Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleibt auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Nach aktuellen Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden im Juli 2026 insgesamt 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Gegenüber dem Vormonat entspricht das einem leichten Rückgang von einem Prozent, im Vergleich zum Juli 2025 liegt die Zahl jedoch um sieben Prozent höher. Gegenüber dem durchschnittlichen Juli der Jahre vor der Corona-Pandemie ergibt sich sogar ein Plus von 75 Prozent.
Frühindikatoren sprechen für anhaltend hohe Insolvenzzahlen
Besonders aufmerksam verfolgen die Forscher die Frühindikatoren des IWH, die das Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorwegnehmen. Nachdem sich diese bereits im Mai und Juni auf hohem Niveau bewegten, erreichten sie im Juli einen neuen Höchststand und lagen sogar leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Vorjahr.
Nach Einschätzung des IWH deutet dies darauf hin, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch in den kommenden Monaten außergewöhnlich hoch bleiben dürfte.
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Dienstleistungsbranchen besonders betroffen
Innerhalb der Branchen verzeichneten die unternehmensnahen Dienstleistungen sowie der Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen im Juli die höchsten Insolvenzzahlen seit Beginn der IWH-Auswertungen im Jahr 2020. Deutlich niedriger als üblich fiel dagegen die Zahl der Insolvenzen im Gastgewerbe aus.
Mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen
Von den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Juli mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Das entspricht zwar einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber Juni, liegt jedoch weiterhin 26 Prozent über dem Vorjahreswert und 47 Prozent über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre.
Besonders in der Industrie waren erneut viele Beschäftigte von Großinsolvenzen betroffen. Die Zahl blieb allerdings unter den Spitzenwerten zum Jahreswechsel 2024/2025.
Marktbereinigung setzt sich fort
Nach Einschätzung des IWH sind vor allem kleinere Unternehmen zunehmend von der langanhaltenden wirtschaftlichen Schwäche betroffen. Viele Betriebe hätten ihre finanziellen Reserven inzwischen weitgehend aufgebraucht. Die anhaltend hohe Zahl der Insolvenzen spreche dafür, dass der wirtschaftliche Anpassungsprozess noch nicht abgeschlossen sei.
Der IWH-Insolvenztrend gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren für das Insolvenzgeschehen in Deutschland. Die monatlichen Auswertungen basieren auf den Bekanntmachungen der Registergerichte und liefern deutlich früher belastbare Einschätzungen als die amtliche Insolvenzstatistik.






