Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic will einen Teil seines Unternehmenswerts dauerhaft für gesellschaftliche Zwecke einsetzen. Dazu hat der Entwickler des KI-Assistenten Claude am vergangenen Wochenende die Gründung des Anthropic Public Benefit Fund angekündigt. Vorbehaltlich der Zustimmung der Anteilseigner sollen zunächst fünf Prozent der Unternehmensanteile in den Fonds eingebracht werden. Bei steigender Unternehmensbewertung kann dieser Anteil schrittweise wachsen.
Fondsanteil soll mit Unternehmenswert steigen
Das Modell sieht vor, dass der Fonds bei einer Wertsteigerung von jeweils 50 Prozent gegenüber einer festgelegten Ausgangsbewertung um weitere zwei Prozentpunkte aufgestockt werden kann. Über die zusätzlichen Zuteilungen entscheidet der Verwaltungsrat des Unternehmens.
Damit soll die finanzielle Ausstattung des Fonds langfristig an die wirtschaftliche Entwicklung von Anthropic gekoppelt werden. Je erfolgreicher das Unternehmen wächst, desto größer könnte der Anteil werden, der ausdrücklich gesellschaftlichen Zwecken gewidmet ist.
Anthropic orientiert sich dabei nach eigenen Angaben an Beteiligungsmodellen aus der Technologiebranche. Während zusätzliche Aktienpakete häufig für die Vergütung von Führungskräften vorgesehen werden, sollen entsprechende Beteiligungen hier gemeinwohlorientierten Vorhaben zugutekommen.
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Flexible Förderung gesellschaftlicher Projekte
Der Fonds wird als vollständig von Anthropic gehaltene Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach US-Recht organisiert. Anders als eine klassische gemeinnützige Organisation soll diese Struktur unterschiedliche Förder- und Finanzierungsformen ermöglichen.
Neben größeren Zuwendungen an bestehende gemeinnützige Einrichtungen kommen nach Unternehmensangaben auch direkte finanzielle Leistungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen infrage. Konkrete Förderprogramme oder Empfänger wurden bislang nicht bekannt gegeben.
Anthropic betont zudem, dass die im Fonds gehaltenen Unternehmensanteile weder für Lobbyarbeit noch für politische Spenden eingesetzt werden sollen. Diese Einschränkung gilt nach Angaben des Unternehmens sowohl innerhalb als auch außerhalb der USA.
Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Beschäftigung
Ein möglicher Schwerpunkt des Fonds sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz. Anthropic verweist insbesondere auf Veränderungen am Arbeitsmarkt, die durch den zunehmenden Einsatz leistungsfähiger KI-Systeme entstehen könnten.
Das Unternehmen hat bereits 200 Millionen US-Dollar für die Erforschung und Bewältigung solcher Entwicklungen zugesagt. Mit dem neuen Fonds sollen künftig auch umfangreichere Maßnahmen möglich werden, sofern die technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen dies erforderlich machen.
Daneben engagiert sich Anthropic nach eigenen Angaben bereits in der KI-Sicherheitsforschung, bei biomedizinischen Anwendungen und durch vergünstigte Claude-Angebote für gemeinnützige sowie wissenschaftliche Einrichtungen. Diese Aktivitäten bleiben Bestandteil des regulären Unternehmensgeschäfts.
Rund 20 Prozent der Anteile für Gemeinwohl vorgesehen
Die neue Initiative ergänzt frühere Zusagen von Unternehmensgründern und Beschäftigten. Die Mitgründer hatten sich bereits bei der Gründung von Anthropic verpflichtet, 80 Prozent ihrer persönlichen Unternehmensbeteiligungen für Spendenzwecke vorzusehen.
Darüber hinaus betreibt Anthropic ein Programm, bei dem das Unternehmen entsprechende Beteiligungsspenden seiner Mitarbeiter ergänzt. Nach eigenen Angaben beteiligt sich ungefähr die Hälfte der Belegschaft daran.
Unter Einbeziehung des neuen Fonds sollen damit insgesamt rund 20 Prozent der Anthropic-Anteile gesellschaftlichen Zwecken gewidmet sein. Dieser Wert umfasst unterschiedliche Beteiligungszusagen und könnte bei Erreichen bestimmter Bewertungsziele weiter steigen.
Weitere Angaben zur Fondsverwaltung angekündigt
Wichtige Einzelheiten zur Organisation und Kontrolle des Fonds stehen noch aus. Anthropic will in den kommenden Monaten nähere Informationen zu den Entscheidungsstrukturen sowie zu den Bewertungsgrenzen veröffentlichen, bei denen zusätzliche Unternehmensanteile zugeteilt werden können.
Außerdem kündigte das Unternehmen einen Bericht über bisherige Fortschritte bei der Verfolgung seiner gesellschaftlichen Ziele an. Wie groß das tatsächlich verfügbare Fördervolumen ausfallen wird, hängt unter anderem von der Unternehmensbewertung, den vorgesehenen Beteiligungsübertragungen und deren Umsetzung ab.



