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US-Post in Not: Wie USPS mit der Last Mile überleben will

USPS Zustellfahrzeug von hinten
Foto: Klimamarina / depositphotos.com

Key takeaways

USPS öffnet seine letzte Meile für Großkunden: Über eine neue Plattform sollen E-Commerce-Unternehmen Zugang zur flächendeckenden Zustellinfrastruktur erhalten. Die Maßnahme ist Teil eines Rettungsplans, um die wirtschaftlich angeschlagene US-Postbehörde durch zusätzliche Milliardenumsätze langfristig zu stabilisieren.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Der US Postal Service (USPS) wagt einen der größten strategischen Umbau seiner Geschichte: Über eine neue digitale Bieterplattform will die Behörde ihre Zustellinfrastruktur der „letzten Meile“ erstmals systematisch für externe Großkunden öffnen. Damit reagiert USPS auf eine bedrohliche finanzielle Schieflage – und setzt auf marktbasierte Zusatzerlöse in Milliardenhöhe, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit ab 2027 abzuwenden.

Schwindende Briefmengen, steigende Verluste

Seit Jahren kämpft USPS mit einem schrumpfenden Kerngeschäft: Das Briefvolumen ist auf dem niedrigsten Stand seit über 60 Jahren, gleichzeitig steigen Personal- und Betriebskosten. Obwohl der US-Kongress 2022 ein Entlastungspaket verabschiedet hat, war dieses nicht mehr als ein finanzieller Aufschub. Die Behörde selbst geht davon aus, dass ihre liquiden Mittel in den nächsten ein bis zwei Jahren aufgebraucht sein könnten.

Zentrale Ursache ist das Spannungsfeld zwischen dem gesetzlichen Versorgungsauftrag – Zustellung an über 170 Millionen Adressen, flächendeckend und auch in unrentablen Regionen – und den fehlenden Erlösen aus dem klassischen Postgeschäft. Dieses Dilemma spitzt sich seit Jahren zu und hat bis heute Verluste von mehr als 118 Milliarden US-Dollar angehäuft.

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Letzte Meile wird zur marktfähigen Ressource

USPS setzt nun auf seine flächendeckende Logistikinfrastruktur als strategisches Asset. Die letzte Meile – also die Haustürzustellung – ist im Paketgeschäft traditionell der teuerste und komplexeste Teil der Lieferkette. Während private Dienstleister wie Amazon, FedEx oder UPS ihre Zustellung wirtschaftlich optimieren müssen, betreibt USPS ein System, das auch in entlegenen Gegenden sechsmal pro Woche zustellt.

Genau diese flächendeckende Präsenz wird nun monetarisiert. Über die neue Bietungsplattform sollen Großkunden Zugang zu bislang ungenutzten Zustellkapazitäten erhalten – verteilt auf über 18.000 lokale Standorte. Aktuell nutzt USPS rund 1,7 Milliarden Einheiten seiner potenziell 4 Milliarden Zustelleinheiten pro Jahr. Derzeitiger Jahresumsatz im Last-Mile-Geschäft: rund 5,5 bis 6 Milliarden US-Dollar. Laut Postmaster General David Steiner, der sich gegenüber Reuters geäußert hat, ließe sich dieser Betrag durch externe Kunden signifikant steigern – besonders im E-Commerce-Bereich.

Politischer Streit und strukturelle Grenzen

Der Umbau erfolgt vor dem Hintergrund einer jahrelangen politischen Debatte über die Rolle und Zukunft von USPS. Ex-Präsident Trump hatte das Unternehmen wiederholt als defizitär kritisiert und zwischenzeitlich eine Eingliederung ins Handelsministerium angeregt – Vorschläge, die Steiner klar zurückweist. Eine Privatisierung oder organisatorische Neuausrichtung sei nicht praktikabel, da kein Marktakteur die öffentliche Grundversorgung übernehmen könne.

USPS bleibt also auf staatliche Unterstützung angewiesen – zumindest teilweise. Die Öffnung der Logistikkapazitäten könnte allerdings helfen, das Geschäftsmodell schrittweise in Richtung marktorientierter Plattformökonomie zu entwickeln. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt vom Interesse der Privatwirtschaft ab – und davon, wie schnell neue, skalierbare Erlösströme aufgebaut werden können.

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