HelloFresh wehrt sich gegen schwere Vorwürfe von Grizzly Research, die in dem letzter Woche veröffentlichten Bericht erhoben wurden. Das Unternehmen bezeichnet die Inhalte des Papiers als selektiv, irreführend und teils widersprüchlich zu öffentlich zugänglichen Informationen. Die Autoren des Berichts hätten bewusst zentrale Fakten ausgelassen, um eine bereits vorgefasste Meinung zu stützen.
Transparente Unternehmensführung betont
HelloFresh betont in einem ausführlichen Statement, stets transparent und im Sinne der Aktionäre gehandelt zu haben. Die Governance-Strukturen, Offenlegungspflichten und Anreizsysteme entsprächen internationalen Standards. Zudem sei Grizzly Research vor Veröffentlichung nicht an das Unternehmen herangetreten, sodass keine Möglichkeit zur Stellungnahme bestand.
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Keine persönliche Bereicherung der Gründer
Der Bericht unterstellt den Gründern Dominik Richter und Thomas Griesel, sich auf Kosten der Anteilseigner persönlich zu bereichern. HelloFresh weist dies entschieden zurück. Share Pledges – also die Verpfändung von Aktien – seien bei börsennotierten Unternehmen gängige Praxis und unterlägen Meldepflichten, denen man vollständig nachgekommen sei. Behauptungen über Risiken von Margin Calls seien überzogen oder basierten auf fehlerhaften Annahmen.
Zudem habe Richter über Jahre hinweg wiederholt HelloFresh-Aktien erworben. Auch Griesel habe in den letzten zweieinhalb Jahren keine Optionen verkauft, sondern Aktien im Wert von über 1,25 Millionen Euro gekauft. Die Vorwürfe seien nicht nur unbelegt, sondern zeugten auch von einem fundamentalen Missverständnis gängiger Finanzinstrumente.
Aktienrückkäufe im Sinne aller Investoren
Die Annahme, das laufende Aktienrückkaufprogramm diene der Absicherung gegen Margin Calls, wies HelloFresh als unzutreffend zurück. Vielmehr sei es Teil einer veränderten Kapitalallokation nach Abschluss größerer Investitionen. Das Programm reduziere den Streubesitz und steigere den Gewinn pro Aktie – ganz im Sinne langfristiger Wertschöpfung.
Geschäftsmodell in Erneuerungsphase, nicht in der Krise
Grizzly Research hatte das HelloFresh-Geschäftsmodell als strukturell problematisch bezeichnet. HelloFresh widerspricht: Man befinde sich in einer Phase der Effizienzsteigerung und setze auf profitables Wachstum. Zwar gehe die Zahl neuer Kunden aktuell zurück – infolge geringerer Marketingausgaben – dafür wachse der Anteil loyaler, margenstarker Bestandskunden. Die Produktqualität werde parallel gesteigert. Dies zeige sich unter anderem an AEBITDA-Margen von über 12 % im Kerngeschäft.
Auch die Ready-to-Eat-Marke Factor entwickle sich positiv, trotz temporärer Herausforderungen. Neue Geschäftsbereiche wie Tiernahrung wiesen starkes Wachstum und bessere Margen auf – entgegen der Darstellung im Bericht.
Governance-Vorwürfe entbehren jeder Grundlage
Anschuldigungen bezüglich mangelhafter Unternehmensaufsicht oder absichtlicher Intransparenz weist HelloFresh zurück. Das Unternehmen verweist auf etablierte Kontrollmechanismen, externe Prüfungen sowie die Rolle unabhängiger Gremien. Eine kurzzeitige Nichterreichbarkeit der Investor-Relations-Website sei auf ein technisches Problem eines externen Dienstleisters zurückzuführen gewesen.
Marke bleibt bei Kunden beliebt
Berichte über eine angeblich beschädigte Marke bewertet HelloFresh als unbelegt. Die zitierten Beispiele seien teils mehrere Jahre alt, aus dem Kontext gerissen und hätten keine signifikanten Auswirkungen gehabt. Vielmehr verzeichne man aktuell hohe Kundenzufriedenheit – belegt durch positive Net-Promoter-Scores in vielen Märkten.
Vorwurf des Insiderhandels ohne Beleg
Die im Bericht angedeuteten Hinweise auf möglichen Insiderhandel um die Q3-Zahlen herum werden von HelloFresh entschieden zurückgewiesen. Es gebe keine Anzeichen für Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften.
HelloFresh sieht in dem Bericht von Grizzly Research den Versuch, Unsicherheit am Markt zu erzeugen, um von einem fallenden Aktienkurs zu profitieren. Das Unternehmen verweist auf seine öffentlich einsehbaren Zahlen und lädt Investoren ein, sich ein differenziertes Bild zu machen.



