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Porsche verkauft IT-Beratung MHP an indischen TCS-Konzern

MHP Logo auf einer weissen Flagge
Foto: MHP

Key takeaways

Nach drei Jahrzehnten unter Porsche-Einfluss wechselt MHP zu Tata Consultancy Services. Parallel vereinbart der Sportwagenhersteller mit dem neuen Eigentümer eine fünfjährige Technologiepartnerschaft, die KI, Software und Datenlösungen im Konzern schneller voranbringen soll.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Porsche trennt sich vollständig von seiner Management- und IT-Beratung MHP. Tata Consultancy Services (TCS) übernimmt die Ludwigsburger Unternehmensgruppe, nachdem Porsche einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet hat. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden und soll innerhalb der kommenden Monate abgeschlossen werden.

Nach Angaben von Reuters beträgt der Enterprise Value 320 Millionen Euro. Porsche selbst nannte keinen Kaufpreis. Der Eigentümerwechsel folgt nur gut zweieinhalb Jahre nach der vollständigen Übernahme durch den Sportwagenhersteller: Anfang 2024 hatte Porsche die letzten 18,2 Prozent der MHP-Anteile erworben, nachdem das Unternehmen bereits seit 1998 mehrheitlich beteiligt gewesen war.

Der Verkauf ist jedoch nur ein Teil einer deutlich größeren Vereinbarung. Parallel bindet sich Porsche für fünf Jahre an TCS. Die Zusammenarbeit soll laut Reuters ein Volumen von rund 1,25 Milliarden Euro erreichen und insbesondere den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Software und Datenlösungen beschleunigen.

Porsche konzentriert Kapital auf das Kerngeschäft

Mit der Veräußerung ordnet Porsche sein Beteiligungsportfolio im Rahmen der Strategie „Sportwagenschmiede 35“ neu. Vorstandschef Michael Leiters will Ressourcen stärker auf Fahrzeuge, Technologie, Marke und zentrale Kompetenzen des künftigen Geschäftsmodells konzentrieren. Der Schritt erfolgt in einer Phase, in der Porsche hohe Investitionen in neue Fahrzeugprogramme, Software, Elektrifizierung und Verbrennungstechnologien stemmen muss.

Gleichzeitig bleiben die Kompetenzen von MHP für Porsche verfügbar. Statt eine eigene Beratungsgesellschaft zu kontrollieren, setzt der Hersteller künftig auf eine langfristige Partnerschaft mit deren neuem Eigentümer. TCS soll unter anderem ein „AI Mobility Centre of Excellence“ für Porsche aufbauen und KI-Anwendungen in Entwicklung, Produktion und Kundenerlebnis vorantreiben.

Damit verändert Porsche weniger seine Digitalisierungsambitionen als deren organisatorische Umsetzung. Externe Technologie- und Skalierungsressourcen sollen stärker genutzt werden, während Kapital und Managementkapazitäten auf das automobile Kerngeschäft konzentriert werden.

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TCS erhält direkten Zugang zur deutschen Industrie

Für TCS erweitert die Übernahme die Position in der europäischen Automobil- und Fertigungsindustrie. Der zur Tata Group gehörende IT-Dienstleister ist weltweit in 55 Ländern aktiv und erhält mit MHP eine etablierte deutsche Beratung mit engen Beziehungen zu Industrieunternehmen.

MHP verbindet Managementberatung mit technologischer Umsetzung und Systemintegration. Zu den Kompetenzfeldern gehören Künstliche Intelligenz, Software-defined Manufacturing, Supply Chain Management, Cyber Security, Programmmanagement sowie Plattform- und Ökosystemlösungen. Neben Automotive und Manufacturing arbeitet das Unternehmen inzwischen auch für Kunden aus Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Logistik und öffentlichem Sektor.

Für TCS ist dabei nicht allein die Übernahme entscheidend. Die parallel vereinbarte fünfjährige Zusammenarbeit mit Porsche im berichteten Umfang von rund 1,25 Milliarden Euro verschafft dem Konzern zugleich einen langfristigen Großauftrag. Der strategische Wert des Gesamtgeschäfts reicht deshalb deutlich über den Kaufpreis für MHP hinaus.

