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Hormus-Blockade hält Ölmarkt trotz schwacher Nachfrage unter Spannung

Oeltanker bei der EInfahrt in einen Hafen
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

Ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs passierte zuletzt die strategisch wichtige Meerenge. Neue Fördermengen könnten die Preise zwar wieder drücken, doch schwankende Transport- und Versicherungskosten sorgen nach Einschätzung weiterhin für erhebliche Unsicherheit.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Blockade der Straße von Hormus hat die Kräfteverhältnisse am globalen Ölmarkt vorübergehend außer Kraft gesetzt. Nach einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) traf der Ausfall wichtiger Transportmengen auf eine ohnehin schwache Nachfrage und ein wachsendes Angebot. Der Ölpreis sprang zeitweise auf mehr als 110 US-Dollar je Barrel. Ende 2025 hatte er noch unter 60 Dollar gelegen.

Hormus bleibt ein Nadelöhr für den Ölhandel

Durch die Meerenge wurden 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensate und Mineralölprodukte transportiert – etwa ein Fünftel des weltweiten Bedarfs. Besonders stark sind asiatische Abnehmer betroffen: Rund 84 Prozent der dort verschifften Rohöl- und Kondensatmengen gingen nach Asien.

Alternative Transportwege können Ausfälle nur teilweise kompensieren. Saudi-Arabien verfügt über eine Pipelinekapazität von etwa sieben Millionen Barrel täglich zum Roten Meer, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) können bis zu 1,8 Millionen Barrel nach Fujairah transportieren. Selbst nach einer politischen Einigung wäre daher keine sofortige Normalisierung zu erwarten. Minen müssten beseitigt, Tankerstaus aufgelöst und Sicherheitsgarantien geschaffen werden.

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Steigendes Angebot trifft auf gedämpften Verbrauch

Ohne die Blockade spräche die Marktlage laut DIW eher für niedrigere Preise. Die schwache Weltkonjunktur dämpft die Ölnachfrage, während gleichzeitig zusätzliche Mengen auf den Markt kommen. Vor allem Produzenten außerhalb der OPEC+ haben ihre Förderung und Exporte ausgebaut.

Die OPEC+ hatte während der Corona-Pandemie ihre Produktion drastisch reduziert und anschließend weitere Kürzungen beschlossen. Seit 2025 werden diese Einschränkungen schrittweise zurückgenommen. Zugleich haben die USA, Kanada, Brasilien und Guyana Marktanteile gewonnen. Der Anteil der OPEC-Kernländer und weiterer OPEC+-Staaten an den weltweiten Rohölexporten sank von 71 Prozent im Jahr 2019 auf 63 Prozent 2025.

Austritt der VAE schwächt die OPEC

Zusätzlichen Druck erzeugen unterschiedliche Interessen innerhalb der Förderländer. Die VAE verließen im Mai 2026 die OPEC und wollen ihre Produktion erhöhen. Für das Kartell ist das besonders relevant, weil das Land nach Saudi-Arabien über eine der größten kurzfristig aktivierbaren Förderreserven verfügt.

Auch der Irak strebt höhere Fördermengen an. Russland hat vereinbarte Produktionsgrenzen wiederholt überschritten, während Saudi-Arabien seine Marktposition verteidigen muss. Für asiatische Kunden kündigte das Königreich für August 2026 einen außergewöhnlich hohen Preisabschlag an. Das DIW sieht darin ein Zeichen für den verschärften Wettbewerb um Marktanteile.

Transport- und Versicherungskosten erhöhen die Volatilität

Selbst bei ausreichender Förderung bleiben geopolitische Risiken ein bedeutender Preistreiber. Versicherer haben Kriegsdeckungen teilweise gekündigt oder die Prämien erheblich angehoben. Dadurch kann der Transport von verfügbarem Öl zeitweise unwirtschaftlich werden. Zusätzliche Umwege, etwa um das Kap der Guten Hoffnung, verlängern Transportzeiten und verteuern Lieferungen weiter.

Eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus könnte die akute Knappheit reduzieren. Dann dürfte die Kombination aus steigender Produktion und schwacher Nachfrage wieder stärker auf die Preise drücken. Eine schnelle Rückkehr zu stabilen Marktbedingungen erwartet das DIW jedoch nicht.

Europa bleibt über den Weltmarkt verwundbar

Für Europa zeigt die Krise nach Einschätzung des Instituts, dass auch breit gestreute Bezugsquellen keinen Schutz vor globalen Preisschocks bieten. Deutschland importiert zwar nur einen kleinen Teil seines Rohöls unmittelbar aus der Golfregion, ist aber über den Weltmarktpreis dennoch betroffen.

Strategische Reserven können kurzfristige Lieferausfälle abfedern, größere Störungen jedoch nicht dauerhaft ersetzen. Das DIW empfiehlt deshalb eine international koordinierte Nutzung dieser Bestände. Als langfristig wirksamste Absicherung für Europa sieht das Institut eine beschleunigte Verringerung des Ölverbrauchs und damit eine geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

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