Die Ludwig Beck am Rathauseck – Textilhaus Feldmeier AG zieht sich aus dem regulierten Kapitalmarkt zurück. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, haben sowohl die Frankfurter Wertpapierbörse als auch die Börse München den Anträgen auf Widerruf der Börsenzulassung zugestimmt.
An der Börse München wird das Delisting mit Ablauf des Handelstags am 19. August 2026 wirksam. An der Frankfurter Wertpapierbörse endet die Zulassung zum regulierten Markt einschließlich des Prime Standard mit Ablauf des 21. August.
Damit endet eine Börsengeschichte, die am 18. Mai 1998 begonnen hatte. Ludwig Beck gehörte mehr als 28 Jahre zum Kreis der börsennotierten deutschen Einzelhandelsunternehmen.
Delisting folgt unmittelbar auf Ende des Erwerbsangebots
Der Zeitpunkt des Börsenrückzugs ist eng mit dem Pflicht- und Delisting-Erwerbsangebot der Bayerische Gewerbebau AG verbunden. Die Gesellschaft hatte den außenstehenden Aktionären 23,16 Euro je Ludwig-Beck-Aktie angeboten. Die Annahmefrist läuft vom 21. Juli bis zum 18. August 2026 um 24 Uhr.
Erst danach werden die beiden Börsenzulassungen aufgehoben. Damit bleibt den Aktionären bis zum Ende der Angebotsfrist die Möglichkeit, ihre Aktien im Rahmen des öffentlichen Angebots anzudienen.
Nach Wirksamwerden des Delistings können die Aktien von Ludwig Beck nicht mehr im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börse München gehandelt werden. Gleichzeitig entfallen die mit der Börsennotierung verbundenen Zulassungsfolgepflichten. Das betrifft insbesondere die zusätzlichen Transparenzanforderungen des Prime Standard.
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Machtwechsel leitete den Rückzug von der Börse ein
Der entscheidende Ausgangspunkt für das Delisting liegt nur wenige Monate zurück. Ende Mai 2026 wurde eine grundlegende Veränderung der Eigentümerstruktur bekannt.
Vorstandschef Christian Greiner und die INTRO-Verwaltungs GmbH veräußerten ihre Beteiligungen an Ludwig Beck an Alfons Doblinger beziehungsweise dessen Umfeld. Greiner hatte unmittelbar sowie über die Christian Rudolf Greiner Verwaltungs GmbH insgesamt rund 26,3 Prozent des Grundkapitals gehalten. Die INTRO-Verwaltungs GmbH verfügte über weitere rund 25,2 Prozent. Damit wechselte auf einen Schlag die Kontrolle über mehr als die Hälfte des Aktienkapitals.
Am 17. Juni meldete die Bayerische Gewerbebau AG formal die Kontrollerlangung. Sie hatte weitere 1.916.231 Ludwig-Beck-Aktien erworben, entsprechend rund 51,86 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte.
Nach Vollzug der Transaktionen hielt die Bayerische Gewerbebau AG unter Einbeziehung der Beteiligung ihrer Tochtergesellschaft BG Heppenheim Grundstücks GmbH zunächst rund 78,17 Prozent der Ludwig-Beck-Aktien. Die aktuell von Ludwig Beck ausgewiesene Aktionärsstruktur beziffert den gemeinsamen Anteil von Bayerische Gewerbebau AG, BG Heppenheim Grundstücks GmbH und Doblinger Beteiligung GmbH inzwischen auf rund 80,2 Prozent. Der Streubesitz ist damit stark geschrumpft.
Delisting-Vereinbarung bereits im Juni geschlossen
Noch am Tag der Kontrollerlangung, dem 17. Juni 2026, vereinbarten Ludwig Beck und die Bayerische Gewerbebau AG den Rückzug von der Börse. Die Bayerische Gewerbebau verpflichtete sich, das infolge der Kontrollerlangung ohnehin erforderliche Pflichtangebot gleichzeitig als Delisting-Erwerbsangebot auszugestalten. Damit wurden Übernahme- und Börsenrückzugsverfahren miteinander verbunden.
