ANZEIGE

ANZEIGE

Strombedarf für KI und Cloud: Amazon investiert in Mini-Atomreaktoren

Kontrollzentum eines Atomkraftwerk von X Energy
Foto: X-energy

Key takeaways

➟ Amazon prüft mit X-energy und AEP den Bau von zwölf Mini-Atomreaktoren in Indiana. Die geplanten 960 Megawatt sollen Rechenzentren und Stromnetz versorgen sowie neue Arbeitsplätze schaffen.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Amazon treibt den Ausbau seiner Energieversorgung mit einem weiteren Kernkraftprojekt in den USA voran. Gemeinsam mit dem Reaktorentwickler X-energy und dem Energieversorger American Electric Power (AEP) prüft der Technologiekonzern den Bau von zwölf modularen Kleinreaktoren im Bundesstaat Indiana. Die geplante Anlage soll laut Amazon eine elektrische Gesamtleistung von 960 Megawatt erreichen und sowohl das regionale Stromnetz als auch Amazons Rechenzentren versorgen.

Zwölf Kleinreaktoren auf ehemaligem Kohlekraftwerksgelände

Als möglicher Standort ist das Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks Breed Generating Station im Sullivan County vorgesehen. Dort könnten zwölf Reaktoren des Typs Xe-100 entstehen, die jeweils eine elektrische Leistung von 80 Megawatt liefern sollen.

Amazon beteiligt sich an der Projektentwicklung und plant, nach einer möglichen Inbetriebnahme als erster Abnehmer Strom aus der Anlage zu beziehen. X-energy soll seine Reaktortechnologie einbringen, während AEP mit seiner Tochter Indiana Michigan Power über langjährige Erfahrung im Betrieb von Kernkraftwerken verfügt.

Die Vereinbarung dient zunächst der Prüfung des Vorhabens. Eine endgültige Investitionsentscheidung, ein Baubeginn oder ein Termin für die Inbetriebnahme wurden bislang nicht bekannt gegeben.

Anzeige

Amazon unaufhaltsam

von Brad Stone - Deutsche Ausgabe von »Amazon Unbound«
★★★★☆ 4,4 / 5 Sterne
Buch bei Amazon entdecken

Kernenergie soll steigenden Strombedarf von KI decken

Hintergrund der Initiative ist der wachsende Energiebedarf von Rechenzentren, insbesondere durch künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Amazon sucht deshalb bereits seit mehreren Jahren nach zusätzlichen Stromquellen, die unabhängig von Wetterbedingungen kontinuierlich Energie bereitstellen können.

Die geplanten Reaktoren sollen CO₂-arme Elektrizität für die regionale Versorgung und den Betrieb digitaler Infrastruktur erzeugen. Anders als Wind- und Solaranlagen können Kernkraftwerke grundsätzlich rund um die Uhr Strom produzieren.

Für Amazon ist das Projekt ein weiterer Bestandteil seiner langfristigen Energie- und Klimastrategie. Der Konzern strebt an, seine Netto-Treibhausgasemissionen bis 2040 auf null zu senken.

Xe-100-Reaktoren nutzen Helium und speziellen Kernbrennstoff

Die vorgesehenen Xe-100-Anlagen gehören zur Kategorie der Small Modular Reactors (SMR). Dabei handelt es sich um vergleichsweise kompakte Kernreaktoren, deren Bauweise eine schrittweise Erweiterung der Kraftwerkskapazität ermöglichen soll.

Das von X-energy entwickelte System arbeitet mit einem gasgekühlten Hochtemperaturreaktor, bei dem Helium als Kühlmittel eingesetzt wird. Als Brennstoff dient sogenannter TRISO-Brennstoff, dessen Uranpartikel von mehreren widerstandsfähigen Materialschichten umgeben sind.

Nach Angaben des Entwicklers soll die Kombination aus Reaktordesign und Brennstoff besondere passive Sicherheitseigenschaften bieten. Die Anlagen können zudem mit luft- oder wassergekühlten Systemen beziehungsweise einer Kombination beider Verfahren betrieben werden.

