Der schwer kriselnde US-Luxuswarenhändler Saks Global Enterprises steht vor einer weitreichenden Restrukturierung. Medienberichten zufolge laufen derzeit Gespräche über ein Finanzpaket im Volumen von rund einer Milliarde US-Dollar, das dem angeschlagenen Unternehmen durch eine drohende Chapter-11-Insolvenz helfen soll. Eine Einreichung des entsprechenden Insolvenzantrags wird in den kommenden Wochen erwartet.
Ausgebliebene Zinszahlung setzt Unternehmen unter Druck
Auslöser der finanziellen Turbulenzen ist eine verpasste Zinszahlung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar (rund 92 Millionen Euro), die Ende Dezember fällig gewesen wäre. Seitdem verhandelt Saks Global mit seinen Gläubigern über eine sogenannte Forbearance-Vereinbarung. Diese soll eine kurzfristige Aussetzung von Vollstreckungsmaßnahmen ermöglichen und Zeit für eine Lösung auf struktureller und finanzieller Ebene schaffen.
Die Gespräche gelten als komplex, da neben akuten Liquiditätsproblemen auch die langfristige Kapitalstruktur überarbeitet werden muss. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens blieb bislang aus.
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Rettungsplan durch DIP-Finanzierung und Führungswechsel
Zentraler Bestandteil der aktuellen Überlegungen ist eine Debtor-in-Possession-(DIP)-Finanzierung, wie sie im US-Insolvenzrecht häufig zur Fortführung des Geschäftsbetriebs genutzt wird. Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll die angestrebte Finanzierung mindestens 750 Millionen US-Dollar (rund 690 Millionen Euro) frisches Kapital enthalten. Zusätzlich ist ein sogenannter Roll-up bestehender Schulden geplant, bei dem Altforderungen in vorrangig besicherte Kredite umgewandelt werden. Das Gesamtvolumen könnte so auf etwa eine Milliarde US-Dollar ansteigen.
Parallel dazu kam es Anfang des Monats zu einem überraschenden Wechsel an der Unternehmensspitze: CEO Marc Metrick trat zurück, Nachfolger ist der Galeria-Miteigentümer Richard Baker. Branchenkenner werten diesen Schritt als strategische Maßnahme, um die Verhandlungen mit Gläubigern voranzutreiben und die operative Ausrichtung neu zu definieren.
US-Luxushandel in der Krise
Der Fall Saks Global steht beispielhaft für die strukturellen Herausforderungen im stationären Luxuseinzelhandel. Steigende Betriebskosten, ein verändertes Konsumverhalten sowie die wachsende Bedeutung des Onlinehandels setzen selbst etablierte Anbieter unter Druck. Hinzu kommt ein verschärftes Finanzierungsumfeld infolge gestiegener Zinsen, das die Refinanzierung erschwert.
Ob die geplante DIP-Finanzierung reicht, um Saks Global langfristig zu stabilisieren, hängt maßgeblich vom Entgegenkommen der Gläubiger sowie vom Tempo der Restrukturierung ab. Das Chapter-11-Verfahren bietet zwar grundsätzlich die Möglichkeit einer Sanierung, verlangt jedoch klare strategische Entscheidungen und zügige Umsetzung.


