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Hongkong-IPO: Shein vor drastischem Bewertungsabschlag

Shein Logo auf einem iPhone
Foto: appshunter.io / Unsplash

Key takeaways

Shein muss beim geplanten Börsengang in Hongkong offenbar einen drastischen Bewertungsabschlag akzeptieren. Investoren wird laut „Financial Times“ inzwischen ein Unternehmenswert von weniger als 30 Milliarden Dollar präsentiert.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der geplante Börsengang von Shein in Hongkong könnte für den Fast-Fashion-Konzern mit einem erheblichen Bewertungsabschlag verbunden sein. Nach Informationen der Financial Times sprechen Berater mit potenziellen Investoren inzwischen über einen Unternehmenswert von weniger als 30 Milliarden US-Dollar.

Damit läge die Bewertung rund 70 Prozent unter dem Spitzenwert von etwa 100 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2022. Noch Anfang August war für den IPO eine Spanne zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar im Gespräch. Das Interesse institutioneller Anleger konzentriert sich inzwischen offenbar stärker auf eine Bewertung im mittleren bis oberen 20-Milliarden-Dollar-Bereich.

Wachstum hält an, Gewinn bricht ein

Der Bewertungsdruck lässt sich auch mit der jüngsten Geschäftsentwicklung erklären. Sheins Umsatz erhöhte sich von 32,1 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 38,8 Milliarden Dollar 2024 und rund 41,9 Milliarden Dollar 2025. Das Unternehmen wächst damit weiter, allerdings deutlich langsamer als in früheren Expansionsphasen.

Gleichzeitig verschlechterte sich die Profitabilität. Der Nettogewinn sank 2025 um rund 39 Prozent auf etwa 2,06 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 verbuchte Shein einen Verlust von 99 Millionen Dollar. Darin enthalten war eine Fair-Value-Belastung von 328 Millionen Dollar im Zusammenhang mit wandelbaren Vorzugsaktien.

Für potenzielle Börseninvestoren verschiebt sich damit die Ausgangslage: Ein langsameres Wachstum in Kombination mit sinkenden Margen erschwert es, die früheren Bewertungsniveaus zu rechtfertigen.

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Handelsregeln belasten Sheins Geschäftsmodell

Zusätzlichen Druck erzeugen regulatorische Veränderungen. Sheins Modell basiert unter anderem auf kurzen Produktionszyklen, einem großen chinesischen Lieferantennetzwerk und dem direkten Versand niedrigpreisiger Waren an Verbraucher.

Gerade dieser grenzüberschreitende Paketversand wird schwieriger. Veränderungen bei den sogenannten De-minimis-Regelungen in den USA erhöhen den Kostendruck. Auch in Europa verschärfen sich die Rahmenbedingungen für niedrigpreisige Sendungen aus Drittstaaten.

Steigende Luftfrachtkosten und handelspolitische Unsicherheiten kommen hinzu. Damit werden Teile jenes Modells teurer, das Sheins internationale Expansion unterstützt hat.

Temu erhöht den Wettbewerbsdruck

Parallel hat sich der Wettbewerb im internationalen Discount-E-Commerce verschärft. Insbesondere Temu konkurriert mit niedrigen Preisen, aggressivem Online-Marketing und grenzüberschreitenden Lieferketten um preisbewusste Kunden.

Shein verfügt dennoch über eine beträchtliche internationale Reichweite. Nach den im Zusammenhang mit dem Börsengang veröffentlichten Angaben erreichte das Unternehmen 2025 rund 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Märkten.

Neben Plattformkonkurrenten muss sich Shein weiterhin gegen etablierte Modeunternehmen behaupten. Für Investoren wird deshalb entscheidend, ob der Konzern trotz höherer Kosten und zunehmenden Wettbewerbs wieder höhere Margen erzielen kann.

Hongkong ist bereits der dritte IPO-Anlauf

Der geplante Börsengang hat eine lange Vorgeschichte. Ursprünglich strebte Shein ein Listing in New York an und reichte 2023 entsprechende Unterlagen ein. Politische und regulatorische Spannungen rund um die chinesischen Lieferketten erschwerten das Vorhaben jedoch.

Anschließend verlagerte Shein seine Pläne nach London. Obwohl die britische Finanzaufsicht FCA den Entwurf des Börsenprospekts genehmigte, fehlte die erforderliche Zustimmung der chinesischen Behörden.

Hongkong wurde schließlich zur dritten Option. Im Juli erhielt Shein die notwendige chinesische Genehmigung für einen Auslandsbörsengang. Ende Juli folgten weitere IPO-Unterlagen. Nach jüngsten Berichten könnte die Transaktion bereits im August gestartet werden.

China-Verbindungen bleiben entscheidender Faktor

Obwohl Shein seinen Unternehmenssitz in Singapur hat, ist das Geschäftsmodell weiterhin stark mit China verbunden. Ein erheblicher Teil der Produktion erfolgt über chinesische Lieferanten.

Diese Struktur hat die bisherigen Börsenpläne regulatorisch erschwert. Gleichzeitig könnte Shein laut „Financial Times“ Probleme haben, ausreichend große chinesische institutionelle Investoren für das Hongkong-Listing zu gewinnen.

Der Wechsel des Börsenplatzes beseitigt damit nicht automatisch die politischen und regulatorischen Herausforderungen, die das Unternehmen bereits bei seinen Anläufen in New York und London begleitet haben.

Börsengang wird zum Realitätstest

Die deutlich niedrigere Bewertung zeigt, wie stark sich die Erwartungen des Kapitalmarkts seit dem E-Commerce-Boom verändert haben. Neben Wachstum rücken Profitabilität, regulatorische Risiken und die Belastbarkeit internationaler Lieferketten stärker in den Vordergrund.

Mit einem Jahresumsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar bleibt Shein ein Handelskonzern von erheblicher Größe. Eine Bewertung von beispielsweise 28 Milliarden Dollar würde jedoch bedeuten, dass das Unternehmen an der Börse mit deutlich weniger als einem Jahresumsatz bewertet würde.

Für Shein könnte ein niedrigerer Preis dennoch den entscheidenden Vorteil haben, den lange vorbereiteten Börsengang endlich zu ermöglichen. Nach den gescheiterten Anläufen in New York und London dürfte der Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt zunehmend wichtiger werden als die Verteidigung früherer Bewertungsniveaus.

Ein Hongkong-Listing wäre damit weniger der Abschluss von Sheins rasanter Wachstumsgeschichte als der Beginn einer neuen Phase. Als börsennotiertes Unternehmen müsste der Fast-Fashion-Konzern regelmäßig zeigen, dass sein Geschäftsmodell auch bei höheren Kosten, verschärfter Regulierung und intensivem Wettbewerb profitabel wachsen kann.

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