Der Vorstand von Ludwig Beck erklärte seinerzeit, das Delisting liege unter Abwägung der Gesamtumstände im Interesse der Gesellschaft.
Bei einem dominierenden Mehrheitsaktionär und einem vergleichsweise geringen Streubesitz verliert eine aufwendige Prime-Standard-Notierung einen Teil ihres strategischen Nutzens. Kosten für Börsenzulassung, Kapitalmarktkommunikation, regulatorische Folgepflichten und umfangreiche Publizität stehen einem immer geringeren frei handelbaren Aktienvolumen gegenüber. Mit der Zustimmung der Börsen ist dieser Prozess nun praktisch abgeschlossen.
Börsengang 1998: Aktien waren zehnfach überzeichnet
Der Rückzug markiert einen deutlichen Kontrast zum Börsendebüt vor 28 Jahren. Am 18. Mai 1998 ging Ludwig Beck an die Börse. Der Emissionspreis betrug 34 D-Mark und lag damit am oberen Ende der damaligen Bookbuilding-Spanne. Knapp 1,8 Millionen Aktien wurden angeboten. Die Nachfrage war beträchtlich: Nach Angaben des Unternehmens war die Emission bei Zeichnungsschluss rund zehnfach überzeichnet.
Der Börsengang fiel in eine Phase, in der Ludwig Beck einen tiefgreifenden Restrukturierungsprozess abgeschlossen hatte. Nach einer ambitionierten Expansion in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren hatte sich das Unternehmen wieder stärker auf sein Münchner Stammhaus und seine Kernkompetenzen konzentriert.
1998 erzielte Ludwig Beck einen Jahresüberschuss von 5,2 Millionen D-Mark. Bereits 1999 folgte mit 11,3 Millionen D-Mark der bis dahin höchste Jahresüberschuss der Unternehmensgeschichte. Die Aktie war zunächst im damaligen SMAX und später im Prime Standard der Deutschen Börse notiert. Damit verpflichtete sich Ludwig Beck über viele Jahre zu erhöhten Transparenz- und Publizitätsanforderungen.
Von der Knopfmacherwerkstatt zum „Kaufhaus der Sinne“
Die Unternehmensgeschichte reicht erheblich weiter zurück als die Börsenhistorie. 1861 gründete Ludwig Beck in München eine Knopfmacher- und Posamentierwerkstätte. Der Betrieb startete mit vier Gesellen, einem Lehrling sowie einem kleinen Verkaufsteam.
Schon wenige Jahre später expandierte das Unternehmen. 1876 belieferte Ludwig Beck die Schlösser König Ludwigs II. mit Gold- und Silberposamenten und erhielt den Titel „Königlich Bayerischer Hofposamentier“. 1892 wurde das Sortiment um Seidenstoffe, Weißwaren und Modeartikel erweitert. Aus dem spezialisierten Handwerksbetrieb entwickelte sich schrittweise ein Handelshaus.
Eine entscheidende Zäsur folgte 1938: Der Textilkaufmann Gustl Feldmeier übernahm das Unternehmen und firmierte es in „Ludwig Beck am Rathauseck“ um. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Ludwig Beck bereits 138 Mitarbeiter.
Das Geschäftshaus wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Nach einem provisorischen Wiederbeginn fusionierten Ludwig Beck am Rathauseck und das Textilhaus Feldmeier 1948 zur „Ludwig Beck am Rathauseck – Textilhaus Feldmeier KG“.
Das Stammhaus am Marienplatz als entscheidender Vermögenswert
1954 erwarb Gustl Feldmeier das heutige Stammhaus am Münchner Marienplatz. Dieser Schritt prägt Ludwig Beck bis heute. Die Lage direkt am Marienplatz zählt zu den prominentesten Einzelhandelsstandorten Deutschlands. Für Ludwig Beck ist die Immobilie deshalb weit mehr als nur Verkaufsfläche. Sie bildet einen zentralen Teil der wirtschaftlichen Substanz des Unternehmens und war über viele Jahre auch ein wesentliches Argument in der Kapitalmarktstory.
