Frauen sind in Führungspositionen deutscher Unternehmen weiterhin deutlich seltener vertreten als Männer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2025 lediglich 30,3 Prozent der Führungskräfte weiblich, während der EU-Durchschnitt bei 35,9 Prozent lag. Grundlage sind Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die Destatis anlässlich des Europäischen Statistiktags am 20. Oktober veröffentlicht hat. Besonders auffällig ist die geringe Entwicklungsgeschwindigkeit: Innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich der Frauenanteil in Deutschland nur um einen Prozentpunkt.
Rund 569.000 Frauen in Führungspositionen
Im Jahr 2025 hatten in Deutschland etwa 569.100 Frauen eine Führungsposition inne. Ihnen standen rund 1,31 Millionen männliche Führungskräfte gegenüber, womit Männer weiterhin mehr als zwei Drittel der entsprechenden Stellen besetzten.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit deutlich hinter mehreren anderen Mitgliedstaaten. Schweden erreichte mit 44,4 Prozent erneut den höchsten Frauenanteil in Führungspositionen, gefolgt von Lettland mit 43,8 Prozent und Estland mit 43,1 Prozent. Die niedrigste Quote verzeichnete Zypern mit 25,9 Prozent.
Auch Italien mit 28,6 Prozent und die Niederlande mit 30,0 Prozent lagen unter dem europäischen Durchschnitt. Deutschland bewegte sich damit im unteren Bereich der erfassten EU-Staaten.
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Deutschland macht im Zehnjahresvergleich kaum Fortschritte
Zwischen 2015 und 2025 erhöhte sich der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland lediglich von 29,3 auf 30,3 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von einem Prozentpunkt innerhalb eines Jahrzehnts.
EU-weit fiel die Entwicklung deutlich dynamischer aus. Im gleichen Zeitraum stieg der Frauenanteil in Führungspositionen durchschnittlich um vier Prozentpunkte. Besonders starke Zuwächse meldeten Malta mit 13,9 Prozentpunkten, Estland mit zwölf Prozentpunkten und Österreich mit 7,5 Prozentpunkten.
In einigen Mitgliedstaaten ging der Anteil dagegen leicht zurück. Dazu gehörten Slowenien, Litauen und Lettland, wobei Lettland trotz des Rückgangs weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt lag.
Hohe Erwerbsbeteiligung führt nicht zu mehr Chefinnen
Die geringe Präsenz von Frauen in deutschen Führungsetagen steht im Gegensatz zu ihrem vergleichsweise hohen Anteil an der Gesamtbeschäftigung. Im Jahr 2025 waren 47,1 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland weiblich, womit das Land leicht über dem EU-Durchschnitt von 46,5 Prozent lag.
Ein Vergleich mit Österreich verdeutlicht den Unterschied. Dort stellten Frauen 47,5 Prozent der Erwerbstätigen und besetzten zugleich 37,2 Prozent der Führungspositionen. In Deutschland fällt die Repräsentation auf Leitungsebene trotz einer ähnlichen Erwerbsbeteiligung deutlich geringer aus.
In Italien lag der Frauenanteil an allen Erwerbstätigen dagegen bei lediglich 42,6 Prozent. Gleichzeitig erreichten Frauen dort einen Anteil von 28,6 Prozent an den Führungspositionen.
Frauenanteil in der Bundesregierung deutlich höher
Anders als in der Wirtschaft liegt Deutschland bei der politischen Repräsentation von Frauen über dem europäischen Durchschnitt. Nach Angaben des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) waren im dritten Quartal 2026 insgesamt 42,6 Prozent der Mitglieder der Bundesregierung weiblich. EU-weit betrug der entsprechende Anteil 33,5 Prozent.
Die höchsten Werte erreichten Finnland mit 56,7 Prozent und Dänemark mit 52,4 Prozent. In beiden Ländern waren damit mehr Frauen als Männer in der Regierung vertreten, während Schweden mit jeweils 50 Prozent eine ausgeglichene Besetzung aufwies.
Am anderen Ende der Rangliste standen Tschechien mit 12,5 Prozent, die Slowakei mit 13,7 Prozent und Zypern mit 16,7 Prozent. Die Unterschiede zeigen, dass sich die Geschlechterverteilung in politischen Führungspositionen innerhalb der EU erheblich unterscheidet.
Abstand zum EU-Durchschnitt bleibt bestehen
Die Eurostat-Zahlen verdeutlichen, dass der Frauenanteil in deutschen Führungspositionen trotz leichter Fortschritte seit 2015 nur langsam zunimmt. Während andere EU-Staaten ihre Quoten deutlich steigerten, blieb die Entwicklung hierzulande weitgehend stabil.
Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen dem hohen Anteil erwerbstätiger Frauen und ihrer vergleichsweise geringen Präsenz in Leitungsfunktionen. Welche konkreten Ursachen hinter dieser Differenz stehen, lässt sich aus den veröffentlichten Vergleichszahlen allein nicht ableiten.



