Der weltgrößte Onlinehändler Amazon setzt seine umfassende Reorganisation fort und streicht erneut tausende Stellen. In einem internen Memo hat das Management nun offiziell bestätigt, was Medienberichte in den vergangenen Tagen bereits angedeutet hatten: Rund 16.000 Positionen im Konzern fallen weg. Es handelt sich um einen der größten Einschnitte in der Unternehmensgeschichte – und um einen zentralen Baustein eines langfristig angelegten Umbaus.
Internes Memo macht Ausmaß konkret
In einer internen Mitteilung an die Belegschaft informierte Beth Galetti, Senior Vice President of People Experience and Technology bei Amazon, über die neuen Maßnahmen. Die Kürzungen betreffen konzernweit rund 16.000 Rollen. Hintergrund seien organisatorische Anpassungen, die in Teilen des Unternehmens erst jetzt abgeschlossen worden seien.
Amazon arbeite seit Monaten daran, Managementebenen abzubauen, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Bürokratie zu reduzieren. Während viele Teams diese Neuordnung bereits im Oktober umgesetzt haben, folgen andere Bereiche nun mit Verzögerung.
Amazon unaufhaltsam
Unterstützung für Betroffene – aber klare Einschnitte
Für die betroffenen Mitarbeitenden kündigte Galetti erneut Übergangsregelungen an. US-Beschäftigte erhalten in der Regel eine Frist von 90 Tagen, um sich intern auf neue Stellen zu bewerben; international gelten länderspezifische Regelungen. Wer keinen neuen Job im Konzern findet oder sich dagegen entscheidet, soll Abfindungen, Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung sowie – abhängig vom Standort – weiterhin Krankenversicherungsleistungen erhalten.
Gleichzeitig betonte das Management, dass Amazon trotz des Stellenabbaus weiterhin gezielt in strategisch wichtige Bereiche investiere und dort auch neue Mitarbeitende einstelle. Der Konzern befinde sich nach wie vor „in einer frühen Phase“ des Aufbaus vieler Geschäftsbereiche und sehe erhebliche Wachstumschancen.
Größter Umbau der Firmengeschichte zeichnet sich ab
Bereits im Oktober 2025 hatte Amazon rund 14.000 Stellen im sogenannten White-Collar-Bereich gestrichen. Zusammen mit den nun bestätigten Kürzungen summiert sich der Abbau auf rund 30.000 Jobs – und erreicht damit eine Dimension, die selbst frühere Sparprogramme übertrifft. Zum Vergleich: In den Jahren 2022 und 2023 hatte Amazon insgesamt etwa 27.000 Stellen abgebaut.
Nach internen wie externen Einschätzungen betrifft der aktuelle Stellenabbau vor allem Corporate-Funktionen. Medienberichte nannten insbesondere Amazon Web Services (AWS), den Einzelhandel, Prime Video sowie die Personalabteilung als besonders betroffene Bereiche. Insgesamt beschäftigt Amazon weltweit rund 1,58 Millionen Menschen, der überwiegende Teil davon in Logistik und operativen Einheiten. Die aktuellen Maßnahmen treffen vor allem Büroarbeitsplätze – etwa zehn Prozent dieser Funktionen stehen zur Disposition.
Fokus auf Organisation statt KI-Effekte
Der Stellenabbau ist nicht primär eine direkte Folge des KI-Fortschritts, wie Konzernchef Andy Jassy bereits zuvor klargestellt hatte. Zwar veränderten neue Technologien Arbeitsprozesse, ausschlaggebend sei jedoch eine über Jahre gewachsene, zu komplexe Organisationsstruktur. Zu viele Ebenen und Schnittstellen hätten Geschwindigkeit und Innovationskraft gebremst – ein Problem, das Amazon nun systematisch adressieren will.
Gleichzeitig wies Galetti Spekulationen zurück, der Konzern stehe vor einem neuen Rhythmus regelmäßiger Massenentlassungen. Vielmehr wolle Amazon künftig kontinuierlich prüfen, ob Teams ausreichend Verantwortung, Tempo und Kapazitäten hätten, um für Kunden zu innovieren – und bei Bedarf gezielt nachjustieren.
Signalwirkung für die Tech-Branche
Mit dem erneuten Stellenabbau sendet Amazon ein deutliches Signal an den Markt. Nach Jahren starken Wachstums rücken Effizienz, klare Verantwortlichkeiten und schlanke Strukturen stärker in den Fokus. Für die Tech-Branche insgesamt bestätigt sich damit ein Trend: Auch die größten Konzerne passen ihre Organisationen an ein wirtschaftlich und technologisch dynamischeres Umfeld an – mit spürbaren Folgen für tausende Beschäftigte.


