Die Europäische Kommission hat eine vertiefte wettbewerbsrechtliche Untersuchung der geplanten Übernahme von Porta durch XXXLutz eingeleitet. Die Brüsseler Behörde befürchtet, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb im Möbelhandel mehrerer europäischer Länder erheblich einschränken könnte. Neben möglichen Folgen für Verbraucher stehen auch die Einkaufsbedingungen für Möbelhersteller und Lieferanten im Mittelpunkt.
Besonders kritisch bewertet die Kommission die Marktposition beider Unternehmen in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Dort gehören XXXLutz und Porta zu den bedeutenden Möbelhändlern. Bis spätestens 25. Februar 2027 soll entschieden werden, ob die Übernahme mit den europäischen Wettbewerbsregeln vereinbar ist.
Zusammenschluss würde zwei große Möbelhandelsnetze verbinden
Durch die geplante Transaktion würden mehr als 140 Einrichtungshäuser der Porta-Gruppe mit einem europaweiten Handelsnetz von über 1.800 Geschäften im Umfeld von XXXLutz zusammengeführt.
Zu den betroffenen Vertriebslinien gehören auf Porta-Seite unter anderem porta Möbel, SB Möbel Boss und ASKO. XXXLutz ist mit Marken wie XXXLutz, Mömax, Möbelix, Roller und Home24 vertreten.
Hinzu kommen weitere Möbelketten, an denen die Gesellschafter von XXXLutz Kontrollbeteiligungen halten, darunter POCO und verschiedene Conforama-Gesellschaften.
Die Kommission sieht darin eine erhebliche Bündelung von Verkaufsflächen und Einkaufsmöglichkeiten in mehreren europäischen Märkten.
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Wettbewerb im deutschen Möbelhandel besonders betroffen
Nach der vorläufigen Einschätzung der EU-Kommission stehen zahlreiche Einrichtungshäuser beider Unternehmen in direktem regionalem Wettbewerb.
Eine Übernahme könnte deshalb dazu führen, dass in einzelnen Einzugsgebieten ein wichtiger Wettbewerber wegfällt. Dies betrifft insbesondere Anbieter, die ein breites Möbelsortiment über größere Filialnetze vertreiben.
In Deutschland betrachtet die Behörde vor allem den Discountbereich kritisch. Dort verfügen XXXLutz und Porta mit ihren jeweiligen Vertriebslinien bereits über bedeutende Marktpositionen.
Die Kommission befürchtet, dass ein geringerer Wettbewerbsdruck höhere Verkaufspreise und eine eingeschränkte Produktauswahl zur Folge haben könnte.
Auch die Märkte in Tschechien und der Slowakei werden hinsichtlich möglicher regionaler Wettbewerbsbeschränkungen untersucht.
Einkaufsverband GIGA International im Fokus
Neben dem Verkauf von Möbeln untersucht Brüssel die Auswirkungen auf die Beschaffung bei Herstellern und Lieferanten.
XXXLutz organisiert einen wesentlichen Teil seines europäischen Möbeleinkaufs über den Einkaufsverband GIGA International. Durch die gemeinsame Beschaffung verschiedener Handelsmarken verfügt die Gruppe nach vorläufiger Einschätzung der Kommission bereits über erhebliche Nachfragemacht.
Sollten künftig auch die Porta-Marken über diesen Verband einkaufen, könnte für Hersteller einer der wenigen großen unabhängigen Abnehmer wegfallen.
Die Kommission will deshalb untersuchen, ob Lieferanten dadurch stärker von der erweiterten XXXLutz-Gruppe abhängig würden.
Auch Möbelhersteller in Polen betroffen
Die Prüfung der Einkaufsbedingungen erstreckt sich auf Deutschland, Tschechien, die Slowakei und Polen.
Die Behörde untersucht insbesondere, ob eine stärkere Konzentration der Nachfrage die Verhandlungsposition von Möbelproduzenten schwächen könnte.
Eine mögliche Folge wäre, dass Lieferanten weniger alternative Absatzmöglichkeiten hätten und ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen großen Handelsgruppen zunähme.
Darüber hinaus prüft die Kommission, ob sich solche Veränderungen indirekt auf konkurrierende Möbelhändler auswirken könnten.
Damit betrifft das Verfahren nicht ausschließlich den Wettbewerb zwischen Einrichtungshäusern, sondern auch die Marktstrukturen entlang der Lieferkette.
Entscheidung bis Februar 2027 vorgesehen
XXXLutz meldete die geplante Übernahme am 7. September 2026 bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung an.
Nach der ersten Prüfung hat die Behörde nun ein vertieftes Verfahren nach der EU-Fusionskontrollverordnung eröffnet.
Für die Untersuchung stehen grundsätzlich 90 Arbeitstage zur Verfügung. Als Entscheidungsfrist nennt die Kommission den 25. Februar 2027.
Innerhalb dieses Zeitraums werden die möglichen Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb genauer analysiert.
Die Einleitung der zweiten Prüfphase bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Übernahme bereits als unzulässig eingestuft wurde. Das Verfahren bleibt ergebnisoffen.
XXXLutz und Porta gehören zu den großen Möbelhändlern Europas
Die österreichische XXXLutz-Gruppe betreibt in zahlreichen europäischen Ländern Einrichtungshäuser und Onlineangebote für Möbel, Wohnaccessoires und Haushaltswaren.
Neben den eigenen Vertriebslinien bestehen Beteiligungen beziehungsweise Kontrollverhältnisse zu weiteren europäischen Möbelketten.
Porta ist vor allem in Deutschland sowie in Tschechien und der Slowakei aktiv. Zum Unternehmen gehören unter anderem die Vertriebslinien porta Möbel, SB Möbel Boss, Möbel LETZ und ASKO.
Beide Gruppen sind sowohl im stationären Möbelhandel als auch in der Beschaffung von Einrichtungsprodukten tätig.
Übernahme könnte europäische Möbelhandelslandschaft verändern
Die Untersuchung verdeutlicht die wettbewerbsrechtliche Bedeutung großer Zusammenschlüsse im europäischen Möbelhandel.
Für Verbraucher steht die Frage im Mittelpunkt, ob nach einer Übernahme weiterhin ausreichend konkurrierende Anbieter mit vergleichbaren Sortimenten und Preisen verfügbar wären.
Für Hersteller und Zulieferer ist dagegen entscheidend, ob genügend voneinander unabhängige große Handelsunternehmen als Abnehmer erhalten bleiben.
Die Kommission muss nun feststellen, ob ihre vorläufigen Bedenken durch die vertiefte Untersuchung bestätigt werden.
Bis zu einer abschließenden Entscheidung bleibt offen, unter welchen Voraussetzungen die geplante Übernahme von Porta durch XXXLutz genehmigt werden könnte.





