Wolt und Deliveroo, beides Tochterunternehmen des US-Lieferdienstkonzern Doordash, führen ihre Werbeaktivitäten zusammen und schaffen ein gemeinsames Commerce-Media-Angebot für nahezu 40 Märkte in Europa und dem Nahen Osten. Marken, Händler und Agenturen sollen dadurch Werbekampagnen plattformübergreifend planen und deren Wirkung auf tatsächliche Einkäufe nachvollziehen können.
Beim ersten gemeinsamen Werbegipfel in Kopenhagen stellten die Unternehmen drei überarbeitete Lösungen vor. Im Mittelpunkt stehen neue Anzeigenplatzierungen sowie eine vereinfachte Plattform zur Kampagnensteuerung.
Wolt und Deliveroo vereinheitlichen Werbeangebote
Mit der Zusammenführung wollen beide Lieferplattformen ihre Reichweite für Werbetreibende besser nutzbar machen. Unternehmen erhalten Zugang zu vergleichbaren Werbeformaten, die Verbraucher während konkreter Kaufentscheidungen erreichen sollen.
Die Produktvorstellung ist die erste größere Initiative unter Catalina Salazar, die seit Anfang 2026 das gemeinsame Werbegeschäft verantwortet. Als Global Head of Advertising setzt sie auf eine stärkere Verbindung zwischen Werbekontakten und nachweisbaren Transaktionen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Spotlight schafft neue Werbeflächen auf der Startseite
Das überarbeitete Anzeigenformat Spotlight ermöglicht großflächige Platzierungen im oberen Bereich der jeweiligen App-Startseite. Marken und Händler können ihre Produkte damit bereits zu Beginn eines Einkaufs sichtbar machen.
Im Vordergrund steht die Entdeckung neuer Angebote, bevor Nutzer eine konkrete Produktauswahl treffen. Das Format soll insbesondere die Aufmerksamkeit für Marken und aktuelle Aktionen erhöhen.
Sponsored Products erreichen Kunden beim Einkauf
Mit Sponsored Products bieten Wolt und Deliveroo gesponserte Produktplatzierungen an unterschiedlichen Stellen des Einkaufsprozesses. Einzelne Artikel können hervorgehoben werden, wenn Verbraucher nach passenden Produkten suchen.
Die Werbeform soll Marken eine gezieltere Ansprache unmittelbar vor einer möglichen Kaufentscheidung ermöglichen. Anders als klassische Reichweitenwerbung orientiert sich die Platzierung stärker an der aktuellen Einkaufssituation.
Neuer Ads Manager vereinfacht Kampagnensteuerung
Der überarbeitete Ads Manager bündelt die Erstellung, Verwaltung und Auswertung von Werbekampagnen in einer Self-Service-Umgebung. Das Angebot richtet sich sowohl an kleinere Händler als auch an größere Marken und Agenturen.
Werbetreibende können die Entwicklung ihrer Anzeigen in Echtzeit verfolgen. Zudem sollen Auswertungen zeigen, in welchem Umfang Werbekontakte mit späteren Bestellungen zusammenhängen.
Über 80 Prozent der Kampagnen mit Käufen verknüpft
Interne Plattformdaten verdeutlichen die Bedeutung transaktionsnaher Werbung. Im ersten Halbjahr 2026 konnten Wolt und Deliveroo bei mehr als 80 Prozent der dafür geeigneten Kampagnen in der EMEA-Region innerhalb von sieben Tagen einen Zusammenhang zwischen Werbekontakt oder Interaktion und einem Kauf feststellen.
Die Kennzahl beschreibt eine messbare Zuordnung innerhalb der Plattformen. Sie belegt allerdings nicht automatisch, dass sämtliche erfassten Käufe ausschließlich durch die jeweilige Werbung ausgelöst wurden.
Für Werbekunden wird damit die Möglichkeit wichtiger, Kampagnenergebnisse unmittelbar anhand von Transaktionen auszuwerten. Diese Verbindung bildet einen zentralen Bestandteil des gemeinsamen Commerce-Media-Angebots.
Fast 60 Prozent mehr Kunden entdecken neue Marken
Die Plattformen verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 außerdem eine deutlich höhere Bereitschaft, bislang unbekannte Marken auszuprobieren. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum kauften fast 60 Prozent mehr Kunden erstmals bei einer für sie neuen Marke.
Besonders ausgeprägt war die Entwicklung im Tierbedarf. Dort erhöhte sich die Zahl der Verbraucher, die ein zuvor nicht gekauftes Produkt ausprobierten, um 62 Prozent.
Auch Gesundheit und Kosmetik entwickelten sich positiv. In diesem Segment stieg die Zahl der Kunden, die eine neue Marke entdeckten, um mehr als ein Viertel.
Fußball und Wetter beeinflussen das Bestellverhalten
Wolt und Deliveroo wollen Werbekampagnen stärker auf konkrete Verbrauchssituationen ausrichten. Dazu zählen Veranstaltungen, Wetterbedingungen und kurzfristig entstehende Einkaufsbedürfnisse.
Während des internationalen Fußballturniers im Sommer 2026 wurden in der EMEA-Region täglich knapp 340.000 Bestellungen mit Pizza, Burgern und Hähnchengerichten ausgeliefert. Solche Ereignisse können die Nachfrage nach bestimmten Produktgruppen kurzfristig beeinflussen.
Auch saisonale Veränderungen spiegeln sich in den Bestelldaten wider. Zwischen Mai und Juli 2026 lagen die täglichen Eiskäufe auf beiden Plattformen 96 Prozent über dem Durchschnitt der vorherigen drei Monate.
Commerce Media wird zum strategischen Geschäftsfeld
Mit dem gemeinsamen Werbeangebot positionieren Wolt und Deliveroo ihre Plattformen zunehmend auch als Marketingkanäle. Neben der Vermittlung und Lieferung von Bestellungen soll die Vermarktung von Werbeflächen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Entscheidend ist dabei die Kombination aus Kaufabsicht, Produktsichtbarkeit und Transaktionsdaten. Marken können Verbraucher in Situationen erreichen, in denen ein konkreter Bedarf besteht.
Die neuen Werbelösungen sollen diese Möglichkeiten über beide Plattformen hinweg vereinheitlichen. Damit erweitern Wolt und Deliveroo ihr Commerce-Media-Geschäft in Europa und dem Nahen Osten.



