Hersteller langlebiger Konsumgüter stellen sich in Deutschland auf ein schwierigeres Marktumfeld ein. Trotz einer bereits erfolgten Verteuerung vieler Produkte wollen zahlreiche Unternehmen ihre Verkaufspreise erneut anheben. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass eine schwache Nachfrage und eine höhere Preissensibilität der Verbraucher die geplanten Maßnahmen erschweren könnten.
Das zeigt die aktuelle Business-Health-Studie von Simon-Kucher. Befragt wurden im August 2026 insgesamt 106 Entscheider von Herstellern und Markenunternehmen aus Bereichen wie Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten, Möbeln, Heimtextilien, Haushaltswaren und Spielwaren.
Weitere Preissteigerungen bei zwei Dritteln geplant
Drei Viertel der befragten Unternehmen haben ihre Preise innerhalb der vergangenen zwölf Monate bereits angehoben. Dennoch rechnen 67 Prozent mit einer weiteren Preisrunde. Rund ein Viertel der Hersteller plant dabei Steigerungen von mehr als fünf Prozent.
Lediglich 22 Prozent gehen davon aus, dass zusätzliche Aufschläge am Markt nicht mehr akzeptiert würden. Simon-Kucher sieht deshalb eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher bei langlebigen Konsumgütern mit weiteren Verteuerungen konfrontiert werden. Ob die angekündigten Preissteigerungen vollständig im Handel und bei den Endkunden ankommen, bleibt allerdings offen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Schwache Nachfrage erhöht das wirtschaftliche Risiko
Die Preispläne treffen auf ein zunehmend schwieriges Geschäftsumfeld. 21 Prozent der Hersteller erwarten sinkende Umsätze, während 62 Prozent die aktuelle Marktlage als unsicher oder kritisch einschätzen. Neben einer verhaltenen Nachfrage belasten Kosten-, Wettbewerbs- und Margendruck die Unternehmen.
Damit steigt das Risiko, dass höhere Verkaufspreise die Nachfrage zusätzlich dämpfen. Besonders bei preissensiblen Kunden könnte eine weitere Verteuerung dazu führen, dass Anschaffungen verschoben oder günstigere Alternativen gewählt werden. Für Hersteller wird damit die Frage wichtiger, bei welchen Produkten und Kundengruppen zusätzliche Preisaufschläge tatsächlich durchsetzbar sind.
Zuversicht der Entscheider nimmt deutlich ab
Parallel zum schwierigeren Marktumfeld hat sich die Stimmung innerhalb der Branche verschlechtert. Anfang 2025 bezeichneten sich noch 92 Prozent der befragten Entscheider als positiv gestimmt. Im Sommer 2026 liegt dieser Anteil nur noch bei 51 Prozent.
Besonders stark ging die ausgeprägte Zuversicht zurück: Der Anteil sehr optimistischer Entscheider sank von 37 auf 13 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Pessimisten von null auf 14 Prozent. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Hersteller ihre Geschäftsaussichten wesentlich zurückhaltender beurteilen als noch vor anderthalb Jahren.
Preisdurchsetzung wird zur entscheidenden Hürde
Auch bei der praktischen Umsetzung ihrer Geschäftspläne zeigen sich die Unternehmen skeptischer. 19 Prozent bewerten die Realisierung der vorgesehenen kommerziellen Maßnahmen als gefährdet oder kritisch. Lediglich 14 Prozent sind vollständig davon überzeugt, ihre Vorhaben während der kommenden zwölf Monate wie geplant umsetzen zu können.
Eine zentrale Schwachstelle ist die tatsächliche Durchsetzung höherer Erlöse. 35 Prozent der Hersteller sehen Defizite bei Netto-Preisen oder leistungsbezogenen Handelskonditionen. Damit besteht eine deutliche Lücke zwischen geplanten Listenpreiserhöhungen und den Beträgen, die Unternehmen nach Verhandlungen mit Handelspartnern tatsächlich erzielen können.
Nicht jede angekündigte Erhöhung erreicht die Verbraucher
Für Verbraucher bedeutet die Studie daher nicht zwangsläufig, dass sämtliche geplanten Preisaufschläge vollständig im Laden oder Onlinehandel sichtbar werden. Schwache Nachfrage, intensiver Wettbewerb und schwierige Verhandlungen mit Handelspartnern können die Preispläne der Hersteller begrenzen.
Die Ergebnisse zeigen dennoch einen klaren Trend: Viele Anbieter wollen trotz des angespannten Marktumfelds an höheren Preisen festhalten. Entscheidend für die kommenden Monate dürfte sein, wie weit sich diese Forderungen gegenüber Handel und Verbrauchern tatsächlich durchsetzen lassen.