Schon 1953 beschäftigte das Unternehmen mehr als 400 Mitarbeiter und erzielte 12,4 Millionen D-Mark Umsatz. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Stammhaus mehrfach erweitert und modernisiert. 1971 kam das Tiefgeschoss mit direkter Anbindung an S- und U-Bahn hinzu. 1972 eröffnete Ludwig Beck im Zuge der Olympischen Spiele eine Filiale im Münchner Olympia-Einkaufszentrum.
Expansion bis nach New York
In den 1980er-Jahren versuchte Ludwig Beck, das erfolgreiche Münchner Konzept überregional und international auszurollen. 1982 eröffnete das Unternehmen eine Filiale im Trump Tower in New York. Ab 1987 folgte eine Expansion in weitere deutsche Städte, zunächst nach Hamburg. 1986, zum 125-jährigen Firmenjubiläum, erzielte Ludwig Beck einen Jahresumsatz von 132 Millionen D-Mark und beschäftigte rund 860 Mitarbeiter.
Die Expansion erwies sich jedoch nicht dauerhaft als tragfähig. Mitte der 1990er-Jahre leitete das Unternehmen einen Konsolidierungskurs ein und konzentrierte sich wieder stärker auf seine besondere Positionierung in München.
1992 war Ludwig Beck zur Aktiengesellschaft geworden. Gleichzeitig wurde das Stammhaus unter dem bis heute verwendeten Leitbild „Kaufhaus der Sinne“ neu positioniert. 1997 erfolgte eine grundlegende Modernisierung des Hauses – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Börsengang im folgenden Jahr.
Spezialist statt Warenhauskonzern
Heute unterscheidet sich Ludwig Beck deutlich von den früheren großen deutschen Warenhauskonzernen. Das Unternehmen setzt auf eine Mischung aus hochwertiger Mode, Beauty, Accessoires, Lifestyle-Produkten, Kurzwaren und Musik. Insbesondere die Lage am Münchner Marienplatz verschafft Ludwig Beck Zugang sowohl zu einer kaufkräftigen lokalen Kundschaft als auch zu Touristen.
Hinzu kommt das Beauty-Geschäft. Seit Ende 2012 vertreibt das Unternehmen sein entsprechendes Sortiment auch über den eigenen Onlineshop. Dort werden nach Unternehmensangaben nahezu 10.000 Produkte von mehr als 100 Luxus- und Nischenkosmetikmarken angeboten.
Der Konzern weist derzeit zwei Ludwig-Beck-Standorte aus. Neben dem Stammhaus am Marienplatz ist das Unternehmen unter anderem mit seinem Beauty-Angebot in den Münchner Fünf Höfen präsent.
88 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025
Operativ ist Ludwig Beck ein vergleichsweise kleines börsennotiertes Handelsunternehmen geblieben. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Bruttoumsatz von 88,0 Millionen Euro. Gegenüber 87,2 Millionen Euro im Vorjahr entsprach dies einem Plus von 0,9 Prozent. Damit entwickelte sich Ludwig Beck besser als der stationäre Textileinzelhandel, für den das Unternehmen unter Berufung auf Branchenzahlen einen Rückgang von vier Prozent nannte.
Der Nettoumsatz belief sich 2025 auf 74,0 Millionen Euro. Das EBITDA erreichte 10,2 Millionen Euro und lag damit auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis EBIT verbesserte sich leicht von 3,4 auf 3,5 Millionen Euro. Vor Steuern blieben 0,6 Millionen Euro übrig.
Nach Steuern erzielte Ludwig Beck 2025 einen kleinen Gewinn von rund 0,1 Millionen Euro, nachdem das Vorjahr aufgrund eines bilanziellen Sondereffekts mit einem Verlust von 2,9 Millionen Euro abgeschlossen worden war.
