Update 20.10.2025, 15:30 Uhr: Der Artikel wurde um ein Statement der europäischen Coca-Cola-Gesellschaft ergänzt.
Über 400 Beschäftigte aus mehreren norddeutschen Coca-Cola-Standorten haben am Montag in Bremen die Arbeit niedergelegt. Der Warnstreik ist der Auftakt einer bundesweiten Streikwelle, zu der die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen hat. Anlass ist das aus Sicht der Gewerkschaft unzureichende Angebot in den laufenden Tarifverhandlungen.
Kein Plus 2025, kaum Bewegung 2026
Das bisherige Angebot des Unternehmens sieht für das Jahr 2025 keinerlei Entgelterhöhung vor. Für 2026 ist lediglich ein Lohnplus von 1,5 Prozent vorgesehen – ein Vorschlag, den die NGG als unzureichend und respektlos gegenüber der Leistung der Beschäftigten bezeichnet. Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft, dass Auszubildende von jeglicher Erhöhung ausgenommen werden sollen.
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NGG fordert deutlich mehr
Die NGG fordert bei einer Laufzeit des Tarifvertrags ab dem 1. September 2025 eine Vorweganhebung um 150 Euro auf alle Entgelte, zusätzlich fünf Prozent mehr Lohn sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 120 Euro pro Ausbildungsjahr. Ziel sei es, soziale Ungleichgewichte innerhalb des Unternehmens abzubauen.
Stellenabbau trotz steigender Produktion
Die Gewerkschaft kritisiert zudem die Personalpolitik von Coca-Cola in Deutschland. Innerhalb der letzten zehn Jahre wurden rund 4.000 Stellen gestrichen – von ehemals über 10.000. Dies, obwohl die Produktionsmengen gestiegen seien. Immer weniger Beschäftigte müssten demnach immer mehr leisten, während der Konzern seine Gewinne weiter steigere.
Coca-Cola verweist auf bereits erfolgte Lohnerhöhungen
Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) betont dagegen, dass bereits im März 2025 eine Entgelterhöhung von rund 3,5 Prozent – im Schnitt 170 Euro monatlich – umgesetzt wurde. Zudem habe man die Belegschaft während der Inflationsphase zwischen 2021 und 2023 mit einem steuerfreien Inflationsbonus in Höhe von 3.000 Euro unterstützt. Seit 2023 seien die Tarifentgelte insgesamt um monatlich 670 Euro angehoben worden.
Die Arbeitgeberseite verweist darauf, dass das vorgelegte Angebot in der ersten Verhandlungsrunde auch die wirtschaftlich angespannte Lage sowie die bereits gestiegenen Personalkosten berücksichtige. „Wir haben unser Angebot bewusst so gestaltet, dass es sowohl die aktuell herausfordernde wirtschaftliche Lage als auch die bereits geleisteten hohen Entgeltabschlüsse der vergangenen Jahre berücksichtigt“, so Kathrin Flohr, Geschäftsführerin People & Culture bei CCEP DE. Die Tarifverhandlungen sollen vom 10. bis 12. November 2025 fortgesetzt werden.
Weitere Streiks angekündigt
Die NGG kündigte an, bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 10. November in Hamburg bundesweit weitere Warnstreiks an allen Standorten zu organisieren. Sollte es keine Bewegung seitens der Arbeitgeber geben, werde der Arbeitskampf fortgesetzt. „Die Beschäftigten werden weiterkämpfen, bis sie ein faires Angebot erhalten“, so NGG-Vize Freddy Adjan.


