NVIDIA will Hugging Face für insgesamt rund 12,93 Milliarden US-Dollar übernehmen und damit seinen Einfluss auf die KI-Wertschöpfungskette weiter ausbauen. Der Konzern hat eine definitive Vereinbarung zum Kauf der Entwicklerplattform geschlossen, die sich zu einer zentralen Anlaufstelle für offene KI-Modelle, Datensätze und Anwendungen entwickelt hat.
Rund 11,9 Milliarden Dollar sollen an die Anteilseigner fließen, hinzu kommt ein aktienbasiertes Mitarbeiterbindungsprogramm von bis zu etwa einer Milliarde Dollar. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.
NVIDIA sichert sich Zugang zu 18 Millionen Entwicklern
Der strategische Wert von Hugging Face, das jüngst mit dem Sicherheitsvorfall von OpenAI auch über Entwicklerkreise hinaus Bekanntschaft erlangt hatte, liegt vor allem in seinem Ökosystem. Nach Angaben von NVIDIA nutzen mehr als 18 Millionen Entwickler, Forscher und weitere Anwender die Plattform. Dort werden inzwischen über drei Millionen Modelle, rund 500.000 Datensätze und etwa eine Million Anwendungen angeboten.
Mehr als 200.000 Unternehmen sollen Hugging Face nutzen, um Modelle zu finden, zu testen, anzupassen und produktiv einzusetzen. Für NVIDIA entsteht damit ein direkterer Zugang zu jener Entwicklergemeinschaft, die maßgeblich über Modelle, Softwarewerkzeuge und die zugrunde liegende Infrastruktur entscheidet.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kaufpreis liegt deutlich über Bewertung von 2023
Hugging Face wurde bei einer Finanzierungsrunde im August 2023 noch mit rund 4,5 Milliarden Dollar bewertet. Damals investierten unter anderem Salesforce, Google, Amazon, NVIDIA, Intel, AMD, Qualcomm und IBM in das Unternehmen.
Der vereinbarte Übernahmewert liegt damit fast dreimal so hoch. NVIDIA zahlt den Aufschlag vor allem für die strategische Stellung der Plattform und ihre Netzwerkeffekte innerhalb der Open-Model-Community.
Offenheit wird zur entscheidenden Frage
Die Übernahme schafft zugleich einen möglichen Interessenkonflikt. Hugging Face konnte seine Stellung auch deshalb ausbauen, weil die Plattform als weitgehend neutral gegenüber Modellanbietern, Cloudplattformen und unterschiedlichen Hardwarearchitekturen gilt.
NVIDIA verspricht, diese Offenheit beizubehalten. Entwickler sollen weiterhin frei zwischen Modellen, Frameworks, Clouds, Inference-Diensten und Computing-Plattformen wählen können. NVIDIA-Hardware soll keine Voraussetzung für die Nutzung von Hugging Face werden. Ob die Community dieses Versprechen langfristig als glaubwürdig bewertet, dürfte für den Erfolg der Transaktion entscheidend sein.
NVIDIA baut Full-Stack-Strategie weiter aus
Mit der Akquisition würde NVIDIA eine weitere Ebene des KI-Ökosystems kontrollieren. Neben seinen dominierenden KI-Beschleunigern verfügt der Konzern mit CUDA bereits über eine wichtige Softwareschicht und bietet zudem Netzwerktechnik, Serversysteme, Bibliotheken, Entwicklungswerkzeuge und eigene Modelle an.
Hugging Face ergänzt dieses Portfolio auf der Entwickler- und Distributionsebene. Gerade offene Modelle sind für NVIDIA strategisch interessant, weil Infrastrukturentscheidungen dort auf zahlreiche Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Entwickler verteilt sind und nicht allein bei den Betreibern geschlossener KI-Plattformen liegen.
Größte vollzogene Übernahme von NVIDIA möglich
Bei erfolgreichem Abschluss würde der Hugging-Face-Kauf NVIDIAs bisherige klassische Akquisitionen deutlich übertreffen. Die Übernahme von Mellanox hatte einen Wert von rund sieben Milliarden Dollar. Der geplante Kauf des Chipdesigners Arm für etwa 40 Milliarden Dollar scheiterte dagegen am regulatorischen Widerstand.
Auch bei Hugging Face dürften die Wettbewerbshüter genau prüfen, wie sich die Kombination aus NVIDIAs starker Stellung bei KI-Beschleunigern und einer zentralen Plattform für offene KI-Entwicklung auf den Markt auswirkt. Entscheidend wird insbesondere sein, ob konkurrierende Hardware- und Modellanbieter künftig weiterhin gleichberechtigten Zugang erhalten.


