Die ostdeutsche Porzellanmanufaktur Könitz aus Unterwellenborn hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, wie die Berliner Zeitung zuerst berichtet. Das Amtsgericht Gera hat das Verfahren kürzlich eröffnet und den Erfurter Rechtsanwalt Rolf Rombach als Sachwalter eingesetzt. Die rund 100 Beschäftigten des Traditionsbetriebs, dessen Ware unter anderem auch bei Amazon erhältlich ist, erhalten zunächst Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.
Auslöser: Rechtsstreit mit Ex-Partner in Frankreich
Laut Geschäftsführer Turpin Rosenthal geht die finanzielle Schieflage auf einen jahrelangen Rechtsstreit mit einem früheren Geschäftspartner zurück. In erster Instanz wurde eine sechsstellige Schadensersatzforderung gegen Könitz erwirkt – obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, ließ die Gegenseite bereits eine Kontenpfändung vollziehen. Die Geschäftsführung hat das Urteil angefochten, das Verfahren läuft in zweiter Instanz.
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Insolvenz soll Mittelabfluss stoppen
Der Insolvenzantrag diene laut Rosenthal auch dazu, einen weiteren Abfluss von Unternehmensgeldern ins Ausland zu verhindern. Trotz angespannter Lage arbeite das Werk ohne Einschränkungen weiter. Das Management zeigt sich überzeugt, dass das Geschäftsmodell tragfähig sei – der Jahresumsatz liegt derzeit bei knapp zehn Millionen Euro.
Über 100 Jahre Unternehmensgeschichte
Die Ursprünge der Könitz Porzellan GmbH reichen bis ins Jahr 1909 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb Teil einer sowjetischen Aktiengesellschaft, später des VEB Porzellanwerke Könitz-Kahla. In den 1980er-Jahren war die Fertigung technologisch führend. Nach der Wende übernahm Turpin Rosenthal das Unternehmen von der Treuhand und modernisierte es umfassend.
Exportgeschäft bis in den Louvre
Könitz exportiert seine individuell bedruckten Tassen und Becher weltweit – auch an Museen und Handelsketten wie den Pariser Louvre. Die Produktionskapazität liegt bei bis zu 300.000 Bechern pro Monat. Laut MDR ist die Produktqualität so hoch, dass sie sich trotz günstiger Konkurrenz aus China am Markt behauptet.
Sanierung in Sicht?
Der Sachwalter prüft derzeit mögliche Sanierungsschritte. Eine Gläubigerversammlung ist für Mitte Januar 2026 geplant. Ob das Werk mit über 100-jähriger Geschichte langfristig weiterbestehen kann, bleibt offen. Geschäftsführer Rosenthal zeigt sich dennoch optimistisch und rechnet mit einem positiven Ausgang des laufenden Gerichtsverfahrens.