Das Eigenkapital belief sich Ende 2025 auf 61,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf 38,5 Prozent.
Schwieriges Handelsumfeld belastet 2026
Das operative Umfeld bleibt anspruchsvoll. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Bruttoumsatz um 1,9 Prozent von 37,8 auf 37,1 Millionen Euro. Das Textilsegment erreichte 28,6 Millionen Euro nach 29,0 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Nontextil-Segment gingen die Erlöse von 8,8 auf 8,5 Millionen Euro zurück. Auch der Onlineshop entwickelte sich rückläufig.
Neben der allgemein schwachen Konsumstimmung verwies das Management auf besondere Belastungen am Münchner Standort. Infrastruktur- und verkehrspolitische Entwicklungen hätten die Erreichbarkeit des Marienplatzes beeinträchtigt.
Das zeigt zugleich, wie stark Ludwig Beck heute wieder von seinem wichtigsten Standort abhängig ist. Die frühere Expansionsgeschichte mit einem Netz von Filialen ist längst Vergangenheit. Das Geschäftsmodell konzentriert sich wesentlich stärker auf die Marke, die Münchner Innenstadtlage und das hochwertige Sortiment.
Was das Delisting für Ludwig Beck verändert
Das Ende der Börsennotierung verändert zunächst nicht das operative Geschäft. Das Kaufhaus bleibt bestehen, ebenso die Aktiengesellschaft. Ein Delisting ist weder eine Liquidation noch automatisch ein vollständiger Ausschluss aller Minderheitsaktionäre. Für verbleibende Aktionäre verändert sich jedoch die Handelbarkeit ihrer Beteiligung erheblich.
Mit dem Ausscheiden aus dem regulierten Markt entfällt die bislang bestehende börsliche Infrastruktur in Frankfurt und München. Zudem fallen wesentliche kapitalmarktrechtliche Folgepflichten weg. Die Aktie verliert damit einen großen Teil ihrer bisherigen Sichtbarkeit und Liquidität.
Für Ludwig Beck selbst sinkt dagegen der regulatorische und administrative Aufwand einer Börsennotierung. Bei einem stark geschrumpften Streubesitz und einem dominierenden Aktionär mit rund 80 Prozent Beteiligung ist der Zugang zum öffentlichen Aktienmarkt strategisch von deutlich geringerer Bedeutung als noch beim Börsengang 1998.
Das Delisting erscheint deshalb weniger als isolierte Kapitalmarktentscheidung denn als Konsequenz des vorausgegangenen Eigentümerwechsels.
Ein Stück deutscher Einzelhandelsgeschichte verschwindet vom Kurszettel
Der Rückzug von Ludwig Beck hat auch eine symbolische Dimension. Mit dem Münchner Traditionshaus verschwindet ein weiteres bekanntes deutsches Einzelhandelsunternehmen aus dem regulierten Aktienmarkt. Ludwig Beck war nie ein Konzern von der Größenordnung großer Warenhaus- oder Modehandelsgruppen. Gerade die Kombination aus historischer Marke, prominenter Immobilie, vergleichsweise überschaubarem Umsatz und jahrzehntelanger Börsennotierung machte die Aktie jedoch ungewöhnlich.
Als Ludwig Beck 1998 an die Börse ging, sollte der Kapitalmarkt den Abschluss einer Restrukturierung markieren und neue Perspektiven eröffnen. Die Aktien waren zehnfach überzeichnet, der deutsche Aktienmarkt befand sich in einer Phase wachsender Popularität und zahlreiche mittelständische Unternehmen suchten den Weg aufs Parkett.
28 Jahre später sind die Rahmenbedingungen andere. Ludwig Beck hat sich längst wieder auf seine Rolle als stark lokal verankertes Münchner Handelshaus konzentriert. Gleichzeitig hat sich die Eigentümerstruktur so weit verdichtet, dass eine aufwendige Prime-Standard-Notierung für das Unternehmen kaum noch dieselbe Funktion erfüllt wie früher.






