Der Online-Marktplatz Temu weist die Vorwürfe der Europäischen Kommission entschieden zurück und betont seine Kooperationsbereitschaft im laufenden Verfahren. Das Unternehmen erklärt, seine Aktivitäten in der Europäischen Union vollständig aus eigenen operativen Einnahmen zu finanzieren und keine ausländischen Subventionen zu benötigen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
Temu betont Eigenfinanzierung und Transparenz
Nach eigenen Angaben generiert Temu ausreichend Mittel aus dem laufenden Geschäft, um seine Expansion und Aktivitäten im europäischen Markt zu tragen. Das Unternehmen sieht daher keinen Zusammenhang zwischen seinem Wachstum und möglichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen aus dem Ausland.
Zugleich unterstreicht Temu, weiterhin eng mit den europäischen Behörden zusammenarbeiten und sämtliche rechtlichen Verpflichtungen erfüllen zu wollen. Die Kommunikation deutet darauf hin, dass das Unternehmen bemüht ist, regulatorische Risiken frühzeitig zu begrenzen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
EU wirft mangelnde Kooperation vor
Hintergrund der Stellungnahme ist eine sogenannte „Statement of Grounds“, die die Europäische Kommission im Rahmen eines laufenden Verfahrens übermittelt hat. Darin legt die Behörde ihre vorläufige Einschätzung dar, wonach Temu eine Inspektion möglicherweise behindert haben könnte.
Ausgangspunkt war eine unangekündigte Prüfung im Dezember 2025 bei der irischen Temu-Betreibergesellschaft WhaleCo. Nach Ansicht der Kommission wurden mehrere Informationsanforderungen nicht vollständig erfüllt.
Unvollständige Angaben im Fokus
Konkret bemängelt die Kommission fehlende oder unzureichende Angaben zur Organisation der Geschäftstätigkeit in der EU, zu eingesetzten IT-Systemen sowie zu internen Dokumenten und Geschäftsunterlagen.
Diese Informationslücken hätten die Auswertung relevanter Daten erschwert und damit den Fortgang der Untersuchung beeinträchtigt.
Teil eines größeren Subventionsverfahrens
Die Inspektion ist Teil eines umfassenderen Verfahrens, in dem geprüft wird, ob Temu von ausländischen Subventionen profitiert, die den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren könnten.
Das aktuelle Verfahren bezieht sich jedoch ausschließlich auf das Verhalten während der Inspektion. Die inhaltliche Bewertung möglicher Subventionen erfolgt parallel in einem separaten Prozess.
Mögliche Sanktionen bei Verstößen
Sollte sich der Verdacht der mangelnden Kooperation bestätigen, drohen dem Unternehmen empfindliche Konsequenzen. Die EU kann Geldbußen von bis zu einem Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen sowie zusätzliche Zwangsgelder anordnen.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie intensiv die Europäische Union ihre Kontrollinstrumente gegenüber internationalen Plattformunternehmen einsetzt. Gleichzeitig verdeutlicht die Reaktion von Temu, dass betroffene Unternehmen zunehmend bemüht sind, ihre Position aktiv zu kommunizieren und regulatorische Risiken zu adressieren.



