Der chinesische Handels- und Technologiekonzern JD.com ist mit Umsatzwachstum, aber deutlich rückläufigen Gewinnen in das Geschäftsjahr 2026 gestartet. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 4,9 Prozent auf 315,7 Milliarden Renminbi. Gleichzeitig belasteten hohe Investitionen in neue Geschäftsbereiche, Technologie und Marketing die Profitabilität.
JD.com setzt weiterhin stark auf den Ausbau seiner Logistik-, Plattform- und KI-Infrastruktur sowie auf internationale Expansion. Besonders das neue Europageschäft und der Ausbau von Lieferdiensten stehen dabei im Fokus.
Retail-Geschäft bleibt zentraler Ergebnistreiber
Die Einzelhandelssparte JD Retail entwickelte sich im ersten Quartal erneut stabil und steigerte ihr operatives Ergebnis deutlich auf 15 Milliarden Renminbi. Die operative Marge verbesserte sich von 4,9 auf 5,6 Prozent.
Nach Angaben des Unternehmens profitierten insbesondere margenstarke Geschäftsbereiche wie Marktplatz- und Marketingservices von einer robusten Nachfrage. Gleichzeitig erreichte die Zahl der aktiven Kunden einen neuen Höchststand.
JD.com baute zudem die Zusammenarbeit mit großen Haushaltsgeräteherstellern wie Midea, Haier, Hisense und TCL weiter aus. Ziel ist eine stärkere Verzahnung von Produktentwicklung, Vertrieb und Serviceangeboten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Investitionen drücken auf Gewinnentwicklung
Trotz steigender Umsätze sank der Nettogewinn deutlich. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn halbierte sich nahezu auf 5,1 Milliarden Renminbi. Auch das operative Ergebnis und die EBITDA-Marge gingen zurück.
Hauptursache sind umfangreiche Investitionen in neue Geschäftsbereiche sowie steigende Ausgaben für Marketing, Technologie und Logistik. Die Marketingkosten legten im Jahresvergleich um fast 46 Prozent zu, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben sogar um knapp 49 Prozent.
JD.com investiert derzeit massiv in neue Plattformangebote, künstliche Intelligenz und Lieferdienste. Hinzu kamen höhere Kosten für den Ausbau der Liefer- und Fulfillment-Infrastruktur sowie regulatorische Belastungen in China.
Lieferdienste und Europa-Expansion im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit richtet JD.com auf das Wachstum seines Lieferdienstgeschäfts JD Food Delivery. Das Unternehmen berichtet von verbesserten operativen Kennzahlen und sinkenden Verlusten im Vergleich zum Vorquartal.
Gleichzeitig sollen Synergien zwischen Lieferdiensten und dem klassischen Handelsgeschäft verstärkt werden. Dazu zählen zusätzliche Nutzeraktivitäten, häufigere Bestellungen und mehr kanalübergreifende Einkäufe.
Auch international treibt JD.com seine Expansion voran. Im März startete das Unternehmen mit „Joybuy“ offiziell sein Onlinehandelsgeschäft in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande.
Unterstützt wird die Expansion durch den eigenen Logistikdienst JoyExpress, der schnelle Lieferzeiten nach chinesischem Vorbild ermöglichen soll.
Technologie und KI bleiben strategische Schwerpunkte
JD.com investiert weiterhin intensiv in Automatisierung und intelligente Logistiksysteme. Im ersten Quartal präsentierte die Tochter JD Logistics eine neue Generation ihres robotergestützten Paketsortiersystems „LangzuTech Packer“.
Zudem erweitert JD Health sein Angebot neuer Medikamente und baut Kooperationen mit internationalen Pharmaunternehmen aus. Auch die Industriesparte JD Industrials investiert weiter in digitale Beschaffungslösungen und industrielle Lieferketten.
Parallel setzte JD.com sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm fort. Im ersten Quartal kaufte der Konzern eigene Aktien im Wert von 631 Millionen US-Dollar zurück.
Trotz sinkender Gewinne sieht sich JD.com dank wachsender Kundenzahlen, stabiler Einzelhandelssparte und zunehmender Investitionen in neue Geschäftsfelder strategisch gut positioniert.



