Obwohl digitale Zahlmethoden längst im Alltag angekommen sind, verweigern viele Händler und Dienstleister in Deutschland nach wie vor Kartenzahlung oder kontaktloses Bezahlen. Eine neue Initiative des Digitalverbands Bitkom will das ändern – mit einem gesetzlich verankerten Wahlrecht für Verbraucher.
Mehrheit der Deutschen fordert gesetzliche digitale Bezahloption
Laut einer repräsentativen Umfrage des Bitkom stört es drei Viertel der Bevölkerung, wenn ausschließlich Bargeld akzeptiert wird. Rund 70 Prozent sprechen sich daher für eine gesetzliche Verpflichtung aus, neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmethode anzubieten. Bereits heute nutzen 98 Prozent der Deutschen zumindest gelegentlich kontaktlose Zahlungsmethoden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Gesetzliche Regelung soll ins BGB und in Gewerbeordnung
Das im Positionspapier „Wahlfreiheit beim Bezahlen – ein Umsetzungsvorschlag“ dargelegte Modell sieht eine gesetzliche Pflicht für alle Händler, Dienstleister und Behörden vor, mindestens eine digitale Zahloption bereitzustellen. Diese Regelung soll technologieneutral ausgestaltet und in bestehende Gesetze wie das Bürgerliche Gesetzbuch und die Gewerbeordnung integriert werden. Ausnahmen könnten für kleine Betriebe, gemeinnützige Organisationen oder temporäre Märkte gelten, um sie nicht unangemessen zu belasten.
Steuerliche Anreize und Aufklärung als Begleitmaßnahmen
Bitkom schlägt ergänzend vor, steuerliche Anreize und gezielte Förderprogramme zu schaffen, um die Einführung digitaler Bezahlmöglichkeiten zu erleichtern. Darüber hinaus sei eine breit angelegte Aufklärungskampagne notwendig, um sowohl Händler als auch Verbraucher über Vorteile wie Komfort, Geschwindigkeit und Sicherheit digitaler Zahlungen zu informieren.
Mehrwert für Gesellschaft, Handel und Staat
Digitale Zahlungen steigern nicht nur den Komfort für Kunden, sondern auch die Effizienz und Transparenz im Zahlungsverkehr. Händler können von einer höheren Kundenbindung profitieren. Gleichzeitig wird durch digitale Transaktionen die Schattenwirtschaft eingedämmt, was zu steigenden Steuereinnahmen führen kann.
Blick ins Ausland: Belgien, Polen und Italien als Vorbilder
Das Bitkom-Papier verweist auf Beispiele aus Ländern wie Belgien, Polen und Italien, in denen digitale Zahlmethoden bereits verpflichtend eingeführt wurden – oftmals mit flankierenden Unterstützungsmaßnahmen für kleinere Unternehmen. Dort zeigt sich: Wahlfreiheit beim Bezahlen funktioniert in der Praxis und bringt messbare Vorteile.


