GameStop könnte seinen milliardenschweren Übernahmeversuch bei eBay zugunsten einer strategischen Zusammenarbeit aufgeben. CEO Ryan Cohen erwägt laut einem Bericht von Bloomberg, das rund 56 Milliarden US-Dollar schwere Kaufangebot zurückzuziehen und stattdessen eine Partnerschaft oder ein Joint Venture anzustreben. Eine endgültige Entscheidung soll noch nicht gefallen sein.
Der mögliche Strategiewechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem GameStop bereits erheblichen Einfluss aufgebaut hat. Das Unternehmen hält inzwischen 9,8 Prozent der eBay-Aktien und gehört damit zu den bedeutenden Anteilseignern des Online-Marktplatzes.
GameStop-Filialen könnten für eBay interessant werden
Bei einer möglichen Kooperation könnte insbesondere das stationäre Netz von GameStop eine Rolle spielen. Im Gespräch steht eine Nutzung von rund 1.600 US-Filialen durch eBay. Wie eine solche Zusammenarbeit konkret aussehen könnte, ist bislang offen.
Strategisch denkbar wäre eine Verknüpfung des digitalen eBay-Marktplatzes mit physischen Dienstleistungen. Gerade bei Sammelkarten und anderen hochwertigen Collectibles könnten stationäre Anlaufstellen zusätzliche Möglichkeiten für Abwicklung, Prüfung oder Übergabe schaffen.
Das Segment gewinnt für GameStop erheblich an Bedeutung. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete das Unternehmen mit Collectibles rund 1,06 Milliarden Dollar. Damit entfielen 29,2 Prozent des Konzernumsatzes auf diesen Bereich, nach 18,8 Prozent im Vorjahr.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Partnerschaft würde milliardenschwere Übernahme vermeiden
Eine Kooperation könnte GameStop einen Teil der angestrebten strategischen Vorteile verschaffen, ohne eine vollständige Übernahme finanzieren und anschließend beide Unternehmen integrieren zu müssen.
GameStop hatte im Mai 125 Dollar je eBay-Aktie geboten und den Online-Marktplatz damit mit etwa 56 Milliarden Dollar bewertet. Das Größenverhältnis sorgte für Aufmerksamkeit: GameStop erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 3,63 Milliarden Dollar, während eBay auf 11,1 Milliarden Dollar kam.
Auch die Finanzierung des Vorhabens galt als kritischer Punkt. Das Angebot sollte Bargeld und Aktien kombinieren und umfasste unter anderem eine nicht bindende Finanzierungszusage über 20 Milliarden Dollar.
Der Online-Marktplatz eBay lehnte erwartungskonform die Offerte ab. Der Verwaltungsrat stellte unter anderem die Finanzierung und Attraktivität des Angebots infrage und verwies auf die eigenen Wachstumsaussichten sowie mögliche Verschuldungs- und Governance-Risiken.
Cohen hat mit 9,8 Prozent neue Ausgangslage geschaffen
Seitdem hat sich die Situation verändert. GameStop meldete im Juli einen Anteil von 9,8 Prozent an eBay. Die Beteiligung entspricht rund 43,4 Millionen Aktien.
Damit könnte Cohen auch ohne Komplettübernahme erheblichen wirtschaftlichen Einfluss ausüben. Bei einer möglichen Partnerschaft soll GameStop zudem Sitze im eBay-Verwaltungsrat anstreben.
Aus dem ursprünglichen Übernahmeversuch könnte damit eine Kombination aus Großbeteiligung und strategischer Kooperation entstehen. Für eBay wäre dies allerdings eine anspruchsvolle Konstellation, nachdem der Verwaltungsrat Cohens Übernahmeangebot zuvor deutlich zurückgewiesen hatte.
GameStop verfügt über Milliardenliquidität
Möglich wird Cohens ungewöhnlicher Vorstoß durch die veränderte finanzielle Lage von GameStop. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 verfügte das Unternehmen über rund neun Milliarden Dollar an Barmitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und marktgängigen Wertpapieren. Im Vorjahr waren es 4,8 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität deutlich. Trotz eines Umsatzrückgangs von 3,82 auf 3,63 Milliarden Dollar drehte das operative Ergebnis von einem Verlust von 26,2 Millionen auf einen Gewinn von 232,1 Millionen Dollar. Der Nettogewinn erhöhte sich auf 418,4 Millionen Dollar.
Für das Geschäftsjahr 2026 stellte GameStop zuletzt ein bereinigtes EBITDA von mehr als 600 Millionen Dollar in Aussicht.
eBay wächst und investiert selbst
eBay befindet sich seinerseits in einer Wachstumsphase. Der Umsatz stieg 2025 um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar, während das über die Plattform abgewickelte Bruttowarenvolumen sieben Prozent auf 79,6 Milliarden Dollar zulegte.
Im ersten Quartal 2026 beschleunigte sich die Entwicklung. eBay meldete einen Umsatzanstieg von 19 Prozent auf 3,09 Milliarden Dollar und ein GMV-Wachstum von 18 Prozent auf 22,2 Milliarden Dollar. Ende März zählte die Plattform weltweit 136 Millionen aktive Käufer.
Parallel investiert eBay in den Ausbau des Recommerce-Geschäfts. Im Februar vereinbarte das Unternehmen die Übernahme der Secondhand-Fashion-Plattform Depop von Etsy für rund 1,2 Milliarden Dollar.
Collectibles könnten beide Unternehmen verbinden
Eine operative Zusammenarbeit erscheint vor allem beim Handel mit Sammlerstücken strategisch interessant. eBay verfügt über einen globalen Marktplatz mit großer Käufer- und Verkäuferbasis, während GameStop ein stationäres Filialnetz und eine starke Position bei Gaming-affinen Kunden einbringen könnte.
Bei höherwertigen Sammelkarten und anderen Collectibles sind Faktoren wie Echtheitsprüfung, Zustandsbewertung und sichere Warenübergabe besonders relevant. Eine Verbindung von Online-Marktplatz und stationärer Infrastruktur könnte deshalb neue Dienstleistungen ermöglichen.
Für GameStop würde eine Partnerschaft zugleich die Transformation weg vom schrumpfenden klassischen Videospielgeschäft unterstützen.
Übernahmekampf könnte zum Ringen um Einfluss werden
Ein Rückzug des 56-Milliarden-Dollar-Angebots müsste deshalb nicht das Ende von Cohens eBay-Plänen bedeuten. Eine Partnerschaft könnte einen weniger kapitalintensiven Weg eröffnen, um operative Synergien zu nutzen.
GameStop bliebe gleichzeitig mit 9,8 Prozent an eBay beteiligt und könnte über mögliche Board-Sitze zusätzlichen Einfluss anstreben.
Damit verschiebt sich die zentrale Frage: Statt einer vollständigen Übernahme könnte künftig entscheidend sein, welche Rolle GameStop als Großaktionär und möglicher Geschäftspartner bei eBay spielen kann. Besonders das wachsende Collectibles-Geschäft bietet einen Ansatzpunkt für eine Verbindung von stationärem Handel und digitalem Marktplatz.



