Investors prüfen. Als mögliche Unternehmensbewertung stehen rund eine Milliarde US-Dollar im Raum. Hintergrund sind eine deutliche Verbesserung der Profitabilität und die erfolgreiche Neupositionierung der früheren Premium-Denim-Marke.
JPMorgan soll strategische Optionen prüfen
ACON Investments hat Reuters zufolge die Investmentbank JPMorgan beauftragt, verschiedene Transaktionsmöglichkeiten für True Religion auszuloten. Neben einem vollständigen Eigentümerwechsel kommt demnach auch der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung infrage.
Die Überlegungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Ob daraus tatsächlich ein Verkauf entsteht, ist bislang offen. True Religion, ACON und JPMorgan äußerten sich gegenüber Reuters nicht zu den Informationen.
ACON hatte im Dezember 2024 die Kontrolle über die Modemarke übernommen. An der damaligen Transaktion war auch SB360 Capital Partners aus dem Umfeld der amerikanischen Einzelhandelsfamilie Schottenstein beteiligt.
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EBITDA nähert sich 150 Millionen Dollar
Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte ein wesentlicher Grund für die Verkaufsüberlegungen sein. Nach Angaben aus informierten Kreisen erzielt True Religion inzwischen einen Jahresumsatz von annähernd 550 Millionen US-Dollar und ein EBITDA von knapp 150 Millionen US-Dollar.
Seit dem Einstieg von ACON soll sich das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nahezu verdoppelt haben. Aus den genannten Größen ergibt sich rechnerisch eine EBITDA-Marge von etwa 27 Prozent.
Bei einer Bewertung von einer Milliarde US-Dollar läge der Unternehmenswert ungefähr beim 6,7-Fachen des jährlichen EBITDA beziehungsweise beim 1,8-Fachen des Umsatzes. Die Zahlen beruhen allerdings auf Medieninformationen und nicht auf öffentlich zugänglichen, unabhängig geprüften Jahresabschlüssen.
Neuausrichtung nach zwei Insolvenzverfahren
True Religion wurde 2002 in Los Angeles gegründet und entwickelte sich mit auffälligen Jeansdesigns zu einer bekannten Modemarke der 2000er-Jahre. Charakteristische Nähte, markante Gesäßtaschen und die Verbindung zur Popkultur prägten das damalige Erscheinungsbild.
Veränderte Konsumgewohnheiten und der Aufstieg anderer Bekleidungssegmente belasteten später das Geschäft. Das Unternehmen musste 2017 erstmals ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts einleiten. Während der Corona-Pandemie folgte 2020 eine zweite Restrukturierung unter Gläubigerschutz.
Unter CEO Michael Buckley hat True Religion seine Positionierung inzwischen grundlegend verändert. Statt sich hauptsächlich auf hochpreisige Jeans zu konzentrieren, bietet das Unternehmen ein breiteres Sortiment an Freizeitbekleidung zu zugänglicheren Preisen an.
Y2K-Trend unterstützt die Rückkehr der Marke
Zusätzlichen Rückenwind erhält True Religion durch das wiedererstarkte Interesse an Mode der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Der sogenannte Y2K-Trend hat auffällige Denim-Designs und markante Markenlogos erneut populär gemacht.
True Religion kann dabei auf seine historische Verbindung zu dieser Stilrichtung zurückgreifen. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, seine Abhängigkeit vom klassischen Jeansgeschäft zu reduzieren.
Nach Angaben von Buckley entfallen inzwischen nur noch etwa 35 bis 40 Prozent des Umsatzes auf Jeans. Bei einem Gesamtumsatz von rund 550 Millionen US-Dollar entspricht das rechnerisch etwa 193 bis 220 Millionen US-Dollar. Der größere Teil der Erlöse stammt somit bereits aus anderen Produktkategorien.
Filialnetz soll auf 150 Geschäfte wachsen
Neben der Sortimentserweiterung plant True Religion einen deutlichen Ausbau seines stationären Vertriebs. Nach Angaben des Unternehmenschefs betreibt die Marke derzeit rund 60 Geschäfte, mittelfristig sollen es 150 werden.
Das entspräche 90 zusätzlichen Standorten und einer Vergrößerung des Filialnetzes um 150 Prozent. Eigene Geschäfte könnten die Markenpräsenz stärken und zusätzliche Umsatzmöglichkeiten eröffnen.
Die Expansion bringt allerdings auch höhere Miet-, Personal- und Investitionskosten mit sich. Für potenzielle Investoren dürfte deshalb entscheidend sein, ob True Religion seine hohe operative Profitabilität trotz des geplanten Wachstums halten kann.
Milliardenbewertung hängt von nachhaltigem Wachstum ab
Ein Verkauf würde für ACON Investments einen möglichen Ausstieg weniger als zwei Jahre nach der Übernahme bedeuten. Ob die Beteiligungsgesellschaft sämtliche Anteile abgeben oder über eine neue Eigentümerstruktur weiterhin investiert bleiben würde, ist nicht bekannt.
Die mögliche Milliardenbewertung verdeutlicht das wirtschaftliche Potenzial einer wiederbelebten Modemarke. Gleichzeitig bleibt offen, wie dauerhaft die aktuelle Nachfrage und die verbesserten Ergebnisse sind.
Neben dem Erfolg der neuen Sortimentsstrategie wird insbesondere die weitere Entwicklung des Denim-Trends eine Rolle spielen. Auch die Wirtschaftlichkeit der geplanten Filialexpansion dürfte bei einer möglichen Transaktion genau geprüft werden.


