Die Insolvenz von Hellweg und den BayWa Bau- & Gartenmärkten führt zu einer grundlegenden Neuordnung des Filialnetzes. Knapp zwei Monate nach den Insolvenzanträgen in Eigenverwaltung zeichnet sich ab, dass zahlreiche Märkte weitergeführt werden können – allerdings nicht mehr unter dem bisherigen gemeinsamen Unternehmensdach.
Besonders einschneidend ist die geplante Schließung der Zentralen von Hellweg in Dortmund und der BayWa Bau- & Gartenmärkte in Garching. Rund 340 Beschäftigte sind davon betroffen. Zentrale Funktionen wie Einkauf, Personal, IT oder Marketing werden bei einer Verteilung der Filialen auf verschiedene Betreiber weitgehend überflüssig.
Investoren interessieren sich für zahlreiche Märkte
In Deutschland betreiben die beiden Vertriebslinien insgesamt 114 Bau- und Gartenmärkte mit rund 4.200 Beschäftigten. Hellweg kommt auf 68 Standorte und etwa 2.900 Mitarbeiter, die BayWa Bau- & Gartenmärkte auf 46 Filialen mit rund 1.300 Beschäftigten.
Für große Teile dieses Netzes liegen nach Angaben aus dem Sanierungsverfahren Übernahmeangebote vor. Nach Zustimmung der Gläubigerausschüsse sollen entsprechende Verträge umgesetzt werden. Welche Filialen tatsächlich einen neuen Eigentümer erhalten, steht noch nicht abschließend fest.
Damit bestehen für zahlreiche Mitarbeiter in den Märkten Chancen auf eine Weiterbeschäftigung. Die Gehälter sollen bis einschließlich November 2026 gesichert sein – auch dort, wo bislang noch keine Übernahmelösung gefunden wurde.
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Bisherige Unternehmensstruktur dürfte verschwinden
Die geplante Aufteilung bedeutet voraussichtlich das Ende des bisherigen Hellweg-Systems. Übernommene Standorte sollen unterschiedlichen Betreibern zugeordnet werden. Für Wettbewerber eröffnet dies insbesondere im Ruhrgebiet, in Berlin und in Süddeutschland Möglichkeiten, ihre regionale Marktposition auszubauen.
Auch Lieferanten müssen sich möglicherweise auf neue Strukturen einstellen. Einkaufsvolumen, das bislang für mehr als 100 Märkte gebündelt wurde, könnte sich künftig auf mehrere Handelsorganisationen verteilen. Damit können sich Konditionen, Sortimente und Lieferbeziehungen verändern.
Offen ist zudem die Zukunft der Marken. Werden Filialen von Wettbewerbern übernommen und unter deren Namen weitergeführt, könnte Hellweg nach mehr als fünf Jahrzehnten weitgehend aus dem deutschen Handelsbild verschwinden. Auch eine Übernahme von BayWa-Standorten garantiert nicht die Fortführung der bisherigen Kennzeichnung.
Hohe Kosten und Konsumflaute führten zur Insolvenz
Hellweg und die BayWa Bau- & Gartenmärkte hatten Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Als Belastungsfaktoren wurden unter anderem gestiegene Einkaufs-, Miet- und Betriebskosten sowie die Konsumzurückhaltung genannt.
Nach dem Heimwerkerboom während der Corona-Pandemie normalisierte sich die Nachfrage, während Personal-, Energie- und Beschaffungskosten deutlich zunahmen. Für großflächige Baumärkte mit hohen Fixkosten und umfangreichen Warenbeständen verschärfte diese Kombination den wirtschaftlichen Druck.
Die süddeutschen BayWa Bau- & Gartenmärkte gehören dabei nicht zum operativen Kerngeschäft des börsennotierten BayWa-Konzerns. Das Geschäft wird bereits seit 2012 unternehmerisch von Hellweg geführt; die BayWa AG hält nach den vorliegenden Angaben noch eine Minderheitsbeteiligung von 15 Prozent.
Österreich verfolgt eigenen Sanierungsweg
Auch die österreichische Hellweg-Gesellschaft befindet sich in einem Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Sie betreibt sechs Märkte mit rund 165 Beschäftigten. Für die Gläubiger ist eine Quote von 30 Prozent vorgesehen, über den Sanierungsplan soll im September abgestimmt werden.
Während in Österreich damit eine Fortführung der Gesellschaft angestrebt wird, läuft die Restrukturierung in Deutschland auf eine Aufteilung des Geschäfts hinaus. Wirtschaftlich tragfähige Filialen und zahlreiche Arbeitsplätze könnten erhalten bleiben, während Zentralorganisation und bisherige Konzernstruktur weitgehend verschwinden.
Aus der Sanierung einer Baumarktkette wird damit eine Marktbereinigung: Verschiedene Betreiber übernehmen Teile des Filialnetzes, mindestens 340 Arbeitsplätze in den Zentralen stehen vor dem Aus und die Zukunft der Marke Hellweg bleibt offen.






