In der globalen Transport- und Logistikbranche bleiben Fusionen und Übernahmen auch in der ersten Jahreshälfte 2025 auf niedrigem Niveau. Laut dem aktuellen „Transport & Logistics Barometer“ von PwC Deutschland und Strategy& wurden weltweit nur 93 Transaktionen angekündigt – deutlich weniger als im Halbjahr zuvor (108). Auffällig ist jedoch ein Anstieg des Transaktionsvolumens auf 57,9 Milliarden US-Dollar (ca. 53,2 Mrd. Euro), was hauptsächlich auf elf sogenannte Megadeals mit einem Volumen von über einer Milliarde US-Dollar zurückzuführen ist.
Unsicherheiten dämpfen Transaktionsbereitschaft
Die Branche steht aktuell unter Druck: Geopolitische Spannungen, Risiken auf maritimen Handelsrouten, zunehmende Cyberbedrohungen und regulatorische Hürden bremsen das M&A-Geschehen deutlich aus. Besonders die unvorhersehbare Zollpolitik der USA unter Donald Trump sorgt für Zurückhaltung. Strategische Investoren ziehen sich spürbar zurück, da die Planbarkeit internationaler Engagements eingeschränkt ist.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Schifffahrt dominiert beim Volumen
Im Subsegment Logistics & Trucking gab es mit 42 Ankündigungen zwar die meisten Deals, doch das Volumen war mit 23 Prozent deutlich geringer als im Vorjahr. Dagegen wurden in der Schifffahrt 18 Transaktionen im Gesamtwert von 26,6 Milliarden US-Dollar (ca. 24,4 Mrd. Euro) registriert – ein klarer Spitzenwert. Trotz geringer Dealzahl nutzten große Reedereien die Chance zur strategischen Erweiterung durch gezielte Übernahmen kleinerer Logistikdienstleister.
Panamakanal-Deal als politisches Signal
Die größte Transaktion betraf den Panamakanal: Eine Investorengruppe um BlackRock plant, 90 Prozent der Anteile an der Panama Ports Authority für 19,21 Milliarden US-Dollar (ca. 17,6 Mrd. Euro) zu übernehmen. Angesichts Trumps Ambitionen, den Kanal wieder stärker unter US-Kontrolle zu bringen, ist diese Übernahme auch geopolitisch bedeutsam.
Finanzinvestoren übernehmen das Ruder
Finanzinvestoren dominierten das Geschehen: Sie waren an 61 Prozent der Transaktionen beteiligt und stellten mit 74 Prozent den Löwenanteil des Volumens. Strategische Käufer treten dagegen zurückhaltender auf – ein starker Kontrast zu 2024, als sie noch für die Mehrheit des Transaktionswerts verantwortlich waren.
Kooperation statt Übernahme
Stabil bleibt hingegen die Zahl strategischer Allianzen: Um den Transformationsdruck in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu bewältigen, setzen viele Unternehmen auf Joint Ventures und Partnerschaften. Besonders im Bereich alternativer Antriebe, Elektromobilität und autonomer Technologien wurden neue Kooperationsprojekte gestartet.
Gelegenheiten für entschlossene Investoren
In einem unsicheren Marktumfeld sind es vor allem kapitalstarke und risikobereite Unternehmen, die von Übernahmen profitieren können. Wer zügig handelt und passende Ziele identifiziert, kann sich strategisch neu positionieren – vorausgesetzt, die Investitionsstrategie ist anpassungsfähig genug, um mit den geopolitischen Realitäten Schritt zu halten.


