Auch die fünfte Verhandlungsrunde für den hessischen Einzel- und Versandhandel ist ohne Abschluss geblieben. Nach zwei Verhandlungstagen gingen Gewerkschaft und Arbeitgeber am 25. August erneut ohne Ergebnis auseinander. Für rund 240.000 Beschäftigte setzt sich damit die seit Ende April laufende Tarifauseinandersetzung fort.
Im Zentrum des Konflikts stehen inzwischen insbesondere die Einkommen der unteren Entgeltgruppen. Ver.di verlangt hier gezielte Verbesserungen, während die Arbeitgeberseite nach Darstellung der Gewerkschaft eine solche Lösung nicht ohne Auswirkungen auf das Gesamtergebnis akzeptieren will.
Untere Entgeltgruppen werden zum Streitpunkt
Ver.di wirft den Arbeitgebern vor, Verbesserungen für Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen nur dann mittragen zu wollen, wenn dafür das Ergebnis für andere Arbeitnehmer geringer ausfällt. Verhandlungsführer Marcel Schäuble kritisierte, auf diese Weise würden Beschäftigtengruppen gegeneinander ausgespielt.
Hinter dem Konflikt stehen unterschiedliche Ansätze für die Entgelterhöhung. Ein einheitlicher Festbetrag führt bei niedrigeren Einkommen zu einer stärkeren prozentualen Steigerung, während eine prozentuale Tariferhöhung die bestehenden Abstände zwischen den Entgeltgruppen weitgehend erhält.
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Ver.di fordert 250 Euro mehr pro Monat
Die Gewerkschaft verlangt für die rund 240.000 Beschäftigten monatlich 250 Euro zusätzlich in jeder Entgeltgruppe. Die Ausbildungsvergütungen sollen je Ausbildungsjahr um 150 Euro steigen. Ver.di strebt eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten an.
Die Arbeitgeber hatten ihr Angebot Anfang Juli auf eine Entgeltsteigerung von 2,4 Prozent im ersten und weiteren 2,0 Prozent im zweiten Tarifjahr erhöht. Dafür ist eine Laufzeit von 24 Monaten vorgesehen. Der Handelsverband Hessen verweist auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit für die Unternehmen und hatte seinerseits bemängelt, dass ver.di keinen eigenen Kompromissvorschlag vorgelegt habe.
Streiks im hessischen Handel dürften weitergehen
Mit dem Scheitern der fünften Runde steigt der Druck in der Tarifauseinandersetzung. Ver.di hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen und kündigt nun eine Fortsetzung des Arbeitskampfs an.
Eine schnelle Annäherung ist derzeit nicht erkennbar. Besonders erschwert wird die Situation dadurch, dass nach der jüngsten Runde noch kein neuer Termin für weitere Verhandlungen im Einzel- und Versandhandel feststeht.
Großhandel hat bereits einen Tarifabschluss
Parallel dazu ist der Tarifkonflikt im hessischen Groß- und Außenhandel bereits beendet. Dort erhöhen sich die Entgelte rückwirkend zum 1. August um 2,9 Prozent. Ab Mai 2027 folgt eine weitere Steigerung um 2,1 Prozent.
Für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel bleibt dagegen offen, wann ein Abschluss erreicht werden kann. Ohne neuen Verhandlungstermin und angesichts angekündigter weiterer Arbeitskämpfe könnte sich die Tarifrunde bis in den Herbst hineinziehen.





