Shein steht kurz vor seinem lang erwarteten Börsengang in Hongkong – allerdings zu einer deutlich niedrigeren Unternehmensbewertung als noch vor wenigen Jahren. Der Fast-Fashion-Händler, der heute sein „Global Offering“ veröffentlicht hat, will mit dem Börsengang bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar einwerben und wird dabei mit maximal rund 27 Milliarden US-Dollar bewertet, nachdem zuletzt noch 30 Milliarden US-Dollar aufgerufen wurde.
Damit liegt der Unternehmenswert rund 70 Prozent unter dem Höchststand des privaten Kapitalmarkts aus dem Jahr 2022. Steigende Kosten, Handelszölle, wachsender Wettbewerb, eine verlangsamte Wachstumsdynamik und ein Verlust im vergangenen Quartal belasten inzwischen die Erwartungen der Investoren.
Börsengang soll bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar einbringen
Shein bietet insgesamt 280 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar an. Am oberen Ende der Preisspanne würde das Unternehmen rund 13,86 Milliarden Hongkong-Dollar beziehungsweise etwa 1,77 Milliarden US-Dollar erlösen. Die Preisfestsetzung ist für den 31. August vorgesehen, der erste Handelstag an der Hongkonger Börse soll am 1. September stattfinden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Unternehmensbewertung sinkt deutlich gegenüber früheren Finanzierungsrunden
Der geplante Börsenwert markiert einen deutlichen Rückgang gegenüber den vergangenen Jahren. Während Shein im Jahr 2022 noch mit nahezu 100 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, lag die Bewertung 2023 und 2024 bei rund 64 Milliarden US-Dollar. Mit dem aktuellen IPO wird das Unternehmen nun nur noch mit rund 27 Milliarden US-Dollar bewertet. Analysten sehen darin vor allem eine Anpassung an die veränderten Marktbedingungen und die inzwischen deutlich vorsichtigeren Wachstumserwartungen.
Investoren bewerten Profitabilität stärker als Wachstum
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat sich die Wahrnehmung des Unternehmens grundlegend verändert. Während Investoren in den vergangenen Jahren vor allem auf hohe Wachstumsraten setzten, rücken inzwischen Profitabilität, Margenstabilität und regulatorische Risiken stärker in den Mittelpunkt. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Handelszölle, höhere Compliance-Anforderungen sowie einen intensiveren Wettbewerb in den Kernmärkten USA und Europa.
Ankerinvestoren sichern einen Teil der Platzierung
Zu den sogenannten Cornerstone-Investoren zählen unter anderem bestehende Anteilseigner wie Boyu, Tiger Global und General Atlantic, die zusammen Aktien im Wert von rund 383 Millionen US-Dollar zeichnen wollen. Darüber hinaus beteiligen sich unter anderem Tencent, Greenwoods, Taikang Life und UBS Asset Management. Diese Zusagen sollen die Platzierung des Börsengangs unterstützen und Vertrauen bei weiteren Investoren schaffen.
Technologie und internationale Expansion bleiben Investitionsschwerpunkte
Nach Unternehmensangaben sollen rund 80 Prozent der Erlöse aus dem Börsengang in den Ausbau der Technologieplattform sowie in die internationale Markenpräsenz fließen. Trotz der deutlich niedrigeren Bewertung bleibt Shein einer der größten Börsengänge des Jahres in Hongkong. Der Börsengang dürfte zugleich als Gradmesser dafür gelten, wie internationale Investoren wachstumsstarke E-Commerce-Unternehmen unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewerten.





