Die globale Konjunktur hat sich im ersten Halbjahr 2025 robuster gezeigt als erwartet. Vor allem Schwellenländer, aber auch die USA trugen zur positiven Entwicklung bei – während Deutschland Schlusslicht bleibt. Laut OECD wurde die Industrieproduktion durch vorgezogene Aktivitäten im Vorfeld steigender Zölle befeuert. Dennoch warnt die Organisation in ihrem aktuellen Bericht vor wachsenden Risiken für das weltwirtschaftliche Wachstum.
USA treiben Zölle in historische Höhen
Seit Mai 2025 haben die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump ihre Importzölle deutlich ausgeweitet. Zum Stichtag Ende August lag der effektive durchschnittliche Zollsatz bei 19,5 Prozent – so hoch wie zuletzt in den 1930er-Jahren. Die vollen Effekte dieser Maßnahmen zeigen sich laut OECD bislang nur teilweise: Unternehmen kompensieren manche Mehrkosten über Gewinnmargen, Konsumentenverhalten und Arbeitsmärkte beginnen sich jedoch bereits zu verändern.
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Inflation stagniert, Arbeitsmärkte kühlen ab
In vielen Volkswirtschaften der G20 sinken Wachstums- und Inflationsdynamik. Die Gesamtinflation soll von 3,4 Prozent im Jahr 2025 auf 2,9 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen. Kerninflation bleibt dagegen hartnäckig, insbesondere bei Dienstleistungen. Gleichzeitig zeigen sich erste Schwächen an den Arbeitsmärkten: In mehreren Ländern steigen die Arbeitslosenzahlen bei gleichzeitig sinkender Zahl offener Stellen – darunter auch Deutschland.
Deutschland bleibt Schlusslicht im OECD-Vergleich
Während die OECD die Prognose für das globale Wachstum 2025 um 0,3 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent anhob, wurde der Ausblick für Deutschland gesenkt. Die deutsche Wirtschaft soll in diesem Jahr lediglich um 0,3 Prozent wachsen – ein Minus von 0,1 Prozentpunkten gegenüber der letzten Schätzung. Erst 2026 wird mit einer Erholung gerechnet. Besondere Sorge bereitet der OECD der Rückgang der Industrieproduktion, den sie neben Deutschland auch in Südkorea und Brasilien beobachtet.
Handelskonflikte und KI als zentrale Einflussfaktoren
Die Prognose steht laut OECD unter dem Vorbehalt zahlreicher Risiken: Weitere Handelskonflikte, fiskalische Unsicherheiten und schwankende Krypto-Märkte könnten das Wachstum zusätzlich belasten. Umgekehrt könnten ein Abbau von Handelshemmnissen oder technologische Fortschritte – insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz – positive Impulse liefern.
OECD ruft zu klarer Politik auf
Die Organisation fordert eine vorausschauende Handelspolitik und stärkere Strukturreformen. Fiskalpolitisch sei Haushaltsdisziplin nötig, um langfristige Handlungsfähigkeit zu sichern. In der Geldpolitik sollten Notenbanken flexibel auf sich verändernde Inflationsrisiken reagieren, ohne ihre Unabhängigkeit zu gefährden. Ziel sei es, Preisstabilität zu gewährleisten und Wachstum zu ermöglichen – auch in einem herausfordernden globalen Umfeld.