Amazon und X-energy planen mehr als fünf Gigawatt

Das Vorhaben in Indiana ist das zweite Projekt innerhalb einer umfassenderen Zusammenarbeit zwischen Amazon und X-energy. Beide Unternehmen verfolgen das Ziel, bis 2039 gemeinsam mit regionalen Energieversorgern mehr als fünf Gigawatt zusätzliche Kernkraftkapazität in den USA zu ermöglichen.

Bereits zuvor wurde mit der Cascade Advanced Energy Facility im Bundesstaat Washington ein entsprechendes Projekt angekündigt. Die neue Vereinbarung soll den Ausbau der geplanten Reaktortechnologie auf weitere Regionen übertragen.

Die Partnerschaft reicht bis ins Jahr 2024 zurück, als Amazon eine Finanzierungsrunde von X-energy anführte. Diese wurde schließlich mit einem Volumen von 700 Millionen US-Dollar abgeschlossen und soll unter anderem die Reaktorentwicklung, Genehmigungsverfahren und den Aufbau einer Brennstofffertigung in Tennessee unterstützen.

Mehr als 1.000 Arbeitsplätze während der Bauphase möglich

Das geplante Kraftwerk könnte nach Angaben der Projektpartner mehr als 1.000 Arbeitsplätze während der Errichtung schaffen. Für den späteren Betrieb werden über 100 dauerhafte Stellen in Aussicht gestellt.

Mit der Wiederverwendung eines früheren Kohlekraftwerksstandorts soll zugleich bestehende Energieinfrastruktur einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die zusätzliche Stromerzeugung könnte außerdem dazu beitragen, den steigenden Bedarf in der Versorgungsregion von AEP zu decken.

Amazon verweist in diesem Zusammenhang auf seine bisherigen Investitionen in CO₂-arme Energieprojekte in Indiana. Laut Unternehmensangaben trugen diese zwischen 2023 und 2025 rund 160 Millionen US-Dollar zur Wirtschaftsleistung des Bundesstaates bei und generierten mehr als elf Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen.

Amazon will zusätzliche Stromkosten selbst tragen

Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf den finanziellen Auswirkungen für andere Stromkunden. Amazon hat sich im Rahmen einer entsprechenden Initiative des Weißen Hauses verpflichtet, die vollständigen Stromversorgungskosten seiner Rechenzentren einschließlich notwendiger zusätzlicher Infrastruktur zu übernehmen.

Nach Angaben des Unternehmens sollen diese Ausgaben nicht auf private Haushalte oder andere gewerbliche Kunden übertragen werden. Amazon verweist dabei auf bestehende Vereinbarungen mit regionalen Energieversorgern und die Bedeutung großer Stromabnehmer für deren Einnahmen.

AEP hat nach Unternehmensangaben bereits Entlastungen für Haushaltskunden angekündigt. Dazu zählen eine geplante Senkung der jährlichen Stromkosten um 100 US-Dollar ab 2027 und eine anschließende dreijährige Stabilisierung der Tarife.

Umsetzung hängt von weiteren Entscheidungen ab

Mit dem Projekt in Indiana erweitert Amazon seine Aktivitäten im Bereich neuer Kernkrafttechnologien. Der Konzern verbindet damit die langfristige Versorgung seiner Rechenzentren mit dem Ziel, zusätzliche CO₂-arme Stromerzeugungskapazitäten aufzubauen.

Ob die zwölf geplanten Reaktoren tatsächlich entstehen, hängt von der weiteren Projektentwicklung und den erforderlichen Genehmigungen ab. Auch die Finanzierung des Gesamtvorhabens und ein verbindlicher Realisierungszeitplan sind bislang nicht veröffentlicht worden.

Must-read

ANZEIGE
JANGER E-Commerce
Wer als Shop-Betreiber, E-Commerce Manager oder Gründer einer E-Commerce-Marke erfolgreich werden möchte, muss drei grundsätzliche Faktoren, Verkaufspsychologie, Außendarstellung und Design sowie Nutzererlebnis, verinnerlichen.

Top-News

Sponsored

Sponsored