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BR-Recherche deckt Datenleck in deutschen Mobilfunknetzen auf

Mann mit rotem Smartphone und Laptop
Foto: Pexels

Key takeaways

BR-Recherche deckt auf, dass deutsche Mobilfunknetze beim Rufaufbau technische Smartphone-Daten übermitteln konnten. Netzbetreiber reagierten bereits, während Experten vor den Risiken gezielter Angriffe durch Fingerprinting warnen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Eine Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) hat eine bislang wenig beachtete Schwachstelle in deutschen Mobilfunknetzen aufgedeckt. Bei Testanrufen wurden bereits während des Rufaufbaus technische Informationen des angerufenen Smartphones an die Anruferseite übertragen. Betroffen waren nach den Untersuchungen die Netze von Telekom, Vodafone und Telefónica.

Zu den übermittelten Daten gehörten unter anderem die eindeutige Gerätekennung IMEI, Angaben zum Smartphone-Modell sowie teilweise die installierte Betriebssystemversion. Für den Aufbau eines gewöhnlichen Telefongesprächs sind diese Informationen nach Einschätzung von Experten und Regulierungsbehörden nicht erforderlich.

Sensible Daten wurden bereits vor Gesprächsbeginn übertragen

Im Rahmen von mehr als 70 Testanrufen stellte das Rechercheteam fest, dass bestimmte Geräteinformationen schon während des Verbindungsaufbaus an den Anrufer gelangten. Der Angerufene musste das Gespräch dafür nicht einmal annehmen. Besonders kritisch bewerten Sicherheitsexperten die Übertragung der sogenannten IMEI. Diese eindeutige Gerätekennung dient eigentlich ausschließlich der Identifizierung eines Mobiltelefons innerhalb des Mobilfunknetzes und sollte nach den Spezifikationen der Standardisierungsorganisation 3GPP die Netzgrenzen nicht verlassen.

Auch die Bundesnetzagentur erklärte, dass diese Informationen für den Rufaufbau grundsätzlich nicht benötigt werden und daher nicht an Kommunikationspartner übermittelt werden sollten.

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Moderne Mobilfunknetze erhöhen die technische Komplexität

Die Ursache liegt nach Einschätzung der Recherche nicht in einer einzelnen Sicherheitslücke, sondern im Zusammenspiel moderner Mobilfunktechnik. Telefonate werden heute überwiegend über IP-basierte Technologien wie Voice over LTE (VoLTE) und das IP Multimedia Subsystem (IMS) abgewickelt. Für den Verbindungsaufbau kommt dabei unter anderem das Session Initiation Protocol (SIP) zum Einsatz, das zahlreiche technische Parameter zwischen Endgerät und Netz austauscht. Grundsätzlich sind diese Signalisierungsinformationen notwendig, um Gespräche aufzubauen.

Problematisch wird es jedoch, wenn dabei Informationen weitergegeben werden, die für die eigentliche Kommunikation keine Funktion erfüllen. Bereits seit vielen Jahren weisen internationale Standards darauf hin, dass Angaben zu Softwareversionen oder Geräten unnötige Sicherheitsrisiken schaffen können.

Geräteinformationen erleichtern gezielte Cyberangriffe

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten besteht die eigentliche Gefahr nicht darin, dass ein Angreifer allein mit einer IMEI oder einer Betriebssystemversion ein Smartphone übernehmen könnte. Vielmehr liefern solche Informationen wertvolle Bausteine für sogenannte Fingerprinting-Angriffe. Durch die Kombination aus Gerätekennung, Smartphone-Modell und Softwarestand können Cyberkriminelle oder staatliche Akteure potenzielle Ziele deutlich genauer analysieren. Bekannte Schwachstellen lassen sich gezielt identifizieren und Phishing- oder Social-Engineering-Angriffe individueller vorbereiten.

Besonders für Politiker, Behörden, Militärangehörige oder Unternehmen kritischer Infrastrukturen steigt dadurch das Risiko gezielter Cyberoperationen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte die vom BR identifizierte Schwachstelle deshalb als sicherheitsrelevant ein und sieht insbesondere durch staatliche Angreifer ein realistisches Missbrauchspotenzial.

Netzbetreiber reagieren mit technischen Anpassungen

Nachdem der Bayerische Rundfunk seine Erkenntnisse den Netzbetreibern mitgeteilt hatte, kündigten alle drei Unternehmen Maßnahmen an. Telefónica setzte nach eigenen Angaben bereits technische Änderungen um, Vodafone schränkte die übermittelten Informationen weiter ein und die Deutsche Telekom stellte ebenfalls Anpassungen ihres Netzes in Aussicht.

Darüber hinaus informierte die internationale Mobilfunkorganisation GSMA mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen weltweit über die Problematik und empfahl, nicht benötigte Signalisierungsdaten konsequent aus den Verbindungsinformationen zu entfernen. Ziel ist es, die Datenminimierung innerhalb moderner Mobilfunknetze konsequenter umzusetzen und unnötige Informationen bereits vor ihrer Übertragung herauszufiltern.

Der Fall zeigt grundsätzliche Herausforderungen moderner Mobilfunknetze

Die Recherche macht deutlich, dass Cybersicherheit im Mobilfunk längst nicht mehr allein von verschlüsselten Funkverbindungen abhängt. Moderne Netze bestehen aus zahlreichen Softwarekomponenten, unterschiedlichen Endgeräten und komplexen Protokollen, deren Zusammenspiel kontinuierlich überprüft werden muss. Schon vermeintlich harmlose technische Metadaten können wertvolle Informationen für professionelle Angreifer liefern.

Auch wenn aus den veröffentlichten Erkenntnissen keine unmittelbare Gefahr für durchschnittliche Smartphone-Nutzer entsteht, unterstreicht der Fall die Bedeutung von Datensparsamkeit und regelmäßigen Sicherheitsprüfungen in zunehmend softwaregesteuerten Telekommunikationsnetzen. Die Reaktionen der Netzbetreiber und der GSMA zeigen zugleich, dass die Problematik über Deutschland hinaus als relevant für die Sicherheit moderner Mobilfunkinfrastrukturen eingestuft wird.

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