Warner Bros Discovery (WBD) bleibt auf Netflix-Kurs: Der Verwaltungsrat des US-Medienunternehmens hat das milliardenschwere Übernahmeangebot von Paramount Skydance einstimmig abgelehnt. Das Gremium erklärte, das Angebot sei nicht im besten Interesse von WBD und seinen Anteilseignern und im Vergleich zur geplanten Fusion mit Netflix klar unterlegen.
Bereits im Dezember 2025 hatte Netflix eine verbindliche Offerte über 27,75 US-Dollar pro WBD-Aktie vorgelegt – ein Deal mit einem Unternehmenswert von rund 82,7 Milliarden Dollar (ca. 76,2 Mrd. Euro), der die Übernahme des Film- und Fernsehgeschäfts sowie von HBO Max und HBO umfasst. Parallel soll der Bereich Discovery Global als eigenständiges Unternehmen abgespalten werden, was für das dritte Quartal 2026 geplant ist.
Netflix-Deal bietet mehr Stabilität
Die WBD-Führung verweist insbesondere auf die bessere Planbarkeit und geringere Risiken des Netflix-Deals. „Das Angebot von Paramount bleibt in mehreren entscheidenden Bereichen deutlich schwächer“, betonte Verwaltungsratschef Samuel A. Di Piazza Jr. Im Vergleich zum Netflix-Deal sei das Skydance-Angebot finanziell riskanter, beinhalte eine hohe Verschuldung und schließe keine vergleichbare Absicherung bei einem Scheitern ein.
Laut WBD würde ein Wechsel zum Skydance-Angebot rund 4,7 Milliarden Dollar (ca. 4,3 Mrd. Euro) an Kosten verursachen – darunter Vertragsstrafen gegenüber Netflix, Gebühren für nicht vollzogene Finanzierungen sowie höhere Zinslasten. All das würde die Attraktivität des Skydance-Angebots deutlich mindern, zumal auch der garantierte Abbruchbetrag im Fall eines Scheiterns auf lediglich 1,1 Milliarden Dollar netto reduziert würde.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zweifel an Finanzierung und Umsetzung
Besonders kritisch sieht das Board die hohe Fremdfinanzierung des Paramount-Angebots. Skydance, dessen Marktwert lediglich rund 14 Milliarden Dollar beträgt, will die Übernahme mit 94,65 Milliarden Dollar an Fremd- und Eigenkapital stemmen – ein Hebel von rund dem Siebenfachen seiner eigenen Marktkapitalisierung. Diese Struktur erinnert an einen klassischen Leveraged Buyout und gilt als besonders risikobehaftet.
Die Finanzierung hängt dabei stark von mehreren Partnern wie Bank of America, Citi und Apollo Global Management ab. Der Deal würde den größten LBO der Unternehmensgeschichte darstellen und könnte bei sich verändernden Marktbedingungen oder einer Verschlechterung der Unternehmenskennzahlen ins Wanken geraten. Hinzu kommen Einschränkungen für WBD während der Übergangsphase, die operative Freiheiten beschneiden würden.
Netflix hingegen bringt mit einem Börsenwert von rund 400 Milliarden Dollar (ca. 368 Mrd. Euro), einem soliden A/A3-Rating und einem erwarteten Free Cashflow von mehr als 12 Milliarden Dollar (ca. 11 Mrd. Euro) für 2026 deutlich stabilere Bedingungen mit. Zudem ist das Scheitern der Netflix-Fusion mit einer Abfindung in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar abgesichert.
Die Botschaft des WBD-Verwaltungsrats an die Aktionäre ist eindeutig: Das Netflix-Angebot ist die sicherere und werthaltigere Option. Eine Abkehr von der vereinbarten Fusion mit dem Streaming-Marktführer würde nicht nur zusätzliche Kosten verursachen, sondern auch die Umsetzung strategischer Initiativen gefährden.


