Der Aufsichtsrat der Hugo Boss AG hat sich klar hinter den Vorstandsvorsitzenden Daniel Grieder gestellt. Nachdem ein Bericht der österreichischen Kronen Zeitung vor 10 Tagen schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit einer möglichen Verletzung insiderrechtlicher Vorschriften erhoben hatten, entkräftete das Gremium diese nach intensiver Prüfung.
Vorwürfe im Kontext eines geplatzten Plans
Die Berichte drehten sich um die mutmaßliche Planung einer sogenannten „Fashion Investment Group“, die im Jahr 2023 im Zuge der Turbulenzen um das Signa-Imperium von René Benko erarbeitet worden sein soll. Auch Retail-News hatte über den Sachverhalt berichtet.
Die Idee: Grieder und Benko wollten laut Kronen Zeitung durch gezielte Aktienkäufe und Beteiligungen die Position von Hugo Boss sowie weiterer Luxusmarken weltweit stärken. Die Krone hatten eine vertrauliche E-Mail aus dem Jahr 2023 zitiert, die angeblich von Grieder an Benko gesendet worden war und Details zu Strategien und geplanten Schritten enthalten sollte.
Besonders brisant: Der Bericht stellte die Frage, ob Grieder Benko womöglich vorab über die positive Entwicklung des Aktienkurses von Hugo Boss nach dem Investoren-Tag im Juni 2023 informiert haben könnte. Ein solches Vorgehen hätte möglicherweise rechtliche Konsequenzen gehabt.
Untersuchung und rechtliche Analyse
Um die Anschuldigungen aufzuklären, hat der Aufsichtsrat von Hugo Boss in seinen Sitzungen am 28. November und 4. Dezember 2024 umfassend beraten. Hinzugezogen wurde eine externe rechtliche Analyse, die die Vorwürfe eingehend prüfte. Diese kam zu dem Ergebnis, dass kein insiderrechtlicher Verstoß vorliegt. Laut Aufsichtsrat hätten die erhobenen Anschuldigungen keine Grundlage.
In einer offiziellen Mitteilung betonte das Gremium daher, dass das Vertrauen in die Führungsarbeit von Daniel Grieder ungebrochen sei. „Auf Basis der vorliegenden Informationen und der externen Prüfung sieht der Aufsichtsrat keinen Anlass, an der Integrität oder Professionalität des Vorstandsvorsitzenden zu zweifeln“, heißt es in der Stellungnahme.
Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Bereits zuvor hatte Hugo Boss klargestellt, dass die Pläne für die „Fashion Investment Group“ nicht über erste Überlegungen hinausgegangen seien. Diese seien damals transparent und unter Einbindung aller relevanten Stellen diskutiert worden. In keiner Phase habe es „geheime Pläne“ gegeben, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber Retail-News.
Mit der Entscheidung des Aufsichtsrats wird deutlich, dass Hugo Boss die Situation als geklärt ansieht. Gleichwohl hat der Vorfall mediales Interesse geweckt und eine Debatte über die Rolle von Führungskräften in börsennotierten Unternehmen sowie über den Umgang mit vertraulichen Informationen ausgelöst.
Offen bleibt: Warum solche Gedanken im Signa-Kollaps-Jahr?
Dass zu den angedachten „Plänen“, die durch Hugo Boss nicht dementiert wurden, keine inhaltliche Äußerung stattgefunden haben, verwundert nicht – hinterlässt aber deshalb auch Fragezeichen. Es ist mindestens verwunderlich, dass solche Gedanken in einem Jahr stattgefunden haben, in dem nur wenige Monate später das komplette Signa-Imperium erodiert.
Der nur drei Monate nach diesen „Gedanken“ beginnende Kollaps des Firmenimperiums von René Benko hat zur bislang größten Insolvenzwelle geführt, die jemals in Deutschland und Österreich im Einzelhandel stattgefunden hat. Der Zeitpunkt der Gedanken einer neuen Investment-Gruppe darf also zumindest aus Perspektive René Benko stark verwundern.
Fazit: Insidervorwürfe sind ein „heikles Eisen“
Die Aktie des Metzinger Unternehmens sackte nach dem Wochenende der Erstveröffentlichung der Krone ab, hat sich aber seit wenigen Tagen erholt und wieder auf das Niveau vor den Berichten eingependelt. Der Fall zeigt neben den Fragezeichen letztlich exemplarisch, wie sensibel das Thema Insiderwissen und Unternehmensführung ist.