Der Fernseher bleibt das zentrale Gerät in deutschen Haushalten – doch die Art des Zugangs zum TV-Programm verändert sich grundlegend. Die aktuelle AGF-Plattformstudie 2025 II zeigt, wie neue Empfangswege, smarte Endgeräte und digitale Benutzeroberflächen das Fernsehverhalten zunehmend prägen.
Internetbasierter Empfang gewinnt an Bedeutung
Der Anteil der Haushalte mit internetbasiertem TV-Empfang ist deutlich gestiegen – von 11,3 Prozent im Vorjahr auf 17,7 Prozent. Klassische Empfangsarten wie Kabel, Satellit oder DVB-T verlieren hingegen an Relevanz. Besonders das Kabelfernsehen fällt auf 36,2 Prozent, während Satellit mit 43,4 Prozent weiterhin dominiert, aber ebenfalls rückläufig ist. Diese Verschiebung hin zu IP-basierten Zugängen spiegelt sich auch in der Art wider, wie Inhalte ausgewählt und konsumiert werden.
Rund 70 Prozent der Haushalte verfügen laut Studie über mindestens ein internetfähiges TV-Gerät – ein stabiler Wert gegenüber der Frühjahrserhebung. Der Großteil der Smart-TVs ist direkt mit dem Internet verbunden, zusätzliche Geräte wie Streaming-Sticks machen einen wachsenden Anteil aus. Die zunehmende Verbreitung moderner Fernseher – etwa die Hälfte ist jünger als fünf Jahre – begünstigt die Nutzung digitaler Angebote und neuer Navigationskonzepte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Neue Zugangslogiken und stabile Senderpräsenz
Immer häufiger sehen Nutzer beim Einschalten ihres Geräts zunächst eine Benutzeroberfläche mit App-Kacheln statt eines laufenden Programms. Bei internetbasiertem Empfang ist dies in fast 69 Prozent der Fälle der Fall. Der klassische Ziffernblock der Fernbedienung wird dennoch weiterhin rege genutzt (77,1 Prozent), auch wenn Plattformtasten – insbesondere für Netflix, Prime Video oder YouTube – an Bedeutung gewinnen.
Erstmals wurde auch die Sprachsteuerung erfasst: Zwar verfügen rund ein Drittel der Haushalte über entsprechende Tasten, doch nur 14,8 Prozent nutzen diese tatsächlich. Sprachbefehle bleiben damit eine Ergänzung, keine dominante Steuerungsmethode.
Die Streamingnutzung insgesamt wächst weiter: YouTube erreicht inzwischen 61 Prozent der Haushalte, Social-Media-Plattformen wie TikTok oder Instagram 42,5 Prozent. Auch Netflix und Amazon Prime Video legen zu. Bemerkenswert: 44,7 Prozent der Befragten nutzen weiterhin die Online-Angebote klassischer TV-Sender – ein Zeichen dafür, dass sich Broadcaster im Wettbewerb mit globalen Plattformen behaupten können.
Kabelprivileg fällt – technische Umstellung abgeschlossen
Mit der Abschaffung des Nebenkostenprivilegs sind viele Haushalte auf neue Empfangswege umgestiegen. Drei Viertel der Betroffenen haben inzwischen einen eigenen Kabelvertrag abgeschlossen, knapp 16 Prozent nutzen andere Empfangsarten. Technisch ist der Zugang über Kabel bei vielen nicht mehr gegeben – nur ein Drittel der Haushalte ohne neuen Vertrag empfängt überhaupt noch ein Kabelsignal.
Die AGF ordnet diese Entwicklungen als ergänzende Perspektive zur eigenen Jahresbilanz ein. Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung, betont: „Neue Empfangswege, mehr Auswahl und moderne Geräte verändern den Zugang zu Fernsehen grundlegend – doch der Fernseher bleibt der zentrale Screen für Videonutzung.“


