Die italienische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Ausbeutung von Arbeitsmigranten in der Modeindustrie deutlich ausgeweitet. Im Zentrum der Untersuchungen stehen laut Fashionunited 13 weitere Luxusmarken, darunter prominente Namen wie Gucci, Prada, Versace, Yves Saint Laurent und Givenchy. Die Unternehmen sollen über Subunternehmer chinesische und pakistanische Arbeiter unter teils prekären Bedingungen beschäftigt haben – mit Verstößen gegen Lohn- und Arbeitszeitgesetze sowie fehlender Sicherheitsausstattung.
Umfangreiche Anfrage an internationale Marken
Die Staatsanwaltschaft in Mailand hat die betroffenen Firmen aufgefordert, interne Dokumente zur Unternehmensführung sowie Prüfberichte ihrer Lieferketten offenzulegen. Zwar wurden noch keine formellen Ermittlungen gegen die Marken selbst eingeleitet, doch ist dies die bislang größte Ausweitung der im Vorjahr begonnenen Untersuchungen.
Die durchsuchten Werkstätten lagen in Italien, in denen Luxusprodukte wie Taschen und Kleidung gefertigt wurden. Die eingesetzten Arbeitskräfte, zumeist chinesischer oder pakistanischer Herkunft, sollen unter Bedingungen „schwerer Ausbeutung“ gearbeitet haben. Insgesamt sollen fünf Zulieferbetriebe betroffen sein, bei denen zwischen drei und 19 Personen beschäftigt waren.
Zu den kontaktierten Marken gehören unter anderem Gucci, Alexander McQueen, Yves Saint Laurent (alle Teil des französischen Kering-Konzerns) sowie Givenchy, das zu LVMH gehört. Ebenfalls genannt wurden Prada, Versace (inzwischen Teil von Prada), Dolce & Gabbana, Ferragamo, Pinko, Missoni, Off-White, Coccinelle und Adidas.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Debatte über Verantwortung in der Lieferkette
Schon zuvor waren Ermittlungen gegen weitere namhafte Unternehmen wie Tod’s, Loro Piana, Dior, Armani und Valentino Bags Lab eingeleitet worden. Die meisten dieser Firmen wurden vorläufig unter gerichtliche Aufsicht gestellt, um ihre Compliance-Strukturen zu verbessern. Tod’s erhielt zuletzt eine Fristverlängerung, um interne Prüfmechanismen zu evaluieren.
Im Zentrum der Kritik steht die gängige Praxis vieler Luxusmarken, Aufträge an Lieferanten zu vergeben, die diese wiederum an Subunternehmer weiterreichen. Dabei gerät die Kontrolle über die Arbeitsbedingungen oft aus dem Blick. Laut italienischem Recht können Unternehmen für kriminelle Handlungen ihrer Subunternehmer haftbar gemacht werden, wenn diese in ihrem Interesse handeln.


