Ein Geschworenengericht in San Francisco hat entschieden, dass Google 425 Millionen Dollar (rund 397 Millionen Euro) zahlen muss. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll über Jahre hinweg weiterhin Nutzerdaten gesammelt haben, obwohl Millionen von Anwendern in ihren Kontoeinstellungen eine Tracking-Funktion deaktiviert hatten. Ein Sprecher von Google bestätigte das Urteil, wies aber weiterhin jegliches Fehlverhalten zurück.
Langjährige Datensammlung trotz Deaktivierung
Konkret ging es um die sogenannte „Web- & App-Aktivität“, eine Funktion, die das Sammeln von Daten über Geräte und Anwendungen erlaubt. Obwohl Nutzer diese Option deaktiviert hatten, soll Google über einen Zeitraum von acht Jahren hinweg Daten über mobile Geräte gesammelt, gespeichert und genutzt haben – ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen.
Die Kläger warfen dem Konzern vor, über verschiedene Drittanbieter-Apps wie Uber, Instagram oder Venmo weiterhin Daten erhoben zu haben. Google bestritt die Vorwürfe und argumentierte, die gesammelten Informationen seien pseudonymisiert, nicht personenbezogen und sicher gespeichert gewesen.
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Kein Vorsatz, aber Verantwortung
Die Jury sah Google in zwei von drei Punkten in der Verantwortung, wies aber den Vorwurf vorsätzlichen Handelns zurück. Damit entfällt eine zusätzliche Strafzahlung über den reinen Schadenersatz hinaus. Die Kläger hatten ursprünglich über 31 Milliarden Dollar gefordert.
Insgesamt betrifft die Entscheidung rund 98 Millionen Google-Nutzer mit etwa 174 Millionen Geräten. Das Verfahren wurde bereits im Juli 2020 als Sammelklage eingereicht und vom zuständigen Richter Richard Seeborg als solche zugelassen.
Weitere Datenschutzverfahren gegen Google
Die Entscheidung reiht sich ein in eine Reihe von Verfahren, mit denen Google konfrontiert ist. Erst im April 2024 hatte sich das Unternehmen verpflichtet, Milliarden von Datensätzen zu löschen, die während der angeblich privaten Nutzung im sogenannten „Inkognito-Modus“ gesammelt worden waren. Auch in Texas zahlte Google Anfang des Jahres fast 1,4 Milliarden Dollar wegen ähnlicher Datenschutzverstöße.


