Amazon führt Medienberichten zufolge Gespräche über den Kauf des auf generative künstliche Intelligenz spezialisierten Unternehmens Decart. Nach Informationen des Wall Street Journal könnte die Transaktion einen Wert von rund sieben Milliarden US-Dollar erreichen.
Eine verbindliche Vereinbarung liegt bislang nicht vor. Weder Amazon noch Decart haben die Gespräche offiziell bestätigt. Sollte die Übernahme zustande kommen, könnte der Technologiekonzern seine Aktivitäten bei KI-generierten Videos, interaktiven Simulationen und virtuellen Umgebungen ausbauen.
Decart entwickelt KI für Echtzeitvideos und virtuelle Welten
Das Startup Decart konzentriert sich auf generative KI-Systeme zur Verarbeitung und Erzeugung visueller Inhalte. Anders als klassische Textmodelle ermöglichen diese Technologien die dynamische Veränderung von Videos und digitalen Umgebungen.
Zu den Entwicklungen des Unternehmens gehört das Modell Lucy, das Videoinhalte während der laufenden Übertragung mithilfe künstlicher Intelligenz verändern kann. Mögliche Anwendungen reichen von digitaler Unterhaltung bis zu interaktiven Produktpräsentationen.
Mit Oasis arbeitet Decart zudem an KI-generierten Simulationsumgebungen. Solche Technologien könnten künftig für die Entwicklung und Erprobung autonomer Systeme sowie in der Robotik eingesetzt werden.
Amazon unaufhaltsam
Unternehmensbewertung steigt auf möglicherweise sieben Milliarden Dollar
Die mögliche Übernahmesumme liegt deutlich über der Bewertung aus einer Finanzierungsrunde im Mai 2026. Damals erhielt Decart rund 300 Millionen US-Dollar von Investoren, darunter Radical Ventures und Nvidia.
Nach Angaben des Wall Street Journal wurde das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt mit knapp vier Milliarden Dollar bewertet. Der nun diskutierte Kaufpreis von sieben Milliarden Dollar entspräche gegenüber einem Vergleichswert von vier Milliarden Dollar einem Aufschlag von rund 75 Prozent.
Die Entwicklung verdeutlicht das hohe Investoreninteresse an spezialisierten KI-Modellen. Insbesondere Technologien zur Echtzeitverarbeitung visueller Informationen gewinnen neben großen Sprachmodellen an Bedeutung.
Anthropic hatte zuvor ebenfalls Übernahmeinteresse
Bereits im August 2026 soll der KI-Entwickler Anthropic eine Übernahme von Decart geprüft haben. Medienberichten zufolge wurde damals über einen Unternehmenswert von rund sechs Milliarden Dollar gesprochen.
Nach einer anschließenden Unternehmensprüfung soll Anthropic die Gespräche im September beendet haben. Die Gründe für diese Entscheidung sind nicht bekannt.
Für Amazon ist der Vorgang auch deshalb relevant, weil der Konzern wirtschaftlich und technologisch eng mit Anthropic verbunden ist. Eine eigene Übernahme von Decart könnte Amazons Position bei spezialisierten KI-Anwendungen stärken.
Amazon könnte KI-Technologie für Handel und Werbung nutzen
Eine mögliche Akquisition wäre für mehrere Geschäftsbereiche des Konzerns interessant. Im Cloudgeschäft könnte Amazon Web Services zusätzliche Werkzeuge zur Erstellung und Bearbeitung visueller Inhalte anbieten.
Auch im Onlinehandel ergeben sich potenzielle Anwendungen. Händler könnten Produktvideos automatisiert erzeugen, unterschiedliche Warenvarianten darstellen oder interaktive Einkaufserlebnisse entwickeln.
Für das Werbegeschäft wären dynamisch angepasste Kampagnen und KI-generierte Werbemittel denkbar. Dadurch ließen sich visuelle Inhalte schneller erstellen und für unterschiedliche Zielgruppen variieren.
Bislang handelt es sich dabei allerdings um mögliche Einsatzfelder. Konkrete Integrationspläne von Amazon sind nicht bekannt.
Simulationstechnologie könnte Amazons Robotik unterstützen
Neben dem digitalen Handel könnte insbesondere Decarts Arbeit an virtuellen Umgebungen für Amazon interessant sein.
Der Konzern investiert seit Jahren in automatisierte Logistikprozesse und robotergestützte Systeme. KI-generierte Simulationen könnten künftig helfen, Bewegungsabläufe und Entscheidungen autonomer Maschinen unter kontrollierten Bedingungen zu erproben.
Ob Decarts Oasis-Technologie bereits die dafür erforderliche technische Reife besitzt, lässt sich anhand der veröffentlichten Informationen nicht abschließend beurteilen.
Übernahme bleibt ungewiss
Ein Kaufpreis von rund sieben Milliarden Dollar würde Decart zu einer bedeutenden KI-Akquisition machen. Gleichzeitig wäre die Transaktion mit wirtschaftlichen und regulatorischen Unsicherheiten verbunden.
Neben der Integration der Technologie müsste Amazon insbesondere die langfristige Entwicklung der KI-Modelle und die Bindung wichtiger Forschungsteams sicherstellen. Auch mögliche wettbewerbsrechtliche Prüfungen könnten eine Rolle spielen.
Nach den bisherigen Medienberichten könnten die Verhandlungen zeitnah zu einer Einigung führen. Ein Scheitern der Gespräche oder das Auftreten weiterer Interessenten ist jedoch weiterhin möglich.
Für Amazon könnte Decart den Zugang zu Technologien eröffnen, die künftig bei digitalen Einkaufserlebnissen, Werbung, Cloudanwendungen und Robotik eingesetzt werden. Ob daraus tatsächlich eine Übernahme entsteht, bleibt offen.





