Die geplante Einführung einer allgemeinen Registrierkassenpflicht für Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz stößt beim Handelsverband Deutschland (HDE) auf deutliche Kritik. Zwar unterstützt der Verband das Ziel, Steuerbetrug wirksamer zu bekämpfen, hält die vorgesehene Regelung jedoch für zu pauschal. Statt einer starren Umsatzgrenze fordert der HDE eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Bargeldanteil eines Unternehmens sowie den Abbau bestehender Bürokratie.
Umsatzgrenze aus Sicht des Handels zu ungenau
Nach Auffassung des HDE bildet eine Umsatzschwelle von 100.000 Euro das tatsächliche Manipulationsrisiko nur unzureichend ab. Viele Unternehmen erzielten inzwischen hohe Umsätze überwiegend über bargeldlose Zahlungen und verfügten daher nur über geringe Bargeldbestände. Der Verband plädiert deshalb dafür, die Pflicht zum Einsatz elektronischer Kassensysteme stärker an den Barumsätzen auszurichten und gesetzliche Ausnahmen für bestimmte Geschäftsmodelle vorzusehen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Bundesregierung setzt auf schärfere Kontrollen
Die Registrierkassenpflicht ist Bestandteil der Strategie der Bundesregierung zur Bekämpfung von Steuer- und Finanzkriminalität. Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz sollen nach den aktuellen Plänen ab dem 1. Januar 2028 verpflichtend elektronische Registrierkassen einsetzen. Bislang besteht in Deutschland grundsätzlich weiterhin die Möglichkeit, eine offene Ladenkasse zu verwenden. Wer bereits ein elektronisches Kassensystem nutzt, muss jedoch die Vorgaben der Kassensicherungsverordnung einschließlich einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung erfüllen.
Bonpflicht bleibt zentraler Streitpunkt
Besonders kritisch bewertet der HDE, dass die geplante Kassenpflicht nicht mit einer Abschaffung der allgemeinen Belegausgabepflicht verbunden werden soll. Nach Ansicht des Verbandes würden zusätzliche Anforderungen an digitale Kassenbons neue technische Investitionen und weiteren Verwaltungsaufwand verursachen. Der HDE fordert stattdessen, Belege nur dann auszugeben oder bereitzustellen, wenn Kundinnen und Kunden diese ausdrücklich verlangen.
Kleine Betriebe sehen hohe Umstellungskosten
Vor allem kleinere Unternehmen wären von der Reform besonders betroffen. Wer bislang mit einer offenen Ladenkasse arbeitet, müsste künftig ein elektronisches Kassensystem anschaffen, technische Sicherheitsanforderungen erfüllen und zusätzliche Melde- sowie Dokumentationspflichten beachten. Für größere Handelsunternehmen stehen dagegen vor allem umfangreiche IT-Anpassungen und Softwareumstellungen im Vordergrund.
HDE fordert mehr Zielgenauigkeit statt neuer Bürokratie
Der Handelsverband spricht sich dafür aus, Steuerbetrug stärker durch gezielte Kontrollen und risikoorientierte Prüfungen zu bekämpfen, anstatt flächendeckende neue Pflichten einzuführen. Die weitere politische Diskussion dürfte sich vor allem darum drehen, wie sich wirksame Steuerkontrollen mit möglichst geringem bürokratischem Aufwand für steuerehrliche Unternehmen verbinden lassen.






