Polens Wettbewerbsbehörde UOKiK hat gegen die Onlinehändler Zalando und Temu Bußgelder in Höhe von insgesamt knapp 37 Millionen Złoty (rund 9 Millionen Euro) verhängt. Der Grund: Irreführende Angaben zu Rabatten und fehlende Preistransparenz gemäß den EU-Vorgaben der Omnibus-Richtlinie.
Hintergrund: Die Anforderungen der Omnibus-Richtlinie
Seit 2023 müssen Händler in der EU bei Preisnachlässen den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage ausweisen. Diese Regel soll verhindern, dass Verbraucher durch künstlich überhöhte Ausgangspreise getäuscht werden, um Rabatte größer erscheinen zu lassen als sie tatsächlich sind. Polen hat die Richtlinie in nationales Recht überführt – mit klaren Konsequenzen für Unternehmen, die sich nicht daran halten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zalando: Manipulierte Vergleichspreise und fehlende Transparenz
Bei Zalando stellte die Behörde fest, dass in der polnischen Version des Shops lange Zeit der vorgeschriebene Referenzpreis fehlte oder unvollständig angegeben wurde. Selbst nachdem der Preis ergänzt wurde, zeigte Zalando laut UOKiK Werte an, die Rabatte attraktiver erscheinen ließen, obwohl sich der tatsächliche Verkaufspreis nicht änderte. Zudem wurden Rabattangaben auf unklare „reguläre“ oder „Startpreise“ bezogen, statt auf den gesetzlich geforderten 30-Tage-Tiefstpreis. Für diese Verstöße muss Zalando SE nun 30,945 Millionen Złoty zahlen. Das Unternehmen kann gegen die Entscheidung vor Gericht vorgehen.
Temu: Uneinheitliche Angaben und Plattform-Probleme
Auch Temu fiel durch inkonsistente Preisdarstellungen auf: Zwischen Website, App und einzelnen Produktvarianten fanden sich unterschiedliche oder gar keine Referenzpreise. Teilweise wurde der niedrigste Preis der letzten 30 Tage überhaupt nicht angezeigt oder war nicht korrekt. Die Betreiberfirma Whaleco Technology Limited, registriert in Irland, erhielt dafür eine Strafe von 5,91 Millionen Złoty. Auch hier ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Signalwirkung für den gesamten Onlinehandel
UOKiK macht mit diesen Maßnahmen deutlich, dass Preistransparenz im digitalen Handel keine Kür, sondern Pflicht ist. Wer gegen die Regelungen verstößt, riskiert empfindliche Sanktionen. Die Behörde kündigte an, weitere Unternehmen wie Media Markt, Sephora, Glovo und Shell Polska zu prüfen. Über 70 Unternehmen erhielten bereits sogenannte „weiche Warnungen“ mit der Aufforderung, ihre Preisdarstellungen freiwillig anzupassen.


