Die geplante Übernahme des Elektronikhandelskonzerns CECONOMY durch den chinesischen Handels- und Technologiekonzern JD.com hat die letzte regulatorische Hürde genommen. Die Europäische Kommission erteilte heute ihre Zustimmung nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen. Die Genehmigung ist allerdings an umfangreiche Verpflichtungen gebunden, die über einen Zeitraum von zehn Jahren gelten.
Damit steht der Eigentümerwechsel bei der Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn unmittelbar bevor. Nach Unternehmensangaben sind sämtliche Bedingungen des Übernahmeangebots erfüllt, sodass die Transaktion innerhalb der nächsten Tage abgeschlossen werden soll.
EU-Kommission genehmigt Übernahme unter Bedingungen
Vor der Entscheidung aus Brüssel hatten bereits die zuständigen Behörden in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und zuletzt auch Österreich ihre Zustimmung im Rahmen nationaler Investitionsprüfungen gegeben. Die Prüfung möglicher Wettbewerbsverzerrungen durch ausländische Subventionen bildete damit die letzte ausstehende Genehmigung.
Im Mittelpunkt der europäischen Untersuchung standen finanzielle Vorteile, die JD.com durch staatliche Unterstützung aus China erhalten haben soll. Dazu zählen nach Feststellungen der Kommission vergünstigte Finanzierungen, steuerliche Vorteile und direkte Fördermittel.
Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass solche Ressourcen die Marktposition von CECONOMY gegenüber europäischen Konkurrenten unangemessen stärken könnten. Besonders relevant waren dabei mögliche Vorteile durch Logistikleistungen, Technologieangebote und konzerninterne Finanzierungen.
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Zehnjährige Auflagen sollen Wettbewerb sichern
Um die Bedenken auszuräumen, verpflichteten sich JD.com und CECONOMY zu verbindlichen Wettbewerbsregeln. Konzerninterne Geschäfte einschließlich Finanzierungen müssen künftig zu marktüblichen Bedingungen abgewickelt werden.
Darüber hinaus muss JD.com seine Lager-, Logistik- und Technologiedienstleistungen anderen Einzelhändlern unter gleichwertigen Voraussetzungen anbieten. Damit soll verhindert werden, dass MediaMarktSaturn exklusiv von staatlich begünstigten Ressourcen profitiert.
Die zunächst vorgeschlagenen Maßnahmen wurden nach Rückmeldungen aus dem Markt verschärft. Ihre Einhaltung wird zehn Jahre lang durch einen unabhängigen Treuhänder kontrolliert, der unter Aufsicht der Europäischen Kommission steht.
MediaMarktSaturn soll eigenständig weiterarbeiten
CECONOMY will seine bisherige Geschäftsstrategie auch nach dem Eigentümerwechsel fortsetzen. Die operative Verantwortung soll beim bestehenden Vorstand bleiben, während JD.com zusätzliche technologische und logistische Kompetenzen einbringt.
Der neue CECONOMY-Chef Remko Rijnders, der auf den aktuellen Digitalminister Karsten Wildberger folgte, sieht in der Zusammenarbeit insbesondere Chancen für die Weiterentwicklung des Omnichannel-Geschäfts. Dabei sollen stationäre Märkte, Onlinevertrieb und Serviceleistungen stärker miteinander verbunden werden.
JD.com-Chefin Sandy Xu stellt ebenfalls die langfristige Entwicklung des europäischen Geschäfts in den Vordergrund. Nach Unternehmensangaben sollen wichtige Grundlagen des bisherigen Geschäftsmodells sowie die Interessen der Beschäftigten und bestehenden Marken gewahrt bleiben.
Mehr als 1.000 Elektronikmärkte als strategische Grundlage
CECONOMY beschäftigt rund 50.000 Menschen und betreibt europaweit über 1.000 Elektronikfachmärkte unter den Marken MediaMarkt, MediaWorld und Saturn. Das Unternehmen verfügt damit über ein umfangreiches Filialnetz, etablierte Handelsmarken und bestehende digitale Vertriebskanäle.
JD.com ergänzt diese Struktur durch Erfahrungen in automatisierter Logistik, digitalen Handelsplattformen und datenbasierten Geschäftsprozessen. Die Kombination könnte insbesondere bei Warenverfügbarkeit, Liefergeschwindigkeit und der Verknüpfung unterschiedlicher Vertriebskanäle Vorteile ermöglichen.
Auch die Rolle stationärer Standorte könnte sich verändern. Neben dem klassischen Verkauf könnten Märkte verstärkt als Abholstationen, Servicepunkte und logistische Knotenpunkte innerhalb eines integrierten Handelssystems genutzt werden.
Wettbewerb im europäischen Elektronikhandel bleibt intensiv
Die Übernahme erfolgt in einem Marktumfeld, das zunehmend durch große Onlineplattformen, Direktvertrieb der Hersteller und spezialisierte Internethändler geprägt wird. Hohe Preistransparenz und steigende Anforderungen an schnelle Lieferungen erhöhen den Wettbewerbsdruck.
Mit den Ressourcen von JD.com könnte MediaMarktSaturn seine digitale Leistungsfähigkeit ausbauen. Die europäischen Auflagen begrenzen jedoch die Möglichkeit, daraus exklusive Vorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern zu entwickeln.
Für die Europäische Kommission ist die Entscheidung zugleich ein bedeutender Anwendungsfall ihrer Kontrolle ausländischer Subventionen. Sie erlaubt die Investition, verbindet diese aber mit langfristigen Maßnahmen zur Wahrung fairer Wettbewerbsbedingungen.
Umsetzung der Übernahme wird zur entscheidenden Aufgabe
Nach dem Abschluss der Transaktion wollen beide Unternehmen gemeinsame Expertenteams einsetzen. Diese sollen Projekte für eine größere Produktauswahl, schnellere Lieferungen und neue technologische Anwendungen entwickeln.
Welche wirtschaftlichen Effekte daraus entstehen, bleibt zunächst offen. Entscheidend werden die erforderlichen Investitionen, die praktische Umsetzung der EU-Auflagen und mögliche Verbesserungen bei Umsatz, Kosten und Ertragskraft sein.
Mit der Freigabe erhält JD.com Zugang zu einem der größten europäischen Elektronikhandelsnetze. Für MediaMarktSaturn beginnt damit eine neue Entwicklungsphase, deren Erfolg sich vor allem an der operativen Zusammenarbeit und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit messen lassen wird.




