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Nach Versace-Verkauf: Capri rückt erneut ins Visier möglicher Käufer

Michael Kors Handtasche und Halstuch
Foto: Pexels

Key takeaways

➟ Nach Versace-Verkauf und massivem Schuldenabbau rückt Capri Holdings erneut ins Visier möglicher Käufer. Während Jimmy Choo wächst, bleibt der Turnaround von Michael Kors die zentrale Herausforderung für eine mögliche Transaktion.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Capri Holdings könnte vor einer grundlegenden strategischen Neuordnung stehen. Nach einem Bericht von WWD hat der US-Modekonzern Kontakt zu potenziellen Investoren aufgenommen, die grundsätzlich an einer Übernahme interessiert sein könnten. Die Gespräche befinden sich demnach noch in einem frühen und informellen Stadium, einige Interessenten sollen jedoch bereits detaillierteren Einblick in die Unternehmenszahlen erhalten haben. Capri selbst kommentierte die Spekulationen bislang nicht.

Nach dem gescheiterten Tapestry-Deal verändert sich die Ausgangslage

Noch 2023 hatte Tapestry angekündigt, Capri Holdings für rund 8,5 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Der Zusammenschluss mit dem Konzern hinter Coach und Kate Spade sollte einen größeren US-amerikanischen Modeverbund schaffen. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC stellte sich jedoch gegen die Transaktion und verwies unter anderem auf mögliche Einschränkungen des Wettbewerbs im sogenannten Accessible-Luxury-Segment. Im November 2024 wurde die Übernahme schließlich aufgegeben.

Seitdem hat Capri sein Portfolio und seine Bilanz deutlich verändert. Der wichtigste Schritt war der Verkauf von Versace an Prada, der am 2. Dezember 2025 abgeschlossen wurde. Der Kaufpreis belief sich auf 1,375 Milliarden US-Dollar in bar, vorbehaltlich üblicher Anpassungen. Einen Großteil der Erlöse wollte Capri zur Rückzahlung von Schulden einsetzen. Ende Juni 2026 lag die Nettoverschuldung nur noch bei 224 Millionen Dollar, nach rund 1,5 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

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Michael Kors bleibt Schlüsselmarke und Sanierungsaufgabe

Nach dem Versace-Verkauf besteht Capri im Wesentlichen aus Michael Kors und Jimmy Choo. Michael Kors bleibt dabei mit großem Abstand die wichtigste Marke des Konzerns und steht zugleich im Mittelpunkt des laufenden Turnarounds. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 sank der Umsatz der Marke um 7,1 Prozent auf 590 Millionen US-Dollar; währungsbereinigt betrug das Minus 7,6 Prozent.

Capri versucht, Michael Kors wieder stärker im Premiumsegment zu positionieren. Dazu gehören weniger Rabattaktionen, ein höherer Anteil regulär verkaufter Ware und eine stärkere Konzentration auf Produktinnovation und Markenprofil. Bei der Profitabilität zeigen sich erste Fortschritte: Die Bruttomarge von Michael Kors stieg im jüngsten Quartal von 61,1 auf 63,9 Prozent. Der Umsatzrückgang ist jedoch bislang nicht gestoppt.

Jimmy Choo entwickelt sich deutlich dynamischer

Deutlich positiver verlief das jüngste Quartal bei Jimmy Choo. Der Umsatz stieg um 10,5 Prozent auf 179 Millionen US-Dollar und legte währungsbereinigt um 9,3 Prozent zu. Gleichzeitig erhöhte sich das operative Ergebnis von vier auf 13 Millionen Dollar, während die operative Marge von 2,5 auf 7,3 Prozent stieg.

Auf Konzernebene erzielte Capri im ersten Quartal 769 Millionen Dollar Umsatz, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig hat sich die Bilanz nach dem Versace-Verkauf deutlich verbessert. Für potenzielle Käufer entsteht damit eine gemischte Ausgangslage: Jimmy Choo wächst, die Verschuldung ist stark gesunken und die Margen entwickeln sich in Teilen positiv, während Michael Kors weiterhin mit rückläufigen Erlösen kämpft.

Potenzielle Käufer prüfen offenbar die Bücher

Welche Investoren sich konkret mit Capri beschäftigen, ist bislang nicht bekannt. Laut WWD und weiteren Berichten haben jedoch zumindest einige potenzielle Käufer bereits einen näheren Blick auf die Finanzdaten des Unternehmens geworfen. Von einem formellen Verkaufsprozess oder einem konkreten Angebot ist bislang nicht die Rede, und eine kurzfristige Transaktion wird nach den vorliegenden Informationen nicht erwartet.

Als mögliche Käufergruppen gelten grundsätzlich Finanzinvestoren und Markenplattformen. Für Private Equity wäre vor allem die Frage entscheidend, ob sich der Turnaround von Michael Kors beschleunigen lässt. Brand-Management-Gesellschaften könnten dagegen stärker auf die internationale Bekanntheit, das Lizenzpotenzial und das bestehende Vertriebsnetz der Marken blicken. Entscheidend bleibt, welchen Wert Interessenten Michael Kors trotz der aktuellen Umsatzschwäche beimessen.

Capri steht vor einer neuen strategischen Weggabelung

Die jüngsten Übernahmespekulationen treffen Capri in einer wesentlich schlankeren Struktur als noch beim gescheiterten Tapestry-Deal. Versace ist verkauft, die Verschuldung wurde massiv reduziert und das Portfolio konzentriert sich inzwischen vollständig auf Michael Kors und Jimmy Choo. Gleichzeitig ist die operative Entwicklung der beiden Marken sehr unterschiedlich.

Damit stellt sich für Capri die Frage, ob das Management den laufenden Umbau eigenständig fortführt oder ein neuer Eigentümer die nächste Phase übernimmt. Noch gibt es keinen bestätigten Verkaufsprozess, keinen genannten Käufer und keinen vereinbarten Preis. Dass sich Investoren offenbar intensiver mit dem Unternehmen beschäftigen, zeigt jedoch, dass die Eigentümerfrage bei Capri Holdings erneut auf der Agenda steht.

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