Künstliche Intelligenz, Automatisierung und digitale Produktionssysteme verändern die industrielle Fertigung weltweit grundlegend. Laut einer aktuellen Analyse der Boston Consulting Group (BCG) können sogenannte „Factories of the Future“ Produktivitätssteigerungen von bis zu 60 Prozent ermöglichen und damit die bisherigen Regeln internationaler Wettbewerbsfähigkeit neu definieren.
Die Studie basiert auf einer weltweiten Befragung von 1.000 Industrieunternehmen sowie einer umfassenden ökonomischen Analyse der Auswirkungen moderner Fertigungstechnologien auf Produktionsstandorte und Lieferketten.
Produktionsstandorte werden neu bewertet
Nach Einschätzung der Studienautoren verlieren klassische Kriterien wie niedrige Lohnkosten zunehmend an Bedeutung. Stattdessen rückt die Fähigkeit in den Mittelpunkt, Produktionsanlagen mithilfe von KI, Automatisierung und digitalen Technologien effizient umzubauen und zu betreiben.
Dadurch könnten selbst Standorte in Hochlohnländern wettbewerbsfähiger werden als Produktionsstätten in Niedrigkostenregionen. Erstmals sei es möglich, dass Investitionen in moderne Fertigungsstrukturen wirtschaftlich attraktiver ausfallen als die Verlagerung von Produktion ins Ausland.
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Milliardenwerte stehen auf dem Spiel
Die Untersuchung warnt zugleich vor erheblichen Risiken für Regionen, die den Wandel nicht aktiv vorantreiben. Für Westeuropa sehen die Analysten Industriewertschöpfung im Umfang von rund 1,03 Billionen US-Dollar gefährdet. In den Vereinigten Staaten könnten weitere 440 Milliarden US-Dollar betroffen sein, falls Unternehmen nicht auf moderne Produktionskonzepte umstellen.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und instabiler Lieferketten gewinnt zudem die Produktion nahe wichtiger Absatzmärkte an Bedeutung. Unternehmen könnten dadurch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Störungen erhöhen.
Auswirkungen unterscheiden sich je nach Branche
Die Vorteile moderner Fabrikkonzepte fallen jedoch nicht überall gleich aus. Entscheidend sind Faktoren wie Energiekosten, Arbeitskosten, Automatisierungspotenzial und Transportaufwendungen.
Besonders Branchen mit hohen Logistikkosten profitieren laut Studie von einer Produktion in Kundennähe. Dazu zählt unter anderem die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, bei der Transportkosten einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen können.
Standorte mit hohen Lohnkosten wiederum profitieren besonders von automatisierten Prozessen, optimierter Energienutzung sowie einer effizienteren Materialausnutzung.
Fachkräfte und digitale Infrastruktur werden Schlüsselfaktoren
Neben technologischen Investitionen gewinnen qualifizierte Arbeitskräfte und digitale Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. In der Befragung gaben 87 Prozent der Unternehmen an, dass Fachkräfte für die erfolgreiche Umsetzung moderner Fabrikkonzepte entscheidend seien. 69 Prozent nannten zudem die digitale Infrastruktur als wesentlichen Erfolgsfaktor.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen künftig Produktionsstrategie und Technologieeinsatz deutlich stärker miteinander verzahnen müssen. Wer moderne Fertigungstechnologien konsequent nutzt und seine Standortstrategie entsprechend anpasst, könnte sich langfristig entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.


