Die Zahl der klassischen Geldautomaten und Bankfilialen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Waren es 2018 noch rund 59.000 Geldautomaten, so sind es 2024 weniger als 50.000. Parallel dazu weitet der Einzelhandel sein Serviceangebot für Bargeldabhebungen kontinuierlich aus. Eine neue Analyse der Deutschen Kreditbank vergleicht erstmals systematisch die Bargeldverfügbarkeit in den 30 größten Städten und allen Bundesländern anhand des sogenannten „Cash-Index“.
Der Cash-Index: Kombinierte Verfügbarkeit von Bargeld
Der Cash-Index misst die Zahl verfügbarer Bargeldabhebungsmöglichkeiten pro 10.000 Einwohner und kombiniert dabei klassische Geldautomaten, Bankfilialen sowie Einzelhandelsgeschäfte mit Bargeldservice. Weil nicht für alle Bankfilialen die exakte Anzahl an Automaten öffentlich einsehbar ist, werden sämtliche Filialen der ATM-Kategorie zugerechnet.
Der Index zeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Städten durchschnittlich auf 6,4 Abhebemöglichkeiten pro 10.000 Einwohner zugreifen können. Auf Bundeslandebene liegt der Mittelwert bei 7,0. Damit bleibt das Niveau trotz rückläufigem Automatenbestand weitgehend stabil – vor allem durch das zunehmende Engagement des Einzelhandels.
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Einzelhandel holt auf – und überholt die Banken
In Großstädten liegt die Dichte an Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice (3,4 pro 10.000 Einwohner) mittlerweile leicht über der von klassischen ATMs (3,0). Besonders stark ist der Einzelhandel in Chemnitz vertreten – mit 4,64 entsprechenden Standorten pro 10.000 Einwohner. Auch Braunschweig (3,99) und Hannover (3,93) weisen hohe Werte auf.
Demgegenüber bietet Karlsruhe mit nur 2,65 Geschäften pro 10.000 Einwohner die geringste Verfügbarkeit. In acht von 30 untersuchten Städten übertrifft das ATM-Angebot noch die Dichte der Einzelhandelsstandorte.
Aachen, Chemnitz und München führen beim Gesamt-Index
Die Stadt Aachen erreicht mit 7,73 kombinierten Möglichkeiten zur Bargeldabhebung den höchsten Cash-Index. Es folgen Chemnitz (7,65) und München (7,04). Die Hauptstadt Berlin liegt mit einem Indexwert von 6,89 auf Rang vier. Schlusslichter sind Dortmund (5,04) und Duisburg (4,32).
Besonders auffällig ist der Unterschied in Dortmund: Dort stehen 3,38 Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice nur 1,66 klassischen Bargeldstellen gegenüber – eine der höchsten Differenzen im Städteranking.
Regionale Unterschiede im Bundesländervergleich
Auch im Bundesländer-Vergleich zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle. Die höchste Bargeldverfügbarkeit pro 10.000 Einwohner bieten Mecklenburg-Vorpommern (9,02), Sachsen-Anhalt (8,08) und Bayern (8,02). Am unteren Ende rangieren Nordrhein-Westfalen (6,04), Bremen (6,28) und das Saarland (6,59).
Während Berlin bei den Geldautomaten vorn liegt, fällt die Hauptstadt beim Einzelhandel mit einem Indexwert von 3,33 auf einen der letzten Plätze zurück. Auch in Baden-Württemberg übertrifft die Zahl der Geldautomaten jene der Einzelhandelsangebote – eine Ausnahme im bundesweiten Trend.
Methodik der Untersuchung
Die Analyse basiert auf OpenStreetMap-Daten vom 10. November 2025. Erfasst wurden Bankfilialen, freistehende Geldautomaten sowie Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice aus 23 Ketten, darunter Rewe, Lidl, dm oder Aldi. In Fällen fehlender Filialdaten wurde davon ausgegangen, dass Bargeldservice flächendeckend angeboten wird.
Die Untersuchung versteht sich als Infrastrukturvergleich und erhebt nicht den Anspruch, die exakte Anzahl an Bargeldabhebungsstellen pro Stadt oder Bundesland abzubilden. Vielmehr geht es um die vergleichende Darstellung regionaler Unterschiede im Zugang zu Bargeld.


