Die anhaltend schwache Konsumstimmung hinterlässt zunehmend Spuren in der deutschen Mode- und Lederwarenindustrie. Wie jetzt bekannt wurde, haben bereits Mitte Juni die operativen Gesellschaften Picard Lederwaren GmbH & Co. KG sowie Picard Leathergoods Retail GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Offenbach am Main ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat dem Antrag inzwischen stattgegeben.
Ziel des Familienunternehmens ist es, die wirtschaftliche Basis nachhaltig zu stabilisieren und die Organisation an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung im Amt und steuert die Restrukturierung eigenständig. Unterstützt wird sie dabei von externen Sanierungsexperten sowie einer gerichtlich bestellten Sachwalterin.
Geschäftsbetrieb läuft stabil weiter
Für Kunden, Lieferanten und Handelspartner soll sich durch das Verfahren zunächst nichts ändern. Nach Angaben des Unternehmens werden alle Geschäftsaktivitäten uneingeschränkt fortgeführt. Dies gilt sowohl für den eigenen Online-Shop als auch für die Marken-Stores an den Flughäfen Frankfurt und München. Auch stationäre Händler und weitere Vertriebspartner werden weiterhin regulär beliefert.
Die rund 90 Beschäftigten behalten ebenfalls Planungssicherheit. Arbeitsplätze bleiben erhalten, und die Löhne sowie Gehälter sind vorerst gesichert.
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Sanierung mit externer Unterstützung
Zur Umsetzung der Restrukturierung wird die Geschäftsführung von erfahrenen Experten begleitet. Holger Rhode und Dr. Raul Taras von der Kanzlei Görg sowie Thomas Montag von Montag & Montag unterstützen den Prozess. Die Rolle der vorläufigen Sachwalterin übernimmt Nadja Raiß von K&L Gates, die den Ablauf im Interesse der Gläubiger überwacht.
Die konkrete Ausgestaltung der Sanierungsmaßnahmen wird derzeit erarbeitet. Nach aktueller Planung soll das Verfahren bereits im Herbst 2026 abgeschlossen werden.
Schwache Nachfrage belastet die Branche
Als Hauptursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Unsicherheit auf den Märkten führt zu einer deutlich geringeren Nachfrage nach Mode- und Lederwaren – sowohl in Deutschland als auch international.
Damit steht Picard stellvertretend für eine gesamte Branche, die unter steigenden Kosten, intensivem Wettbewerb und einer verhaltenen Konsumlaune leidet. Eigenverwaltungsverfahren gewinnen in diesem Umfeld an Bedeutung, da sie Unternehmen ermöglichen, frühzeitig gegenzusteuern und gleichzeitig den operativen Betrieb aufrechtzuerhalten.
Traditionsunternehmen unter Anpassungsdruck
Picard zählt zu den traditionsreichen deutschen Lederwarenherstellern und wurde 1928 in Obertshausen gegründet. Das Sortiment umfasst Handtaschen, Business-Taschen, Kleinlederwaren und Accessoires. Der Vertrieb erfolgt über verschiedene Kanäle, darunter Online-Shop, Fachhandel, Kaufhäuser sowie eigene Stores.
Produziert wird sowohl am Stammsitz in Hessen als auch an internationalen Standorten, unter anderem in Bangladesch und der Ukraine. Das Unternehmen setzt dabei auf langfristige Partnerschaften sowie definierte Nachhaltigkeits- und Sozialstandards.
Die aktuelle Eigenverwaltung ist nicht der erste Sanierungsschritt. Bereits während der Corona-Pandemie hatte Picard ein Insolvenzverfahren, das schließlich 2021 beendet wurde, durchlaufen. Die erneute Restrukturierung zeigt, wie stark sich die Rahmenbedingungen für mittelständische Markenhersteller in den vergangenen Jahren verändert haben.





