Die finanzielle Lage vieler Menschen in Deutschland bleibt angespannt. Laut einer aktuellen Umfrage der SCHUFA konnten so viele Verbraucher wie noch nie seit 2020 ihre Miete oder Kreditraten nicht rechtzeitig begleichen. Jeder Zehnte musste entsprechende Zahlungen in den letzten sechs Monaten vorübergehend aussetzen – besonders betroffen sind Geringverdiener und junge Erwachsene.
Immer mehr Zahlungsausfälle bei Ratenkäufen
Vor allem die Nutzung von Buy-Now-Pay-Later-Angeboten (BNPL) nimmt zu – und mit ihr auch die Zahl der Zahlungsausfälle. 33 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten mindestens einmal auf BNPL zurückgegriffen. Während die einfache Abwicklung und bessere Planung als Vorteile gesehen werden, warnt die Mehrheit der Nutzer auch vor den Risiken: 63 Prozent halten BNPL für einen Kostenfallen-Magneten, 59 Prozent für eine mögliche Schuldenfalle.
Inzwischen berichten 44 Prozent der Nutzer, innerhalb eines halben Jahres mindestens einmal eine Frist versäumt und Mahngebühren gezahlt zu haben – doppelt so viele wie noch im Oktober 2024. Die Hälfte aller BNPL-Nutzer hat schon einmal Zahlungserinnerungen nicht begleichen können, elf Prozent mehrfach.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zukunftsängste auf konstant hohem Niveau
64 Prozent der Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft. Jeder Vierte zieht in Erwägung, einen Kredit aufzunehmen, sollte das Leben noch teurer werden – insbesondere bei steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel. Nur knapp ein Viertel der Befragten glaubt, ausreichend Rücklagen zu haben, um den Preisdruck auszugleichen. 18 Prozent haben ihre Reserven bereits aufgebraucht, 23 Prozent besitzen überhaupt keine.
Kredite und Dispokredite nehmen zu
Auch klassische Verschuldungstendenzen steigen. 17 Prozent haben innerhalb von sechs Monaten einen Kredit aufgenommen – gegenüber 11 Prozent im Oktober 2024. Jeder Dritte hat Zahlungen hinausgezögert, jeder Vierte sein Konto überzogen. Besonders auffällig ist das Verhalten junger Menschen: In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen berichten 26 Prozent von ausgesetzten Mieten oder Raten, 45 Prozent haben Zahlungen hinausgezögert, 36 Prozent waren im Minus.
Zahl der Erstmeldungen bei Zahlungsausfällen wächst
Auch die internen SCHUFA-Daten bestätigen den Trend. Die Zahl der Personen, zu denen erstmals eine Zahlungsstörung gemeldet wurde, liegt im Jahresdurchschnitt der ersten drei Quartale 2025 um 13 Prozent höher als im Vorjahr. Das bedeutet: Immer mehr Menschen können Rechnungen oder Kredite auch nach mehrfachen Mahnungen nicht mehr bedienen.
SCHUFA-Vorstandschefin Tanja Birkholz fordert deshalb eine verantwortungsvolle Regulierung von BNPL-Produkten. Die neue Verbraucherkreditrichtlinie der Bundesregierung sei ein richtiger Schritt, um Verbraucher vor Überforderung zu schützen und zugleich moderne Zahlungsformen sicher nutzbar zu machen.


