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Shein gegen Temu: Rechtsstreit um Urheberrechte eskaliert vor Londoner Gericht

Die Apps Temu und Shein auf einem Smartphone dargestellt
Foto: Shutterstock / Ascannio

Key takeaways

Vor dem High Court in London werfen sich Shein und Temu gegenseitig Urheberrechtsverletzungen und Wettbewerbsbehinderung vor. Im Zentrum stehen tausende Produktbilder sowie Exklusivitätsvereinbarungen mit Lieferanten.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Ein aufsehenerregender Prozess vor dem High Court in London verschärft den Konflikt zwischen zwei Giganten des Online-Handels. Shein wirft Temu vor, in großem Stil urheberrechtlich geschützte Produktfotos genutzt zu haben, um Nachahmungen eigener Designs zu bewerben. Temu weist die Vorwürfe zurück – und kontert mit dem Vorwurf wettbewerbswidriger Marktabschottung.

Der Fall, der vor dem High Court of Justice in London verhandelt wird, gilt als weiterer Höhepunkt einer eskalierenden juristischen Auseinandersetzung zwischen zwei der am schnellsten wachsenden Plattformen im globalen Onlinehandel. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für Plattformpraktiken, Lieferantenbeziehungen und die Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte im internationalen E-Commerce haben.

Vorwurf systematischer Bildnutzung

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, stehen laut Shein rund 2.300 Produktfotografien im Zentrum des Verfahrens, die von eigenen Mitarbeitern erstellt worden seien. Diese Bilder habe Temu ohne Zustimmung verwendet, um auf seiner Plattform Produkte zu bewerben, die Shein-Designs nachempfunden seien.

Sheins Rechtsvertreter sprach von Urheberrechtsverletzungen „im industriellen Maßstab“ und warf Temu vor, sich an die Marktposition des etablierten Wettbewerbers „anzuhängen“, um schneller Reichweite und Vertrauen bei Konsumenten aufzubauen.

Besonders brisant: Nach Angaben von Shein soll Temu seine Verteidigung in Bezug auf einen Großteil dieser konkreten Bildvorwürfe inzwischen fallengelassen haben. Der juristische Fokus verlagert sich damit stärker auf Schadensersatz- und Wettbewerbsfragen sowie auf die grundsätzliche Bewertung der Plattformpraxis.

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Temu erhebt Gegenvorwürfe

Temu – eine Tochter der an der Nasdaq notierten PDD Holdings – weist die Anschuldigungen zurück und sieht in der Klage ein strategisches Instrument zur Wettbewerbsbehinderung.

Im Gegenzug fordert Temu Schadensersatz, nachdem das Unternehmen infolge einer einstweiligen Verfügung tausende Produktangebote von seiner Plattform entfernen musste. Darüber hinaus erhebt Temu wettbewerbsrechtliche Vorwürfe gegen Shein: Der Fast-Fashion-Anbieter soll Lieferanten über Exklusivitätsvereinbarungen an sich gebunden und damit den Marktzugang für Wettbewerber erschwert haben.

Dieser Teil des Verfahrens soll erst im kommenden Jahr verhandelt werden – ein Hinweis darauf, dass der Konflikt noch lange nicht beendet ist.

Globale Rivalität mit regulatorischer Sprengkraft

Der Londoner Prozess ist nur ein Teil einer umfassenderen juristischen Auseinandersetzung. Beide Unternehmen haben sich bereits in den USA gegenseitig verklagt. Die Konflikte spiegeln nicht nur den harten Wettbewerb um Marktanteile wider, sondern auch strukturelle Spannungen innerhalb des Ultra-Fast-Fashion-Modells.

Sowohl Shein als auch Temu basieren auf datengetriebenen Lieferketten, aggressiver Preissetzung und extrem hoher Produktrotation. Während Shein traditionell stärker vertikal integriert arbeitet, setzt Temu stärker auf ein Marktplatzmodell mit Drittanbietern.

Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Prüfungen in Europa und den USA – etwa zu Produktsicherheit, Transparenzpflichten und Wettbewerbsfragen – erhält der Urheberrechtsstreit zusätzliche Brisanz. Ein mögliches Grundsatzurteil könnte klären, in welchem Umfang Plattformbetreiber für Bildmaterial und Angebotsdarstellungen verantwortlich gemacht werden können.

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