Der Bonner Logistikonzern DHL verabschiedet sich von seinem bisherigen GoGreen-Angebot zur CO₂-Kompensation. Zum 1. September 2026 wird der Service vollständig durch GoGreen Plus ersetzt, wie das Unternehmen vor dem Wochenende mitteilte. Hintergrund sind neue europäische Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen, die strengere Anforderungen an die Bewerbung klimafreundlicher Produkte stellen.
Künftig sollen Emissionen nicht mehr überwiegend durch externe Klimaschutzprojekte ausgeglichen, sondern direkt innerhalb des eigenen Logistiknetzwerks reduziert werden. DHL setzt dabei auf Investitionen in Transport, Zustellung und Gebäude, um Treibhausgasemissionen unmittelbar entlang der Wertschöpfungskette zu senken.
Abschied von der klassischen Kompensation
Der bisherige GoGreen-Service basierte auf der Finanzierung zertifizierter Klimaschutzprojekte außerhalb des Unternehmens. Dieses Modell wird zum 31. August 2026 eingestellt.
Mit GoGreen Plus verfolgt DHL einen sogenannten Insetting-Ansatz. Dabei werden Emissionsminderungen direkt im eigenen Betriebsablauf erzielt und den jeweiligen Sendungen über ein zertifiziertes „Book-and-Claim“-Verfahren zugerechnet. Nach Unternehmensangaben entspricht dieses Modell stärker den Erwartungen von Kunden und den neuen regulatorischen Anforderungen.
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GoGreen Plus wird zum neuen Standard
Die Umstellung betrifft sowohl Geschäfts- als auch Privatkunden. Im Paketgeschäft können Geschäftskunden künftig individuell festlegen, für welche Sendungen GoGreen Plus genutzt werden soll.
Im Briefbereich wird der Service auf weitere Produkte ausgeweitet, darunter Teilleistungssendungen und Dialogpost. Bereits heute ist GoGreen Plus bei verschiedenen Versandarten integriert. Künftig sollen rund 85 Prozent aller adressierten Brief- und Werbesendungen im Netz der Deutschen Post von den Emissionsreduktionsmaßnahmen profitieren.
Auch Privatkunden erhalten den Service automatisch für nationale und internationale Paketsendungen auf dem deutschen Transportabschnitt.
Milliardeninvestitionen in klimafreundliche Logistik
DHL verweist auf umfangreiche Investitionen in die Dekarbonisierung seines Netzwerks. Der Konzern betreibt nach eigenen Angaben bereits rund 38.500 elektrische Zustellfahrzeuge. Hinzu kommen Bio-CNG-Lkw, elektrische Lastwagen sowie ein eigenes Güterzugnetz für den Ferntransport.
Darüber hinaus werden neue Betriebsstandorte mit Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen ausgestattet. Der Anteil von Ökostrom liegt nach Unternehmensangaben bereits bei rund 95 Prozent. Insgesamt investiert DHL jährlich etwa eine Milliarde Euro in die Umstellung seiner Logistikprozesse.
Neue EU-Regeln verschärfen Anforderungen
Auslöser der Umstellung sind neue gesetzliche Vorgaben, die ab September 2026 in Deutschland gelten. Grundlage ist die Umsetzung der europäischen Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ in nationales Recht.
Die neuen Regelungen sollen Greenwashing verhindern und strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen stellen. Reine CO₂-Kompensationen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette dürfen künftig nicht mehr ohne Weiteres als nachhaltige Produktleistung beworben werden. DHL sieht die neuen Vorschriften als wichtigen Schritt für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit bei Umweltversprechen.


