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Fehlzeiten steigen – Krankenstand im Einzelhandel auf Rekordhoch

Mann und Frau beim Mode-Einkaufen
Foto: Sam Lion / Pexels

Key takeaways

Der Krankenstand im Einzelhandel erreichte 2024 mit 7,14 Prozent den höchsten Stand seit 2003. Besonders psychische Erkrankungen führten zu deutlich mehr Fehltagen.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Die Beschäftigten im deutschen Einzelhandel waren 2024 so häufig krankgeschrieben wie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr. Laut einer aktuellen Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg lag der Krankenstand im vergangenen Jahr bei 7,14 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2003. Das bedeutet: An jedem Kalendertag fehlten rechnerisch mehr als sieben von hundert Angestellten krankheitsbedingt.

Die Daten, über die Lebensmitteil Zeitung berichtet, basieren auf der Analyse von über 100.000 versicherten Einzelhandelsbeschäftigten. Im Jahr 2015 lag die Quote noch bei 5,28 Prozent. Die Gesundheitskasse betreut rund drei Millionen Versicherte in der Region.

Psychische Erkrankungen als Hauptursache

Besonders stark gestiegen ist laut AOK die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Leiden. Durchschnittlich 5,7 Fehltage pro Kopf lassen sich 2024 auf psychische Erkrankungen zurückführen – vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 3,9 Tagen. Das entspricht einem Anstieg von rund 46 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts.

Merit Kirch, Geschäftsführerin des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg, nennt mehrere Gründe für diesen Trend: „Dazu zählen unter anderem die hohe psychische Belastung durch intensiven Kundenkontakt, Personalengpässe, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie ein zunehmender Wettbewerbsdruck durch den Onlinehandel.“

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Jüngere Belegschaft, dennoch hoher Krankenstand

Obwohl der stationäre Einzelhandel im Schnitt über eine jüngere Belegschaft verfügt – das Durchschnittsalter liegt laut AOK bei 37,7 Jahren gegenüber 41 Jahren in anderen Branchen – ist der Krankenstand deutlich gestiegen. Damit liegt er nur noch knapp unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 7,18 Prozent.

Im Vergleich zu anderen Sektoren fällt der Krankenstand jedoch noch moderat aus: In der Pflege betrug er 2024 9,36 Prozent, in der Metallerzeugung 9,33 Prozent und in der öffentlichen Verwaltung 8,70 Prozent. Deutlich geringere Werte wurden hingegen im Finanz- und Versicherungssektor (5 Prozent) sowie im Gastgewerbe (4,84 Prozent) registriert.

HDE kritisiert Fernkrankschreibung

Angesichts der Entwicklungen fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Dies sei insbesondere im Einzelhandel problematisch, wo ohnehin eine angespannte Personallage herrsche. Der stationäre Handel leidet zudem unter einer wachsenden Zahl von Insolvenzen: Zwischen August 2024 und August 2025 meldeten laut Allianz Trade 2.490 Handelsunternehmen Insolvenz an – so viele wie seit Jahren nicht mehr.

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