JD.com, das dieses Jahr durch die MediaMarktSaturn-Übernahme sowie durch den Start von Joybuy in Deutschland Aufsehen erregt hatte, hat im dritten Quartal 2025 ein deutliches Umsatzwachstum erzielt und gleichzeitig starke Investitionen in neue Geschäftsbereiche getätigt. Während die Erlöse laut Investorenmitteilung um 14,9 % auf rund 299 Milliarden RMB (42 Mrd. €) stiegen, sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr erheblich. Dennoch sieht Chinas größter Einzelhändler sich gut positioniert für langfristiges Wachstum und konnte diese Woche bereits mit Mega-Zahlen zum Singles Day punkten.
Starkes Umsatzwachstum, aber Rückgang beim Gewinn
Der Konzernumsatz legte im dritten Quartal auf 299,1 Milliarden RMB (42 Mrd. €) zu. Haupttreiber war das Kerngeschäft JD Retail, das mit 250,6 Milliarden RMB (35,2 Mrd. €) um 11,4 % über dem Vorjahreswert lag. Gleichzeitig sank der Nettogewinn von 11,7 Milliarden RMB im Vorjahr auf 5,3 Milliarden RMB (0,7 Mrd. €). Die Non-GAAP-Ergebnisse zeigten einen ähnlichen Rückgang – von 13,2 auf 5,8 Milliarden RMB.
Der Rückgang im operativen Ergebnis lässt sich auf umfangreiche Investitionen in neue Geschäftsmodelle zurückführen. Während JD Retail seine operative Marge auf 5,9 % verbessern konnte, sank der operative Konzerngewinn auf -0,4 %. CFO Ian Su Shan betonte jedoch, dass die Wachstumsfelder langfristig zur Rentabilität beitragen sollen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Expansion in Handel, Logistik und Gesundheit
Im Segment JD Retail startete JD.com im September das Label „JD FASHION“, das qualitativ hochwertige Modeprodukte unter einem eigenen Markendach vereint. Zudem wurden neue JD MALL Stores in Taiyuan, Shenzhen und Tianjin eröffnet, sowie ein Standort in Hongkong für 2026 angekündigt. Im Lebensmittelbereich verfolgt JD Supermarket eine Wachstumsstrategie durch gezielte Sortiments- und Markenentwicklung.
JD Logistics setzte die internationale Expansion fort und eröffnete sein neuntes Logistikzentrum im Nahen Osten – das Dubai No.5 Warehouse. Zudem nahm JD Airlines neue Luftfrachtverbindungen nach Singapur auf, um die Cross-Border-Lieferkette weiter auszubauen. Erst zuletzt hatte JD.com zudem eine große Importoffensive für internationale Marken und den Start neuer Länderpavillions bekanntgegeben.
Im Gesundheitsbereich baute JD Health strategische Partnerschaften mit führenden Pharmakonzernen wie Eli Lilly und Bayer aus. Das Unternehmen stärkt damit seine Position als zentrale Plattform für Spezial- und Neuprodukte. Darüber hinaus wurde eine intelligente Gesundheitsallianz für Blutzucker-Management gegründet und ein KI-gestütztes System für ambulante Versorgung eingeführt.
Food Delivery wächst, bleibt aber Investitionsfeld
JD Food Delivery konnte durch gesteigerte Effizienz seine Investitionen senken, während GMV und Bestellvolumen weiter zunahmen. Synergien mit dem Retail-Geschäft förderten die Kundenbindung und Frequenz. Mit dem Konzept „7Fresh Kitchen“ testet JD eine neue Wertschöpfung in der Lieferkette, die auf positive Resonanz stößt.
Kapitalrückflüsse und Global 500-Erfolg
Im Rahmen eines Rückkaufprogramms hat JD.com bis Ende September 2025 eigene Aktien im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar (1,4 Mrd. €) erworben. Das entspricht etwa 2,8 % der ausstehenden Aktien. Zudem wurde JD im zehnten Jahr in Folge in die Fortune Global 500 aufgenommen und belegt aktuell Rang 44 – ein deutlicher Sprung gegenüber Platz 366 vor zehn Jahren.
Kostenstruktur unter Druck
Die Aufwendungen stiegen deutlich: Die Fulfillment-Kosten legten um 35,2 % auf 22 Milliarden RMB (3,1 Mrd. €) zu. Die Marketingausgaben verdoppelten sich sogar auf 21,1 Milliarden RMB (3,0 Mrd. €), was vor allem auf neue Geschäftsinitiativen zurückzuführen ist. Auch die Forschungs- und Verwaltungsaufwendungen zogen jeweils um rund 28 % an.
Cashflow belastet durch Investitionen
JD.com erwirtschaftete im dritten Quartal einen negativen Free Cashflow von 11,2 Milliarden RMB (1,6 Mrd. €). Im Zwölfmonatszeitraum liegt dieser Wert jedoch noch im positiven Bereich bei 12,6 Milliarden RMB (1,8 Mrd. €). Die hohen Investitionen in Sachanlagen und Entwicklungskosten schlagen sich deutlich in der Kapitalflussrechnung nieder.
Strategie: Breite Plattform, langfristiger Fokus
JD verfolgt weiterhin eine breit angelegte Plattformstrategie mit Fokus auf Technologie, Logistik und Premiumprodukte. Trotz rückläufiger Margen zeigt sich CEO Sandy Xu zuversichtlich: Die Nutzerzahlen stiegen auf über 700 Millionen aktive Kunden, und die neuen Geschäftsfelder tragen zur Diversifizierung und Zukunftssicherung des Unternehmens bei.


