Die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland ist angespannt. Wie der aktuelle Marktbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) für 2025/2026 zeigt, sind die Preise für zahlreiche Agrarprodukte unter Druck, was bei vielen Erzeugern zu teils massiven Verlusten führt. Besonders betroffen sind Ackerbau, Tierhaltung, Milch- und Weinwirtschaft.
Verluste bei Getreide und Fleisch
Die Preissituation auf dem Getreidemarkt ist laut DBV besonders kritisch. Für eine Tonne Weizen werden derzeit nur rund 180 Euro erzielt – bei einem Produktionskosten-Niveau, das deutlich darüber liegt. Auch bei Mais, Raps und Futtergerste wurden 2025 niedrigere Durchschnittspreise verzeichnet. Gleichzeitig stieg die weltweite Weizenernte auf ein Rekordniveau, was die Marktlage zusätzlich belastet. In Deutschland wurde 2025 eine Weizenernte von 22,5 Millionen Tonnen eingefahren – 9,6 % mehr als im Vorjahr.
Schweinehalter sehen sich mit einem Erzeugerpreis von lediglich 1,60 Euro pro Kilogramm konfrontiert – eine Marke, bei der vielerorts nicht kostendeckend produziert werden kann. Die Branche kämpft weiterhin mit Strukturwandel, geringen Investitionen und einer zurückhaltenden Inlandsnachfrage. Auch bei Rindfleisch bleiben die Erzeugermengen unter Druck, obwohl die Preise stabiler sind und der Konsum auf 9 kg pro Kopf gestiegen ist.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Milch, Geflügel und Eier: Märkte mit gemischtem Bild
Am Milchmarkt sorgten zunächst Knappheitsmeldungen für Preisstabilität, ehe es ab August 2025 zu einem Rückgang kam – verschärft durch aggressive Preissenkungen im Lebensmitteleinzelhandel bei Butter. Der Geflügelmarkt blieb insgesamt stabil, profitierte weiterhin von einer hohen Nachfrage, insbesondere bei Hähnchenfleisch. Der Konsum stieg auf 20,9 kg pro Kopf, allerdings belasteten steigende Kosten und Tierseuchen die Betriebe.
Der Eiermarkt entwickelte sich hingegen positiv. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 253 Eiern erreichte der Konsum einen neuen Höchstwert. Die Preise, insbesondere für Bio- und Freilandeier, legten deutlich zu. Allerdings bleibt Deutschland stark von Importen abhängig – 80 % der Schaleneier-Importe stammen aus den Niederlanden.
Öko-Markt wächst – Weinbau in der Krise
Während die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln 2025 um 8 % zulegte, stagnierte das Angebot. Die Umstellungsbereitschaft unter Landwirten bleibt gering – trotz Absatzchancen im Lebensmitteleinzelhandel und Naturkostfachhandel. Der Selbstversorgungsgrad konnte daher kaum verbessert werden.
Besonders dramatisch ist die Situation im deutschen Weinbau. Trotz hervorragender Qualität der Ernte verzeichnete die Branche die niedrigste Menge seit 2010. Die Preise für Fasswein liegen mit 0,40 bis 0,60 Euro pro Liter weit unter den Produktionskosten. Strukturelle Probleme wie hohe Lohnkosten, fehlende Saisonarbeitskräfte und ein dominanter Discount-Handel verschärfen die Krise zusätzlich. Der Marktanteil deutscher Weine im Inland sank auf nur noch 41 %.
Obst- und Gemüsebau zwischen Mengenrekorden und Preisdruck
Während die Obsternte – insbesondere bei Äpfeln – 2025 deutlich größer ausfiel, litten die Erzeuger unter niedrigen Preisen. Die Erdbeerernte erreichte mit 75.500 Tonnen den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Im Gemüsebau führten ein Überangebot und hohe Produktionskosten zu einer angespannten Lage. Die Spargelernte fiel um 9 % geringer aus als im Vorjahr – auch hier wurden Produktionsflächen zurückgefahren.
Ausblick: Keine Entspannung in Sicht
Der Deutsche Bauernverband warnt vor einer weiteren Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage im Agrarsektor. Neben volatilen Märkten machen den Betrieben steigende Betriebsmittelkosten, geopolitische Risiken und Wetterextreme zu schaffen. Ohne politische Flankierung und faire Preise droht ein weiterer Rückzug aus der Erzeugung – mit langfristigen Folgen für die Versorgungssicherheit.