MHP behält Marke und Eigenständigkeit

TCS plant keine unmittelbare Auflösung der bisherigen Unternehmensidentität. MHP soll unter seinem etablierten Namen als eigenständiges Beratungshaus fortgeführt werden. Auch die Zusammenarbeit mit Porsche bleibt bestehen, insbesondere bei Digitalisierungs- und KI-Projekten.

Das schützt einen wesentlichen Teil des Unternehmenswertes. MHP verfügt über jahrzehntelang aufgebaute Kundenbeziehungen und umfangreiche Automotive-Expertise, die bei einer schnellen vollständigen Integration in den TCS-Konzern gefährdet werden könnten. Gleichzeitig erhält die Beratung Zugang zu globalen Delivery-Strukturen, Technologieplattformen und einer wesentlich größeren internationalen Kundenbasis.

Seit der Gründung 1996 entwickelte sich MHP vom SAP-Implementierungspartner mit fünf Beschäftigten zu einer internationalen Management- und IT-Beratung mit rund 4.500 Mitarbeitern und etwa 300 Kunden. Für 2024 meldete das Unternehmen knapp 830 Millionen Euro Umsatz, 2025 waren es nach aktuellen Unternehmensangaben 743 Millionen Euro. Der Rückgang spiegelt auch das schwierigere Investitionsumfeld in der Automobil- und Industriebranche wider.

Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung

Gemessen am Umsatz erscheint der berichtete Enterprise Value von 320 Millionen Euro zunächst vergleichsweise niedrig. Bezogen auf die für 2025 genannten Erlöse von 743 Millionen Euro entspricht er rechnerisch etwa dem 0,43-Fachen des Jahresumsatzes. Ohne Angaben zu Ergebnis, Verschuldung, Liquidität und weiteren Vertragsbedingungen lässt sich daraus jedoch keine abschließende Bewertung ableiten.

Für TCS dürfte vor allem die Kombination aus MHP-Übernahme und langfristiger Porsche-Partnerschaft entscheidend sein. Der Konzern sichert sich industrielle Beratungskompetenz, einen etablierten Zugang zum deutschen Automotive-Markt und gleichzeitig ein umfangreiches Transformationsgeschäft mit Porsche.

Bemerkenswert bleibt die Geschwindigkeit des Strategiewechsels. Noch 2023 hatte Porsche die vollständige Übernahme von MHP mit dessen internationalen Wachstumschancen begründet. Unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen soll dieses Wachstum nun unter dem Dach eines globalen Technologiekonzerns stattfinden.

Digitalisierung wird neu organisiert

Der Verkauf steht exemplarisch für eine veränderte Arbeitsteilung zwischen Automobilherstellern und Technologiekonzernen. Porsche gibt die gesellschaftsrechtliche Kontrolle über einen eigenen IT- und Beratungsspezialisten auf, bindet sich gleichzeitig aber langfristig an dessen neuen Eigentümer. Aus einer Beteiligung wird damit eine strategische Lieferanten- und Technologiepartnerschaft.

Für MHP eröffnet TCS die Möglichkeit, seine industrielle Expertise international stärker zu skalieren. TCS wiederum gewinnt einen Brückenkopf in die deutsche Industrie und Porsche kann Ressourcen auf das automobile Kerngeschäft konzentrieren, ohne auf die bislang von MHP bereitgestellten Kompetenzen verzichten zu müssen.

Ob das Modell aufgeht, hängt vor allem davon ab, wie gut sich die Eigenständigkeit und Industrienähe von MHP mit der globalen Struktur von TCS verbinden lassen. Für Porsche besteht die Herausforderung darin, trotz ausgelagerter Kompetenzen die Kontrolle über strategisch wichtige Software-, Daten- und KI-Fähigkeiten zu behalten. Der Deal ist damit weniger ein Rückzug aus der Digitalisierung als ein grundlegender Wechsel bei ihrer Organisation.

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