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Nach Verlagerung der Produktion: Playmobil baut Rechenzentrum-Campus

Farbige Glasfaserkabel in einem Rechenzentrum
Foto: Pexels

Key takeaways

➟ Aus einem früheren Produktionsareal entsteht ein neuer Standort für digitale Infrastruktur. Die Unternehmensgruppe setzt auf leistungsfähige Stromanschlüsse, verschiedene Betreibermodelle und langfristige Investitionen in die regionale Wirtschaft.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Horst Brandstätter Group plant auf ihrem bisherigen Playmobil-Produktionsgelände in Dietenhofen einen großflächigen Rechenzentrums-Campus. Unter der Bezeichnung „Playmobil digital“ soll auf rund 18 Hektar eine IT-Infrastruktur mit zunächst 100 Megawatt elektrischer Anschlussleistung entstehen. Weitere Ausbaustufen sind vorgesehen. Die Unternehmensgruppe will dafür eigenen Angaben nach in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investieren.

Mit dem Projekt erhält das Industrieareal nach der Verlagerung der Spielwarenproduktion eine neue wirtschaftliche Perspektive. Playmobil digital wird als eigenständiger Geschäftsbereich neben Playmobil, Lechuza und den FunParks aufgebaut. Angesprochen werden regionale Unternehmen ebenso wie internationale Rechenzentrumsbetreiber und große Cloud-Anbieter.

Bestehende Stromversorgung als Standortvorteil

Eine wichtige Grundlage bildet die bereits vorhandene Energieinfrastruktur. Das Gelände verfügt über eine 110-Kilovolt-Netzanbindung mit zwei voneinander unabhängigen Zuführungen. Der Energieversorger N-ERGIE hat nach Unternehmensangaben die erforderlichen Netzkapazitäten für die geplanten 100 Megawatt zugesichert.

Die Lage in der Metropolregion Nürnberg zwischen München und Frankfurt sowie bestehende Datenverbindungen sollen zusätzliche Standortvorteile bieten. Der Campus wird insbesondere für Anwendungen mit hohem Rechenbedarf konzipiert, darunter künstliche Intelligenz und leistungsintensive Datenverarbeitung.

Die Entwicklung erfolgt schrittweise. Vorhandene Industriehallen können für erste Rechenzentrumsmodule genutzt werden, während weitere Gebäude auf bislang unbebauten Flächen entstehen sollen. Die Unternehmensgruppe setzt damit auf die Umnutzung bestehender Industrieflächen statt auf die Erschließung eines vollständig neuen Standorts.

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Vier Geschäftsmodelle für unterschiedliche Kunden

Playmobil digital soll sowohl großen Infrastrukturbetreibern als auch mittelständischen Unternehmen Rechenzentrumskapazitäten anbieten. Dafür sieht das Konzept vier unterschiedliche Nutzungsmodelle vor, die sich hinsichtlich Ausstattung und Betriebsverantwortung unterscheiden.

Beim Modell „Land & Power“ erhalten Kunden erschlossene Grundstücksflächen mit Stromanschluss und errichten ihre Gebäude selbst. „Powered Shell“ und „Private Suite“ umfassen dagegen bereits Gebäudeinfrastruktur einschließlich Energieversorgung, Kühlung und Sicherheit. Die eigentliche IT-Ausstattung übernimmt der jeweilige Nutzer.

Ergänzend bietet das Unternehmen Colocation-Flächen vom einzelnen Serverschrank bis zu größeren abgeschlossenen Bereichen an. Mit „Managed Capacity“ sollen Kunden zudem fertige Rechenleistung beziehen können, ohne eigene Hardware betreiben zu müssen. Die Angebote lassen sich nach Bedarf erweitern und kombinieren.

Deutsches Eigentum und internationale Ausrichtung

Das gesamte Gelände bleibt langfristig im Eigentum der stiftungsgeführten Horst Brandstätter Group. Die Unternehmensgruppe übernimmt die Entwicklung und den Betrieb der gemeinsamen Infrastruktur und finanziert bei Bedarf auch die Gebäude. Ein spezialisiertes Team mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Rechenzentrums- und IT-Bereich verantwortet die Umsetzung.

Der Campus soll ausdrücklich mehreren Unternehmen offenstehen. Nach Angaben der Gruppe laufen bereits Gespräche mit internationalen Interessenten. Neben großen Cloud-Anbietern sollen auch regionale Betriebe, Start-ups und öffentliche Einrichtungen Zugang zur Infrastruktur erhalten.

Als weiteres Argument nennt das Unternehmen die deutsche Eigentümerstruktur und den Betrieb unter deutschem Recht. Damit positioniert sich Playmobil digital auch im wachsenden Markt für digitale Souveränität und die regionale Bereitstellung von Rechenleistung.

Erneuerbare Energien und Nutzung der Abwärme

Beim Energiekonzept setzt Playmobil digital auf Strom aus erneuerbaren Quellen. Ergänzend sind Photovoltaikanlagen auf Dächern und geeigneten Freiflächen vorgesehen. Weitere Möglichkeiten zur Energieerzeugung und Speicherung sollen perspektivisch geprüft werden.

Auch die beim Rechenzentrumsbetrieb entstehende Wärme soll wirtschaftlich genutzt werden. Geplant ist, überschüssige Energie künftig Unternehmen oder kommunalen Wärmenetzen zur Verfügung zu stellen. Damit will die Gruppe zugleich Anforderungen des deutschen Energieeffizienzgesetzes berücksichtigen.

Für den laufenden Betrieb sollen vorhandene Erfahrungen aus der industriellen Produktion genutzt werden. Dazu zählen insbesondere Kompetenzen bei Energieversorgung, Kühlung, technischer Wartung und dem kontinuierlichen Betrieb komplexer Anlagen.

Millioneninvestition soll regionale Wirtschaft stärken

Die Horst Brandstätter Group erwartet durch den Campus neue wirtschaftliche Impulse für Dietenhofen und die umliegende Region. Während der Bauphase könnten insbesondere regionale Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen profitieren. Langfristig sollen Arbeitsplätze in Technik, Betrieb und Sicherheit entstehen.

Anders als bei einem ausschließlich von einem Großkunden genutzten Rechenzentrum setzt die Unternehmensgruppe auf mehrere Betreiber und unterschiedliche Kundengruppen. Dadurch soll die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts breiter aufgestellt werden.

Mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich zählt Playmobil digital nach Unternehmensangaben zu den umfangreichsten Zukunftsvorhaben der Gruppe. Das Projekt soll den bisherigen Produktionsstandort dauerhaft für neue industrielle und digitale Wertschöpfung nutzen.

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