Cyberangriffe müssen nicht häufiger werden, um für Unternehmen größere wirtschaftliche Risiken zu verursachen. Der Cyber Claims Report 2026 des Versicherers Chubb zeigt insbesondere bei europäischen Großunternehmen eine deutliche Verschiebung: Die Häufigkeit gemeldeter Schäden sank 2025, während die durchschnittlichen Kosten kräftig zunahmen.
Grundlage sind die weltweiten Schadendaten des Versicherers bis Ende Dezember 2025. Als wesentliche Risikotreiber identifiziert Chubb den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz, steigende Rechtskosten nach Datenschutzverletzungen und die wachsende Abhängigkeit von externen IT-Dienstleistern und Lieferketten.
Großunternehmen verzeichnen deutlich höhere Schäden
Bei europäischen und britischen Unternehmen mit mindestens einer Milliarde Dollar Jahresumsatz sank die Schadenhäufigkeit von 2,31 Fällen je 100 Policen im Jahr 2024 auf 1,75 im vergangenen Jahr. Gleichzeitig erhöhten sich die durchschnittlichen Kosten eines Schadenfalls von rund 1,12 Millionen auf 2,22 Millionen Dollar und haben sich damit nahezu verdoppelt.
Bei Unternehmen mit 100 bis 999 Millionen Dollar Umsatz ging die Häufigkeit von 1,98 auf 1,51 Fälle je 100 Policen zurück, während der durchschnittliche Schaden von rund 238.000 auf 319.000 Dollar stieg. Anders entwickelte sich das Segment unter 100 Millionen Dollar Umsatz: Dort nahm die Häufigkeit von 0,85 auf 1,58 Fälle zu, zugleich erhöhten sich die durchschnittlichen Kosten von rund 51.000 auf knapp 83.000 Dollar.
Die Werte beziehen sich ausschließlich auf das versicherte Portfolio von Chubb und sind daher nicht als repräsentative Statistik für sämtliche Cybervorfälle zu verstehen. In den USA fallen die Schäden nochmals deutlich höher aus: Bei Großunternehmen stiegen die durchschnittlichen Kosten 2025 auf rund 4,43 Millionen Dollar, obwohl auch dort die Schadenhäufigkeit zurückging.
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KI erhöht die Geschwindigkeit von Angriffen
Künstliche Intelligenz verändert nach Einschätzung von Chubb insbesondere die Geschwindigkeit von Cyberattacken. Angreifer können Large Language Models und zunehmend autonome Systeme einsetzen, um Schwachstellen zu identifizieren und Angriffe schneller über mehrere Systeme auszubreiten.
Als weitere Gefahren nennt der Versicherer sich verändernde Malware und realistischere Deepfakes von Führungskräften. Gleichzeitig entstehen neue Datenschutzrisiken, wenn Beschäftigte sensible oder personenbezogene Informationen in öffentlich zugängliche KI-Anwendungen eingeben.
Damit gewinnt neben klassischer IT-Sicherheit auch die Governance beim Einsatz von KI an Bedeutung. Chubb empfiehlt unter anderem eine Bestandsaufnahme der verwendeten Anwendungen, die Überprüfung externer Anbieter sowie Schulungen zu Phishing und Deepfakes.
Lieferketten vergrößern die wirtschaftliche Reichweite
Ein wachsendes Risiko entsteht durch die Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Nach Zahlen des World Economic Forum, auf die Chubb verweist, betrachten 65 Prozent der großen Unternehmen Schwachstellen bei Drittanbietern und in Lieferketten als größte Cyberherausforderung. Im Vorjahr waren es 54 Prozent.
Welche Folgen daraus entstehen können, verdeutlicht der Report anhand eines Cyberangriffs auf einen internationalen Automobilhersteller im August 2025. Produktionsstandorte in mehreren Ländern standen laut Bericht fünf Wochen still. Chubb beziffert den wirtschaftlichen Schaden für Großbritannien auf 1,9 Milliarden Pfund und nennt mehr als 5.000 betroffene britische Organisationen innerhalb der Lieferkette.
Auch der Handel kann indirekt getroffen werden. In einem von Chubb beschriebenen Fall führte ein Ransomware-Angriff auf einen externen Softwareanbieter bei einem Einzelhändler zum Ausfall eines zentralen Systems. Verkäufe, Warenbestellungen und Terminvereinbarungen wurden beeinträchtigt, der Betriebsunterbrechungsschaden erreichte 1,2 Millionen Dollar.
Phishing bleibt wichtigstes Einfallstor
Trotz neuer KI-basierter Angriffsmöglichkeiten bleiben klassische Methoden dominant. Phishing und Social Engineering waren 2025 laut Chubb mit einem Anteil von 41,4 Prozent der häufigste initiale Angriffsweg bei Ransomware-Fällen. Externe Remote-Zugänge folgten mit 29,8 Prozent.
Die Ausnutzung schwerwiegender technischer Schwachstellen verlor dagegen an Bedeutung. Ihr Anteil sank von 21,7 Prozent im Jahr 2022 auf 9,5 Prozent im Jahr 2025.
Der Report zeichnet damit ein verändertes Risikobild: Sicherheitsmaßnahmen können erfolgreiche Angriffe begrenzen, doch einzelne Vorfälle treffen zunehmend komplexe IT-Systeme und eng vernetzte Lieferketten. Für Unternehmen rücken deshalb neben der Angriffshäufigkeit vor allem Geschwindigkeit, Betriebsunterbrechungen und die wirtschaftliche Reichweite eines Cybervorfalls in den Mittelpunkt.




